Schwerin : Münzstraße fehlt die Laufkundschaft

<fettakgl>Das Markenzeichen der Münzstraße sind die Bänke vor den Läden.</fettakgl> Beate Grabnitzki, Mandy Regner, Monika Hinrichs und Andrea Fritsche betreiben Geschäfte. <fotos>Klawitter</fotos>
Das Markenzeichen der Münzstraße sind die Bänke vor den Läden. Beate Grabnitzki, Mandy Regner, Monika Hinrichs und Andrea Fritsche betreiben Geschäfte. Klawitter

Großer Zusammenhalt: Ladeninhaber der Münzstraße in Schwerin versuchen mit Konzerten, Kunst und ausgefallenem Design ein individuelles Profil zu schaffen.

svz.de von
12. Juli 2012, 09:51 Uhr

Schelfstadt | "Wir sind ein Haufen Idealisten", sagt Beate Grabintzki. Sie sitzt auf der Bank vor ihrem Modegeschäft und schaut die Münzstraße hinunter. Dicht drängen sich historische Fachwerkhäuser rechts und links vom schmalen Bordstein. "Wir haben bis hierhin durchgehalten, weil wir zusammenhalten", sagt die Ladeninhaberin.

Die Ladenmieten in der Münzstraße seien im Vergleich zur Innenstadt gering, die Laufkundschaft allerdings auch, wie Beate Grabnitzki sagt. Der stete Kundenstrom versiegt in der Puschkinstraße am Weinhaus Wöhler. "Als Weihnachtsmarkt war, hatten sie den Zugang sogar soweit eingeengt, dass kaum jemand zu uns durchkommen konnte, der sich nicht auskannte", sagt Stempel-Helm-Inhaberin Christa Klitz aus der Nummer 34. Um nicht länger ausgeschlossen zu sein, haben sich viele Händler in der Münzstraße zusammengeschlossen und den Verein Kunst und Leben gegründet. "Wir arbeiten auch mit dem Citymanagement zusammen, auch um die Kundenströme besser in unsere Straße zu lenken", sagt Christa Klitz. Kerstin Behrens von der "Festatmosphäre" in der 35 gibt ihr Recht: "In Schwerin ist doch alles schnell zu erlaufen, aber die Besucher müssen uns auch finden."

Die Künstler, Handwerker und Einzelhändler wollen Aufmerksamkeit. "Um so lauter, desto besser", sagt Beate Grabnitzki. "Wir wollen die alte Straße mit solchen Veranstaltungen auch kulturell schützen", erläutert sie. Um so mehr Leute kommen, um so mehr über die Münzstraße sprechen, desto besser für die Geschäftsleute und ihr Engagement. Das hat vor mehr als sieben Jahren begonnen. "Wir waren die erste Straße, die Rosenbüsche gepflanzt hat - natürlich schon mit Blick auf die Bundesgartenschau", erzählt Kerstin Behrens. Die Stadt unterstützte die Aktion finanziell. Die Münzstraße wurde zum Vorbild für andere Straßen, in denen mittlerweile auch Büsche das Straßenbild verschönern. Heute verbreiten die blühenden Rosen in der Münzstraße ein wild romantisches Flair - wie der Taschengarten an der Ecke Fischerstraße. Liebevoll haben die Münzstraßen-Anlieger Büsche gepflanzt und Nando Kallweit stellte Bänke und seine typischen Holzfiguren dazu. "Das Grundstück ist verkauft, da soll ein Haus gebaut werden", sagt Christa Klitz. Es sei schade, denn viele Urlauber würden dort verweilen, um dann durch die Münzstraße weiter zu flanieren.

Schon viele solche Veränderungen hat die Geschäftsfrau in der Münzstraße erlebt. Ihr Laden an der Spitze gegenüber des Taschengartens feiert gerade sein 50-Jähriges. Stammkunden sind das Kapital der Stempelbranche, zumindest hier. Fast jeder Händler in der alten Straße vertreibt seine Waren auch über das Internet. "Die Hälfte meiner Kunden kommt über das Internet", sagt Marina Sombert vom Bierpostamt.

Auch der Klockenschauster Hans-Joachim Dikow vertreibt viel über das Internet. "Ich versuche immer ein wenig außergewöhnlich zu sein", sagt er. In den dunklen Monaten öffnet er seinen Laden einmal im Monat für Kleinkünstler, Autoren und Musiker. So wie Dikow hat fast jeder der Ladeninhaber seine Niesche gefunden und besetzt. "Wir müssen uns schon rühren", sagt Beate Grabnitzki. "Nur auf der Bank sitzen zu bleiben und auf Kunden zu warten, so klappt das nicht."

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