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Zeitung für die Landeshauptstadt

17. Dezember 2017 | 22:34 Uhr

Bauen in Schwerin : Möglichst viel Wohnbebauung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In der Robert-Koch-Straße darf ein Investor im Innenhof höher bauen als es die denkmalgeschützten Nachbarhäuser sind

von
erstellt am 14.Aug.2017 | 05:00 Uhr

In Schwerin wird viel gebaut. Das Geschäft lohnt sich. Es ist die Rede von aktuell 2000 Euro Baukosten pro Quadratmeter, die sich für 4000 Euro verkaufen lassen. Experten fragen sich, wie lange der vermeintliche Aufschwung anhält. Denn er treibt zuweilen auch Blüten – mit Hausfantasien, die hoch hinauswachsen. Auf einem Hinterhof in der Robert-Koch-Straße soll es jetzt sogar fünfstöckig werden. Zwischen denkmalgerecht sanierten zweistöckigen Wohnhäusern. Warum lässt die Verwaltung das zu, fragen sich Nachbarn.

Die Geschichte spielt auf dem Gelände der alten Pathologie in der Werdervorstadt. Das Institut und andere alte Klinikgebäude standen Jahrzehnte hinter einer zwei Meter hohen Mauer. Mit dem Umzug der Abteilung auf den Lewenberg kamen die Kaufinteressenten. Ein Investor erwarb das gesamte Gelände und stellte als Planung den so genannten Werderpark vor. Die Stadtväter waren zufrieden, hofften auf ein einheitliches Bild aus einem Guss. Um einen gesonderten Bebauungsplan aufzustellen, gab es offenbar keinen Grund. Dann entschied sich der Käufer, nicht alles selbst zu entwickeln und begann, Grundstücke häppchenweise zu verkaufen. Die VR-Bank erwarb die historischen Haupthäuser, sanierte sie aufwändig, zog dort ein.

Zuvor hatte ein Schweriner bereits das alte Pumpenhaus des Krankenhausgeländes für viel Geld und unter den Augen der Denkmalpflege in ein Schmuckstück für seine Wohn- und Büroräume verwandelt. Ein anderer Investor hauchte dem ehemaligen Seuchenhaus neues Leben ein. Heute wohnen dort sieben Familien. Jetzt baut ein Investor für die Pflegedienst-Gruppe Vitanas ein Haus mit Wohngruppen für betreutes Wohnen, Tagespflegeplätze, Physiotherapie und Mietwohnungen. Dazwischen: eine Freifläche, die der erste Käufer behielt. Jetzt will er bauen und die letzte Lücke schließen. Aber er will auf den wenigen Quadratmetern viel bauen. Je höher die Wohnhäuser, desto höher die Gewinne. Kein verwerfliches Ansinnen, nur: Passt es in das denkmal-sensible Areal?

Baudezernent Bernd Nottebaum hat Akten aus vielen Jahren durchgesehen. Tatsächlich gäbe es eine Baugenehmigung für Fünfgeschosser auf diesem Gelände. Ein offenbar „unglücklich formuliertes Gutachten der Denkmalbehörde“ hätte das ermöglicht. Die Höhe des Neubaus auf einem Innenhof richtet sich nach dem gegenüberliegenden Hamann-Anbau an die Klinik. Der ist auch fünf Stockwerke hoch.

Wohlgemerkt: Pumpenhaus und Seuchenhaus sind ein- bzw. zweigeschossig. Dort schaute die Denkmalpflege genau hin: Ein Investor musste viel Geld für acht funktionslose, aber historische Schornsteine in die Hand nehmen. Ein anderer musste Kliniktüren erhalten. Zweierlei Maß? Bernd Nottebaum meint, dass die vielen verschiedenen Eigentümer die Sache so kompliziert machten. Das habe die Stadt beim Verkauf des Areals total anders eingeschätzt.

Aktuell haben bereits zwei Parteien Widerspruch eingelegt gegen die Genehmigung des Fünfgeschossers. Die Stadt ist ihre Stellungnahme noch schuldig. Denn: Eine Partei habe sich mit dem Investor schon auf einen Viergeschosser geeinigt. „Die haben in einem privatrechtlichen Vertrag alles Nötige geregelt“, so Nottebaum.

Der andere Nachbar möchte am liebsten einen Dreigeschosser. „Eine schwierige Sache“, gesteht der Dezernent und hofft, dass sich die Parteien einigen. Bernd Nottebaum sei mit allen Seiten im Gespräch und habe den Investor aufgefordert, neue Pläne vorzulegen. Mit ein bisschen Glück schwenke er auf einen Dreigeschosser um. Nottebaum: „Aus unserer Sicht wären sowohl ein Drei- als auch ein Viergeschosser in Ordnung.“


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