zur Navigation springen

Schweriner auf Zeitreise : Mueß lässt alte Zeit aufleben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hobbydarsteller zeigen im Freilichtmuseum, wie der Alltag in Mecklenburger Dörfern vor 100 Jahren aussah

von
erstellt am 06.Mai.2016 | 16:00 Uhr

Kann Geschichte wirklich lebendig werden? Das Freilichtmuseum für Volkskunde in Mueß unternimmt in diesen Tagen den Versuch. Geschichtskundige Hobbydarsteller ziehen bis Sonnabend ins Museumsdorf ein und gestalten in authentischer Kulisse nach, wie das Leben in Mecklenburger Dörfern zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgesehen haben könnte.

„Sie schlafen in knarrenden Betten, kochen Suppen an verrußten Feuerherden, backen Kuchen und Brot im historischen Backofen, misten den Stall aus und beackern den Garten“, beschreibt Museumsdirektorin Gesine Kröhnert. Und als Höhepunkt bereiten die Hobby-Dorfbewohner eine Konfirmationsfeier vor. Wenn die Tische mit gutem Essen gedeckt und die geladenen Gäste da sind, kann der Herr des Hauses die Feier eröffnen. Der Fotograf klopft an und möchte das freudige Ereignis für das Familienalbum festhalten, erzählt sie. Besucher des Freilichtmuseums können das heute und morgen jeweils von 10 bis 18 Uhr erleben.

Die studierte Volkskundlerin Gesine Kröhnert erläutert den Hintergrund der Aktionstage im Museum: „Wir wollen Fragen zur Geschichte unserer Region beantworten.“ Was bestimmte das Alltagsleben der Bauern, Hirten und Häusler? Über welche Themen sprachen sie? Wie gingen sie miteinander um? Womit arbeiteten sie? Wie und was kochten die Frauen? Was trug man bei der Arbeit oder an Feiertagen? Wie stand es mit der Kommunikation, dem Wohlbefinden, der Gesundheit und der Körperpflege?

Natürlich kennt Kröhnert auch die Antworten: Von Sonnenauf- bis -untergang bestimmte die Arbeit das Geschehen im Dorf: beim Arbeiten auf dem Feld oder im Garten, beim Fischen, Holzhacken, Essenzubereiten, Nähen und Stopfen, Ausmisten oder Füttern im Stall, Reparieren der Gerätschaften. Und wenn dann wirklich noch Zeit war, betrieb man einen kleinen Nebenerwerb, baute Mausefallen, stopfte Kissen, häkelte Deckchen, schenkte Bier aus oder stempelte Briefsendungen. Es gab immer etwas zu tun und man ging früh zu Bett, weil man jeden Tag müde und jede Nacht kurz war.

„Im Dorf war jeder Teil der Gemeinschaft. Selbst die Armen wurden immer mitversorgt. Der Alltag war härter als heute, man hatte weniger Luxus. Aber waren die Menschen deswegen unglücklicher?“, fragt Kröhnert.

Manchmal wurde auch ein Fest gegeben. In diesem Jahr feiert eine der Familien im Dorf Konfirmation. Besucher der Büdnerei können den Darstellern bei den Vorbereitungen zum Fest zuschauen. Wenn es dann soweit ist, kann mitgefeiert und mitgegessen werden.

Noch ein Ereignis macht im Dorf die Runde: Die Bauernfamilie der Hufe 5 richtet direkt neben ihrer Ausschankstube eine Poststelle ein. Dort kann jeder seine Postsendungen abstempeln lassen. „Das war übrigens eine praktische Sache. So konnte man die neuen Nachrichten, die mit dem Brief verschickt wurden oder gerade angekommen waren, bei einem gemütlichen Bier austauschen“, erzählt Museologin Kröhnert. Dorftratsch hieß das früher.

Herumgesprochen hat sich auch, dass ein Landmesser mit neumodischen Gerätschaften den Dorfanger abschreitet. Neugierig, vielleicht auch misstrauisch, beäugen die Alteingesessenen das Geschehen. Aber der Landmesser scheint sein Handwerk zu verstehen. Seine Karten stimmen jedenfalls. Oder doch nicht?

Ende des 19. Jahrhunderts führte die Einführung des Grundsteuerkatasters zu einer vollständigen Vermessung aller Grundstücke und deren kartografischen Archivierung. Mit ausgeklügelten Messinstrumenten durchstreiften Landvermesser das Land, um es zu erfassen. Wie so eine Vermessung um 1900 abgelaufen sein könnte, können Interessierte bei den Aktionstagen im Freilichtmuseum erleben. Pünktlich um 12 und nochmals um 16 Uhr erklärt der vom Großherzog berufene Vermessungsspezialist seine wundersamen Geräte. Treffpunkt ist am Hirtenkaten.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen