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Zeitung für die Landeshauptstadt

25. November 2017 | 03:18 Uhr

Weltkulturerbe Schwerin : Moderner Musentempel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ stellt in einer Serie die einzelnen Teile des Residenzensembles vor - Teil 10: Museum

von
erstellt am 25.Apr.2016 | 14:42 Uhr

Das Schweriner Museum ist einer der letzten vollständig erhaltenen fürstlichen Museumsbauten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der noch die alte Innenausstattung besitzt. Für das Residenzensemble ist er aus zweierlei Gründen besonders bedeutsam, findet Kunsthistoriker Dr. Christian Ottersbach: „Einmal schließt es den Alten Garten als Schlosssitz gegen Osten in repräsentativer und städtebaulich gelungener Art ab, zum anderen bewahrt es einen Teil der ehemaligen landesherrlichen Kunstsammlungen.“ Die Geschlossenheit der Bestände an ihrem historischen Ort mache dieses Museum zu etwas Einzigartigem.

Gebaut wurde es 1877 bis 1882 nach Plänen von Hermann Willebrand. Hier wollte Großherzog Paul Friedrich eigentlich sein Stadtschloss errichten, entschied sich dann aber doch für den alten Standort. Der Musentempel erhielt neoklassizistische, an der griechischen Antike orientierte Bauformen mit einen ionischen Säulenportikus. Der Giebel zeigt die Vermählung von Amor und Psyche. Die Freitreppe erinnert an die Nationalgalerie in Berlin.

Für die perfekte Ausleuchtung stellte Willebrand genaue Berechnungen an. Auch technisch war das Gebäude absolut modern, „sicher eines der fortschrittlichsten im damaligen Europa“, schreibt Ottersbach. Bis heute funktioniert das historische Lüftungs- und Heizungssystem mit Warmluftkanälen, Lufterhitzern, Ventilationsrohren und Zirkulationsleitungen. Auch brandschutztechnisch war alles perfekt – so blieb das Museum verschont, als 1882 das Theater einem Großbrand zum Opfer fiel.

Die Geschichte des Schweriner Museums reicht zurück ins frühe 18. Jahrhundert: Der kunstsinnige Christian Ludwig II. (1683–1756) knüpfte bei Reisen ins In- und Ausland Kontakte zu Kunsthändlern und unterhielt Briefwechsel mit zeitgenössischen Künstlern. Über seine Beauftragten kaufte er Gemälde und Grafiken holländischer Meister des 17. Jahrhunderts an. Ab 1747 residierte er im alten Schweriner Schloss und errichtete als Anbau ein eigenständiges Galeriegebäude. Vermittelt durch seinen Sohn Friedrich (1717–1785) gingen 56 Zeichnungen des französischen Hofmalers Jean-Baptiste Oudry (1686–1755) in den Besitz des Schweriner Hofes über, so dass Schwerin heute eine große Sammlung des französischen Tiermalers besitzt. Ein weiterer Teil dieser Bilder wird im Schloss Ludwigslust ausgestellt.

Unter Großherzog Paul Friedrich (1800–1842) wurde ein neuer Ort für die Schweriner Kunstsammlung gefunden: Zuerst in zwölf Zimmern in der Paulsstadt, hier wurden die Werke ab 1845 erstmals öffentlich gezeigt – an je drei Tagen die Woche für eine Stunde. Nach neuen Einkäufen wurde am 14. Mai 1862 von Friedrich Franz II. ein Museumsneubau beschlossen, der eigentlich ein Privatmuseum bleiben sollte.

Nach Abdankung des Großherzogs 1918 wandelte es sich zu einem Landesmuseum. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Kunstwerke in Herrenhäuser, Tresorräume und Kellerräume des Schlosses ausgelagert, die bedeutendsten kamen ins Salzbergwerk Grasleben bei Braunschweig. Gegen Ende des Krieges diente das Museum als Uniformfabrik und Unterkunft für Flüchtlinge.

Wiedereröffnet wurde das Museum 1945. Als 1961 die letzten ausgelagerten Bestände zurückkehrten, darunter Werke von Frans Hals und Carel Fabritius, konnte sich die Schweriner Galerie einen internationalen Rang sichern. Die Sammlungen umfassen mehr als 100 000 Kunstwerke.

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