Aktion Stadtbild : Modernes Wohnen in Werderschenke

Liebevoll   wird die alte „Boxerkneipe“ an der Lehmstraße, Ecke Werderstraße saniert. Nach mehr als einem Jahr Bauarbeiten steht das Haus vor der Fertigstellung.
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Liebevoll wird die alte „Boxerkneipe“ an der Lehmstraße, Ecke Werderstraße saniert. Nach mehr als einem Jahr Bauarbeiten steht das Haus vor der Fertigstellung.

Ein Investor saniert seit anderthalb Jahren das alte Fachwerkhaus in der Lehmstraße, hat aber mit der Vermietung noch nicht begonnen.

svz.de von
16. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Das Haus hat zwei Adressen: Lehmstraße 1 und Werderstraße 65. Die meisten Schweriner kennen es noch als „Werderschenke“ oder „Boxerkneipe“, weil über viele Jahre hier Paul Nickel, Bronzemedaillengewinner der Europameisterschaften 1957 und erfolgreicher Box-Trainer beim SC Traktor, die Geschäfte führte. Die Werderstraße hatte früher gleich drei Gastwirtschaften: die Werderecke, die Werderklause und die Werderschenke. Letztere trug vor 100 Jahren übrigens noch einen ganz anderen Namen: „Schillers Bier- und Weinstuben“, benannt aber nicht nach dem Dichterfürsten, sondern nach dem Lokal-Besitzer gleichen Namens.

Das alte Fachwerkhaus hat in den vergangenen Jahren nicht mehr besonders viele Besucher gesehen. Gaststätte geschlossen, Wohnungen leergezogen, das Nachbarhaus wegen Einsturzgefahr abgerissen und der Schutthaufen an die Außenwand der Werderschenke gelehnt: Erst vor drei Jahren hat sich ein Investor gefunden, der sich des in Mitleidenschaft gezogenen Hauses annahm. Ein Fachwerkliebhaber, der schon mehrere Häuser dieser Alters- und Verfallsklasse auf Vordermann gebracht hat, aber noch im Hintergrund bleiben möchte. Obwohl er auf der Baustelle oft selbst mit Hand anlegt. „Ich habe mich viele Jahre mit Sanierung beschäftigt“, sagt er lächelnd. In enger Absprache mit der Denkmalpflege möchte er aus der ehemaligen Werderschenke wieder ein Prachtstück machen – mit einem Laden, drei kleinen und einer großen Wohnung. Obwohl die Handwerker der Neumühler Bauhütte schon kräftig mit dem Innenausbau beschäftigt sind, wird das Haus erst Anfang des nächsten Jahres in die Vermietung gehen.

Die kleinen Wohnungen sind jeweils etwa 50 Quadratmeter groß, gehen vom Eingang gleich in die Küche und ohne Tür in den Wohnzimmerbereich über. Lediglich Bad, Abstellraum und Schlafzimmer sind klassisch abgetrennt. Viele Fenster und die beachtliche Höhe der Räume stechen zuerst ins Auge. Der neue Eigentümer schätzt die Mischung aus geschichtsträchtigem Altbestand und moderner Technik. Als ein großer Teil der Giebelseite zur Lehmstraße abgerissen und das Fachwerk neu aufgebaut wurde, ließ er die alten Eichenbalken retten und – wo möglich – wieder eingesetzt. Auch das Dach ist eine Mischung aus Alt und Neu. Die Fenster, ebenfalls aus Holz und lichtgrau gestrichen, sind auf allerneuestem Stand, dreifach verglast, mit Schall- und Einbruchschutz ausgestattet. Die Außenwände wurden von innen mit Holzfasern gedämmt, im Erdgeschoss gibt es Fußboden-, in den oberen Stockwerken Deckenheizung. Die Innenwände werden mit Lehm geputzt, das Mauerwerk bleibt in großen Teilen sichtbar. Drei Wohnungen haben Balkon oder Terrasse, alle Mieter können den aus Feldsteinen gemauerten Keller nutzen.

Schon 2010 hat der neue Investor die Werderschenke gekauft, Baubeginn war allerdings erst zwei Jahre später. In der Zwischenzeit wurde unter anderem auch die aktuelle Farbe mit der Denkmalbehörde abgestimmt. Viele verschiedene Anstriche habe das Haus in den vergangenen Jahren gehabt, der jetzt ausgewählte Rot-Ton scheint dem Original am nächsten zu kommen. Erhalten bleiben auch die alten großen Bleiglasfenster im Ladengeschäft, sie werden von innen vor die schall- und einbruchsicheren neuen Scheiben gesetzt. Rund 50 Quadratmeter hat dieser Raum, der zur Tür mit der Hausnummer Werderstraße 65 gehört. Ob hier jemals wieder Bier fließt, das steht noch in den Sternen. Der Bauherr ist noch für jede Möglichkeit offen: „Die Lage ist zwar nicht erstklassig, aber seitdem die Werderstraße saniert und verkehrsberuhigt wurde, ist sie eine attraktive Wohn- und Geschäftsstraße geworden.“ Wenn er sich den Kundenstrom im gegenüber liegenden An- und Verkauf anschaue, dann sei er optimistisch, dass sich auch in der alten Werderschenke ein Geschäft etablieren könne.

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