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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 04:28 Uhr

Menschen : Morgens immer unterwegs

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ-Zusteller Gerhard Karsten erinnert sich gern an alte Zeiten, als ein Hund ihn ins Theater brachte

svz.de von
erstellt am 28.Dez.2014 | 12:00 Uhr

Bei Gerhard Karsten klingelt um 3.15 Uhr der Wecker. Eigentlich braucht er ihn gar nicht, denn längst ist der körperliche Wecker installiert, der weiß, wann Aufstehen angesagt ist, selbst wenn es noch stockdunkel ist wie jetzt. Denn Gerhard Karsten ist SVZ-Zusteller.

Um die Zeit, zu der er aufsteht, wird die SVZ in Paketen vors Haus gefahren. Dann beginnt das Sortieren, denn auch andere Presseerzeugnisse gehen mit auf Tour. Unterwegs muss Gerhard Karsten dann nur noch zugreifen. Er weiß genau, wer was bekommt.

Zunächst jedoch wandert alles in den Zustellkarren, der in seinem Hausflur steht. Dann geht es hinaus in die Nacht, vom Schwälkenberg bis zur Güstrower Straße, ob es regnet oder schneit, stürmt oder die „Augen lieber noch ein wenig schlafen möchten“, wie Gerhard Karsten lachend sagt.

Inzwischen braucht der langjährige SVZ-Zusteller seinen Gehstock. Seit der Hüftoperation ist der sein ständiger Begleiter. Und der Karren voller Zeitungen ist nicht leicht, muss über manches Hindernis gezogen und geschoben werden, durch Pfützen und wohl bald auch wieder über vereiste Wege. Keine leichte Arbeit in der Nacht, damit der Abonnent bis sechs Uhr in der Frühe seine Zeitung im Briefkasten hat.

Wenn Gerhard Karsten die SVZ verteilt hat, rüstet er sich zumeist gleich zur zweiten Tour mit Werbung und Zeitschriften. Dann fordert das frühe Klingeln des Weckers seinen Tribut: Über Mittag sind zwei Stunden Schlaf angesagt. Die Nachtarbeit macht er gerne, schon seit Jahren, doch die Belastung mit der künstlichen Hüfte ist nicht zu unterschätzen, sagt er. Vielleicht noch ein halbes Jahr, mehr aber nicht, sagt er. Jedenfalls aus heutiger Sicht.

Gerhard Karsten stammt aus einer mecklenburgischen Dynastie. Der Name Karsten lässt sich mit vielen Verzweigungen in unseren Breiten gut 500 Jahre zurückverfolgen. Gern erzählt der Schweriner von früheren Zeiten, seiner Schulzeit, der Lehre als Maurer in Perleberg, vom Einstieg im damaligen Plastmaschinenwerk in Schwerin, oder von seiner Zeit als Betriebshandwerker im Kabelwerk in Sacktannen.

Als Kind spielte er mit seinem großen Bruder oft im Schlossgarten, in den Laubengängen, erinnert sich Gerhard Karsten. Da gab es mancherlei Erlebnisse. So streunerte eines Tages ein Hund herum. „Wenig später kam ein grauhaariger Mann aufgeregt vorbei und fragte, ob wir einem Hund gesehen hätten.“ Ja freilich. Er schnüffelte weiter in Richtung Fauler See. „Könnt ihr mir beim Suchen helfen oder ihn dann zum Pförtner des Theaters bringen?“, lautete dann die Bitte des Mannes, berichtet Gerhard Karsten. Los gings. Tatsächlich, sie fanden das Tier, ließen das Halsband nicht mehr los und brachten ihn ins Theater. „Das ist ja der Hund vom Chef“, sagte der Pförtner. Hier erst stellte sich dann der Mann aus dem Schlossgarten den Brüdern vor. Es war tatsächlich Intendant Edgar Bennert. Diesen Hund hatte er aus der ungarischen Kriegsgefangenschaft mit nach Schwerin gebracht. „Herr Bennert wohnte über dem alten Heizhaus, kam sofort, hat sich riesig gefreut und wollte wissen, was wir haben wollten“, erzählt Gerhard Karsten. „Nichts“, haben wir entgegnet. „Aber ins Theater wollt ihr doch einmal kommen?“, so die Frage. Sie sollten sich einfach beim Pförtner melden und der solle ihn dann verständigen. Wenig später, zu „Peterchens Mondfahrt“, gingen sie hin, wurden vom Chef des Hauses in die Intendantenloge gebracht und waren glücklich. Das ging über mehrere Jahre so, auch wenn sich öfter die Schließerinnen aufregten, erzählt Gerhard Karsten lachend. So sahen die Brüder auch „Hänsel und Gretel“ oder auch „Nabucco“.

Neben dem Theater war der Radsport sein Hobby. Daraus wolle er mehr machen, aktiver Sportler werden. Schließlich kam er in die Leistungsklasse A, als Kader für Radsport. Doch durch Stürze gab es Rückschläge, er wurde schließlich Übungsleiter, später Platzwart am Friesensportplatz, der einst der Reichsbahn gehörte.

Dann kam die Wende und 1992 eine einschneidende Veränderung auch in seinem Leben: Gerhard Karsten wechselte zum Plastmaschinenwerk. Doch es gab noch weitere Veränderungen. Umzüge, persönliche Belange, schließlich der Umzug in die Werdervorstadt. Dort begann Gerhard Karsten dann seine Arbeit als Zusteller der SVZ.

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