zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

23. Oktober 2017 | 10:18 Uhr

Schweriner Schloss : Modernste Technik machts mollig

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die kleinen Geheimnisse des Schlosses – heute: Der „Schweriner Ofen“ ist wohl die einzige erhaltene Feuerstelle ihrer Art

von
erstellt am 23.Aug.2017 | 12:00 Uhr

Das Schweriner Schloss ist Wahrzeichen der Stadt und Besuchermagnet für Menschen aus aller Welt. Herrschersitz ist es bereits seit dem 10. Jahrhundert, in den Jahren 1845 bis 1851 wurde es zu dem Märchenschloss umgebaut, das wir heute noch kennen. Seitdem der Großherzog abgedankt hat, waren dort Museen, Büroräume und schließlich die Erzieherschule untergebracht, seit 1990 sitzt hier der Landtag. Schlossfest und Museumsführungen nutzen die Schweriner gerne. Trotzdem gibt es jede Menge Winkel und Bewohner, die nur wenige kennen. Heute: der „Schweriner Ofen“.

Um ihn zu finden, muss man tief in den Keller gehen. Hier wird eifrig gebaut, gehämmert und geklopft für den neuen Empfangsbereich der Besucher. In einer Seitennische steht er, der „Schweriner Ofen“: unbeleuchtet, dunkel, versteckt, vergessen, unbedeutend? Tatsächlich ist er eine kleine technische Sensation, womöglich sogar der einzige noch existierende Warmluftofen dieses Typs. Expertin Anke Fritzsch hat sich mit seiner Geschichte genauer beschäftigt.

Hofbaumeister Demmler hatte für das Schloss ein ausgeklügeltes Heizungskonzept entwickelt, das Treppenräume, Korridore, Vorplätze und Königssaal zentral versorgte. Der gusseiserne Umsturzfeuerofen unterhalb des Königssaals ist davon der letzte Zeuge. Das Feuer schlug dabei gegen den Ofendeckel, schreibt Anke Fritzsch, füllte über die Umsturzmauer einen schmalen umlaufenden Zwischenraum und erhitzte so die beiden unteren Ofenteile.

Die erforderliche Kaltluft kam über einen Kanal. Die Luft stieg dann über Warmluftkanäle nach oben und strömte über Wandöffnungen in die Räume. Richtig heiß wurde es aber wohl nie. Die gewünschte Raumtemperatur habe immer deutlich unter 20 Grad gelegen, so Fritzsch. Genau deshalb sei dieses Ofensystem auch gern in Museen verwendet worden, denen damals 12 bis 14 Grad reichten.

Die Luftheizungsindustrie in Europa begann schon Ende des 18. Jahrhunderts in England, Russland, Frankreich und Österreich. Hofbaurat Demmler soll in persönlichem Kontakt gestanden haben mit einem der bedeutendsten Konstrukteure dieser Öfen – Carl Ludwig Engel, den Zar Alexander I. zum Leiter des Neubaukomitees im damals russischen Helsinki gemacht hatte. Außerdem wurde diese moderne Heiz-Technik bereits seit 1828 beispielsweise in München erfolgreich eingesetzt, wärmte die Alte Pinakothek, wurde schließlich zum festen Bestandteil der Münchner Monumentalbauten des 19. Jahrhunderts.

Der „Schweriner Ofen“ dokumentiere sehr anschaulich den technischen Entwicklungsstand der frühen zentralen Luftheizungsanlagen, sei sowohl ein Beleg für einen damals noch jungen Industriezweig als auch für länderübergreifenden Wissenstransfer, sagt Anke Fritzsch.

Noch gehört der „Schweriner Ofen“ nicht zur Bewerbung um das Weltkulturerbe. Der gusseiserne Koloss könnte es aber wert sein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen