Von Schwerin in den fernen Osten : Monsieur Congard auf China-Tour

Training auf dem Dach eines 24-stöckigen Hochhauses in Shanghai. Pierre Congard und Tochter Anna (3. Dan) bereiten sich auf ihr Seminar in Peking vor.
1 von 2
Training auf dem Dach eines 24-stöckigen Hochhauses in Shanghai. Pierre Congard und Tochter Anna (3. Dan) bereiten sich auf ihr Seminar in Peking vor.

Aikido-Lehrer leitete mit Tochter Anna in Peking ein Seminar und macht im Reich der Mitte Werbung für seine Wahlheimat Schwerin

svz.de von
03. Juni 2016, 12:00 Uhr

Bretonen, sagt Pierre Congard, feiern und kämpfen gerne. Pierre Congard weiß das. Er ist nämlich einer von ihnen. Boxen, Ringen, Wrestling – was das Kämpfen angeht, da hat der gebürtige Franzose und Wahl-Schweriner vieles ausprobiert. Entschieden hat er sich letztlich für das japanische Aikido. Einen Angreifer zu besiegen, ohne diesem Schaden zuzufügen – das ist dabei die hohe Kunst. Und diese Kunst beherrscht Aikido-Lehrer Congard so gut, dass er Träger des 6. Dan ist. Die Erfahrung und der Trainingsstil des 53-Jährigen sind gefragt. In Deutschland, Polen, Italien oder in der Ukraine. Und auch in China, wo er jetzt auf Einladung einer Aikido-Schule ein Seminar geleitet hat.

Als Congard vor 23 Jahren nach Schwerin zog und hier seine Aikido-Schule eröffnete, musste er diesen Sport im Osten Deutschlands erst einmal bekannt machen. Er führte Aikido vor. Auf Dorffesten, in Diskotheken und in einer Schreinerei. Sogar bei der Einweihung einer Müllanlage präsentierte er die Kampfkunst, bei der Fallen nicht gleich verlieren bedeutet. „Kämpfen mit Kompromiss“, wie es Profi Congard sagt. Der Erfolg stellte sich ein, seine Kurse füllten sich. „In China“, sagt der Bretone, „mögen sie Kung Fu, Thai Chi oder Qi Gong. Aikido dagegen ist dort aber immer noch weitestgehend unbekannt“.

Zehn Tage im Reich der Mitte. Zehn Tage voller Sehenswürdigkeiten, Begegnungen – und Sport. Der stand bei der Reise nach Fernost im Mittelpunkt, denn die Congards hatten eine Einladung des Aikido-Clubs Shinryukan Beijing bekommen, der viel Gutes von den Aikido-Spezialisten aus Schwerin gehört und auf Video gesehen hatte. Vermittelt hat den Kontakt der Mecklenburger Stefan Sklenka, der als Uni-Professor in Peking arbeitet, dort aktiv in der Aikido-Gruppe ist. Und so stiegen Vater und Tochter Congard vor einigen Wochen in das Flugzeug und machten sich auf die lange Reise.

Station eins: Shanghai. „Genau richtig, um sich zu aklimatisieren“, sagt der Franzose. Sie treffen Jan Schlegel. Der Lübzer ist ein Schüler von Congard, arbeitet und lebt jetzt in der Industrie-Metropole. 24 Stockwerke hoch ist das Gebäude, in dem Schlegel wohnt. Training auf dem Dach, üben für den Lehrgang mitten im Hochhausgewirr. „Wir haben uns intensiv auf das Seminar in Peking vorbereitet“, sagt der 53-Jährige. Tochter Anna ist 19 Jahre alt und trägt schon den 3. Dan. Das viele Üben zahlt sich aus.

Fünf Tage und einen Besuch der Chinesischen Mauer später hat ein Zug das Duo von Shanghai nach Peking gebracht. Der Moloch Peking. Dazu gehören mehr als 20 Millionen Menschen und um die sechs Millionen Autos. Von den Zweirädern mit und ohne Motor ganz zu schweigen. An das Großstadtgewusel mussten sich Pierre und Tochter Anna erst einmal gewöhnen. Wenn in Chinas Hauptstadt eine Fußgängerampel auf Grün schaltet, „ist das eine Empfehlung“, sagt Congard. Ja, man könne nun eine Straße überqueren, sollte dies aber nicht zwingend machen, ohne vorher noch zweimal nach links und rechts geschaut zu haben. Alles ist voller Energie, Hektik, Abgase.

Entspannt sitzen die Aikido-Schüler auf den Matten. 30 sind gekommen. Die Congards sind groß angekündigt worden, in der Trainingshalle hängt ein 20 Meter langes Banner. Seminar 2016 mit Pierre Congard steht darauf in großen weißen Buchstaben und chinesischen Schriftzeichen. Drei Tage lang unterrichtet das Duo die Schüler. Es zeigt Wurf- oder Haltetechniken, präsentiert Varianten mit oder ohne Waffen. Und nach dem Training zeigt es ihren hilfsbereiten und freundlichen Gastgebern auch noch die eigene Heimat.

Pierre Congard hat Flyer dabei. Ein Schwerin-Faltblatt mit Erklärungen auf chinesisch und Stadtplan mit Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt. „Chinesen lieben Schlösser. Und wir haben ein sehr schönes“, sagt der Bretone, der in Schwerin schon lange Stadtführungen macht, den Gästen auf englisch und französisch seine Wahlheimat präsentiert.

Die Congards sind wieder zurück aus China. „Dort hin eingeladen zu werden, das ist eine schöne Sache“, sagt Pierre Congard. Ein zweites Mal eingeladen zu werden, das sei, so der Aikido-Lehrer, eine noch größere Ehre. Diese Ehre wird den Congards zuteil. Die zweite Einladung ist schon da.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen