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Zeitung für die Landeshauptstadt

16. Dezember 2017 | 08:29 Uhr

Lärm und Dreck : Möwen ärgern Schweriner weiter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Lankow und auf dem Großen Dreesch häufen sich die Beschwerden von Anwohnern. Naturschützer Ulf Bähker: „Tiere dürfen nicht gefüttert werden“

svz.de von
erstellt am 03.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Geschrei in der Nacht, Vogelkot auf den Autos – viele Schweriner sind verärgert: Die Möwen nehmen Überhand, so scheint es. Besonders auf dem Großen Dreesch und in Lankow kochen die Emotionen hoch. Viele Anwohner klagen am „Heißen Draht“ über die gefiederten Besucher, die in Scharen über die Landeshauptstadt fliegen und rund um die Uhr Lärm machen. Dabei gehen die Meinungen auseinander: Die einen beschweren sich über zu viel Lärm und Dreck, die anderen fühlen sich durch die Möwen wie am Meer.

„Es ist nur natürlich, dass sich Möwen in Schwerin wohlfühlen“, erklärt Ulf Bähker vom Naturschutzbund. Die Entfernung zur Ostseeküste sei für Möwen leicht zu bewältigen und der Gewässerreichtum sei wie ein Magnet, so der Ornithologe. Bei einer Zählung hatten die Nabu-Mitarbeiter in diesem Jahr rund 50 Möwenpaare, darunter Silber- und Sturmmöwen, festgestellt.

Den Möwen-Gegnern hilft die Erklärung von Vogel-Experte Bähker nur wenig. „Natürlich findet Ulf Bähker es völlig in Ordnung, dass die Möwen und Tauben auf dem Großen Dreesch die Menschen nerven und die Umwelt verdrecken“, beklagt Karl-Heinz Fehrmann, der in diesem Stadtteil lebt. „Er wohnt wahrscheinlich in einer Gegend, wo er nicht in aller Frühe und bis in die späte Nacht durch das Geschrei der Möwen am Schlafen gehindert wird und wo er nicht jeden Tag das Auto von Vogelkot befreien muss.“

Auch der Lankower Otto Borchart kann mit den Ausführungen des Ornithologen wenig anfangen: „Wenn ich aus dem Fenster schaue, kann ich alleine in meiner Straße 24 Möwennester zählen.“

Die Argumente des Lärms und Drecks lässt Bähker nicht zählen: „Wenn nun also Kot und Rufe der Möwen das Problem sind, dann muss man die Frage stellen: Wie viel Natur kann den Menschen überhaupt noch zugemutet werden?“ Die Möwen seien hier, weil die Lebensbedingungen passten. „Niemand hat sie angesiedelt oder ausgewildert“, erklärt der Naturschützer.

Um den Möwen-Bestand in Zaum zu halten, dürfen die Tiere gejagt werden – vom 1. Oktober bis zum 10. Februar. Eine Maßnahme, die in den Augen Bähkers wenig Nutzen ergibt. „Es ist keine sinnvolle nachhaltige Nutzung erkennbar, welche das Töten rechtfertigen könnte“, erklärt er. Außerdem lasse das Fiederkleid der Tiere diese kaum unterscheiden. Das ist problematisch, denn: Nicht alle Möwenarten unterliegen dem Jagdrecht.

Bei einem Thema sind sich beiden Seiten aber einig: Füttert man die Möwen an, verlieren sie ihre Scheu vor den Menschen. In Warnemünde hätte das dazu geführt, dass die Möwen Touristen angegriffen hätten, erzählt Bähker. „Man tut den Wildvögeln keinen Gefallen damit. Zudem wird ihnen die Aufdringlichkeit durch Fütterung geradezu anerzogen.“ In Schwerin habe es solche Vorfälle bislang jedoch noch nicht gegeben.

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