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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. November 2017 | 00:13 Uhr

Population steigt : Möwenplage in Schwerin?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ-Leser beschweren sich über Geschrei und Dreck der Tiere. Ornithologe Ulf Bähker erklärt, warum sich die Vögel in der Stadt wohlfühlen

von
erstellt am 19.Jul.2017 | 20:45 Uhr

„Man kann die Möwen getrost als echte Schweriner bezeichnen – sie gehören zur Stadt und kommen hier vor, weil die Lebensbedingungen ausreichen“, sagt der begeisterte Hobby-Ornithologe Ulf Bähker, der 2011 die NABU-Fachgruppe Ornithologie in Schwerin mitgegründete und diese seither auch leitet. Mit Annegret Behncke hat er über die Möwen in der Stadt, die manchen Schweriner stören, gesprochen.

Gerade auf dem Dreesch werden die Tiere in ganzen Schwärmen gesichtet. Woher kommen sie?

Bähker: Aufgrund des Gewässerreichtums gehören die Möwen zu Schwerin. Die Entfernung zur Ostseeküste ist für Möwen leicht zu bewältigen. Aufgrund von Beringungen weiß man, dass beispielsweise auf der Insel Walfisch geschlüpfte Lachmöwen in Schwerin den Pfaffenteich besuchen.

Welche Möwenarten gibt es bei uns in Schwerin? Die Silbermöwe, Sturmmöwe und Lachmöwe sind die drei am häufigsten im Stadtgebiet anzutreffenden Arten. Im Jahresverlauf ändert sich die Anzahl der Möwen und die Artenzusammensetzung. So sind teilweise auch Mantel- und Mittelmeermöwen im Stadtgebiet zu beobachten. Nicht jede Möwenart ist häufig. Zwar unterliegen die heimischen Möwenarten dem Jagdrecht. Der NABU hält die Jagd auf Möwen jedoch für unsinnig.

Warum? Es ist keine sinnvolle nachhaltige Nutzung erkennbar, welche das Töten rechtfertigen könnte. Zudem tragen die Möwen zur Jagdzeit, vom 1. Oktober bis 10. Februar, ihr Schlichtkleid – die Verwechselungsgefahr mit seltenen, nicht dem Jagdrecht unterliegenden Möwenarten ist sehr groß.

Wie viele Möwen gibt es in Schwerin? Wir haben uns 2017 die Dachbruten der Möwen in Schwerin näher angeguckt. Auch wenn die Erfassung der Brutvögel schwierig ist, weil nicht alle geeigneten Dächer gut einsehbar sind, sind wir von einer Möwen-Plage weit entfernt. So wurden in den Stadtteilen Altstadt, Weststadt, Lankow, Dreesch/Neu Zippendorf insgesamt 25 Silbermöwen und 14 Sturmmöwenpaare erfasst. Der Gesamtbestand an Silbermöwen-Dachbruten kann damit auf maximal 50 Paare geschätzt werden.

Einige Schweriner stören sich am Lärm und Dreck, den die Tiere machen. Was können sie nun dagegen tun? Wenn nun also Kot und Rufe der Möwen das Problem sind, dann muss man die Frage stellen: Wie viel Natur kann den Menschen überhaupt noch zugemutet werden? Die Möwen sind hier, weil die Lebensbedingungen passen. Niemand hat sie angesiedelt oder ausgewildert.

In anderen Städten sollen Möwen auch durch aggressives Verhalten aufgefallen sein. Was sagen Sie dazu? Ich weiß, dass die Fütterung von Möwen in Warnemünde zu aggressivem Verhalten bei Silbermöwen geführt hat. Dort sollen Silbermöwen Strandbesuchern beispielsweise das Eis oder ein Fischbrötchen aus der Hand geklaut haben. Solches Verhalten ist einzig und allein die Folge des massenhaften Fütterns dieser Wildtiere. Die Fütterung der Möwen sollte auch aus Naturschutzsicht unterbleiben. Man tut den Wildvögeln keinen Gefallen damit. Zudem wird ihnen die Aufdringlichkeit durch Fütterung geradezu anerzogen. In Schwerin habe ich von so einem Verhalten der Tiere aber noch nichts gehört. Selbst an der Ostsee ist derartiges Verhalten von Möwen die Ausnahme.


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