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Schwerin wählt Oberbürgermeister : Müder Wahlkampf im Internet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Alle neun OB-Kandidaten nutzen ihre Facebook-Auftritte vor allem für Berichte ihrer Tätigkeiten – Kontroverses gibt es eher selten

Anfang kommenden Monats wird der Wahlausschuss der Stadt darüber befinden, welche Bewerber um das Amt des Oberbürgermeisters für die Wahl am 4. September zugelassen werden. Derzeit haben neun Schweriner erklärt, um das Amt des Verwaltungschefs kämpfen zu wollen. Offizielle Anträge haben aber noch nicht alle neun abgegeben, hieß es auf Nachfrage aus dem Stadthaus.

Da der Urnengang der Schweriner – zeitgleich wird auch der Landtag neu gewählt – auf den letzten Tag der Sommerferien fällt, sind die Kandidaten früh in die Eigenwerbung eingestiegen – auch im Internet. Bei 28 Millionen deutschen Facebook-Nutzern bietet sich diese Plattform an. SVZ hat in einem subjektiven Test die neun Kandidaten unter die Lupe genommen.

Amtsinhaberin Angelika Gramkow (Linke) liegt mit noch nicht einmal 200 „Gefällt mir“-Angaben zwar nicht im Spitzenfeld aller Bewerber. Dafür ist sie eine der Aktivsten: Wann Gramkow wo was getan hat, lässt sich bestens verfolgen. Wahlkampfversprechen sucht der Besucher vergebens.

Anders der parteilose Bewerber Uwe Wilfert, der unverhohlen seine Nähe zur NPD zelebriert. Wilfert hat mehr als 300 „Gefällt mir“, veröffentlichte ein 15-Punkte-Wahlkampfprogramm und polemisiert reichlich. Das ruft kontroverse Kommentare hervor oder auch mal Löschungen seiner Beiträge durch Facebook. Seine Kritik an der Gleisverlegung am Wittenburger Berg wurde 1100-mal geteilt – Rekord im Kandidatenvergleich.

Silvio Horn (Unabhängige Bürger) bietet auf Facebook eine abwechslungsreiche Mischung aus Aktivitätenbeschreibungen und Forderungen. Mehr als 220-„Gefällt mir“-Klicks positionieren ihn im Mittelfeld der neun Bewerber.

Simone Borchardt (CDU) hält sich mit inhaltlichen Aussagen auf ihrer Facebook-Seite eher zurück. Auch bei ihren Aktivitäten gibt es ganz unaufgeregt auch schon mal vier Tag lang überhaupt keinen Eintrag. Mehr als 260 „Gefällt mir“-Angaben listet ihre Seite auf.

Dr. Rico Badenschier (SPD) hat knapp 200 „Gefällt mir“ und geht ähnlich entspannt an die Aktivitäten-Darstellung. An manchen Tagen gibt es mehrere Einträge, dann mal größere Pausen. Zu konkreten Themen bezieht Badenschier Stellung.

Frank Haacker (FDP) zeigt auf seiner mit mehr als 320 „Gefällt mir“-Angaben bewerteten Facebook-Seite ebenfalls vor allem, wo er wann war. Aber immerhin sagt er dabei als einer der wenigen Bewerber, für was er als Oberbürgermeister stehen würde.

Martin Molter (Die Partei) bietet den mit Abstand unterhaltsamsten Facebook-Auftritt aller Bewerber. Er präsentiert sich bodenständig, kommentiert Aussagen seiner Konkurrenten und ist der einzige, der offenbar nicht auf eine Aktivitäten-Chronologie als Wahlkampfmittel setzt. Mehr als 270 „Gefällt mir“-Klicks bringt das für Martin Molter.

Mit lediglich 100 „Gefällt mir“ ist Martin Lorentz (Grüne) derzeit unter allen Kandidaten fast Schlusslicht. An seiner Seite liegt das nicht: Er ist der einzige, der neben seinen Aktivitätenberichten klar auflistet, was er als OB machen möchte und wer er eigentlich ist.

Die wenigsten „Gefällt mir“-Klicks hat Anita Gröger (ASK). Ihre Wahlkampfseite bei Facebook hat nur 46 Sympathisanten. Dabei setzt auch sie auf Aktivitätenbeschreibungen, bietet allerdings auch eigene Kommentare und das umfangreichste Selbstporträt aller Bewerber.

Fazit: Wer wissen will, was die Kandidaten so machen, wird bei Facebook fündig. Wer sich über Inhalte informieren möchte, kann im sozialen Netzwerk schwer vergleichen.

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erstellt am 09.Mai.2016 | 21:00 Uhr

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