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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Dezember 2017 | 08:00 Uhr

Integration : Möbelbörse für Flüchtlinge fehlt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner Volkbert Keßler hilft Zuwanderern bei der Wohnungsausstattung und fordert die Stadt zum Handeln auf

svz.de von
erstellt am 01.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Eigentlich hatte Volkbert Keßler nur einen Abnehmer für Möbel gesucht, die er nach dem Umzug in eine kleinere Wohnung nicht mehr benötigt. Flüchtlingen wollte er helfen, wurde aber bei der Stadt abgewiesen. In Demen fand der Rentner schließlich offene Türen – und organisiert nun in Schwerin fast so etwas wie einen privaten Möbeltransfer. „Aber nicht auf Dauer“, sagt Keßler, der ein Zeichen setzen und Druck auf die Politik ausüben möchte.

Dankbar nahmen die Demener das Hilfsangebot des 72-Jährigen an, holten im Dezember die Möbel, aber auch Haushaltsgeräte, Geschirr und Bettwäsche aus Schwerin ab, um sie den Flüchtlingen in ihrer Gemeinde zur Verfügung zu stellen. Der SVZ-Bericht über diese Aktion habe geradezu eine Kettenreaktion ausgelöst, erzählt Keßler.

Schon kurz nach der Veröffentlichung des Artikels meldete sich bei dem pensionierten Staatsanwalt ein Bekannter, der seine Möbel und allerlei Hausrat abgeben wollte, weil er nach dem Umzug in ein Heim keinen Platz mehr hat. Kurzerhand nahm Keßler nun Kontakt mit der Schweriner Flüchtlingshilfe auf, sprach mit Asmala Musuf, der sich um Asylbewerber kümmert, die in den Übergangswohnungen in der Hamburger Allee untergebracht sind. „Mit einem gemieteten Wagen haben wir dann die Möbel und die anderen Sachen zu den Flüchtlingen gebracht“, so der Schweriner.

In Privatinitiative allein lasse sich die Ausstattung der Zuwanderer mit Hausrat aus zweiter Hand nicht bewältigen, betont Keßler. Er sieht ganz klar die Stadt am Zug. „Es kann doch nicht so schwer sein, eine Möbelbörse für Flüchtlinge auf die Beine zu stellen“, sagt der 72-Jährige. „Man braucht eine Lagerhalle, einen Transporter und zwei Leute.“ Auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung in Stern Buchholz etwa gäbe es doch genug freie Kapazitäten.

Inzwischen hat Keßler sogar einen Brief an Sozialministerin Birgit Hesse geschrieben. „Die finanziellen Mittel für Flüchtlingsmöbelbörsen müssten durch das Land in Abstimmung mit den Kommunen getragen werden“, regt der Schweriner darin an.

„Ich werde gerne weiter helfen“, sagt Keßler, der noch vielfältig anders ehrenamtlich engagiert ist, auch im Ausland. „Aber die Stadt muss dringend etwas tun.“ Wer sich mit dem 72-Jährigen in Verbindung setzen möchte, erreicht ihn unter der Telefonnummer 0385-561931.

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