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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 04:31 Uhr

Streitbar : Moderne Fassade kontra Welterbe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Einige Stadtvertreter wehren sich gegen moderne Bauten und wollen ein historisches Schwerin wieder erstehen lassen

svz.de von
erstellt am 12.Dez.2015 | 08:00 Uhr

Immer wieder nutzen einige Stadtvertreter die Gelegenheit, ihre hohe Sachkompetenz unter Beweis zu stellen. Beispiel: Die Art der Lückenbebauung in der Graf-Schack-Allee. Nach einigem Hin und Her liegt nun ein aktueller Fassadenentwurf vor. Mit dem können die Stadtplaner, die Denkmalpfleger und sogar die Fachleute von Icomos, dem Fachgremium für das Unesco-Welterbe, gut leben. Der Bauausschuss hat auch zugestimmt. Nur dessen Vorsitzender Dr. Hagen Brauer, dem „gefällt“ die Gestaltung nicht. Mit der vertikalen Gliederung könne er noch leben, aber das so genannte Staffelgeschoss.... Das ginge gar nicht, das passe nicht dorthin, so Brauer.

Georg-Christian Riedel, der nicht im Bauausschuss sitzt, sich aber trotzdem bei Bauvorhaben gern äußert, weiß nicht nur, was an dieser Stelle nicht geht, sondern wie die Fassade aussehen muss. Historisierend müsse gebaut werden. So wie die Häuser rechts und links der Baulücke. „Wir produzieren sonst Bausünden, das geht nicht.“ Riedel hat sich schon wiederholt dafür stark gemacht, dass in Schwerin nicht zu modern gebaut wird.

Als wahrer Fachmann hat sich aber Dirk Lerche, immerhin stellvertretendes Mitglied im Bauausschuss, geoutet. Es würde Schwerin sehr gut zu Gesicht stehen, wenn wieder eine Fassade des Historismus entstehen würde, sagte der AfD-Mann. Denn große Teile des Schlossensembles, mit dem sich Schwerin um den Welterbestatus bewirbt, können dem Historismus zugeordnet werden. Wenn Lerche jetzt einen Neubau in diesem Stil will, dann kann das nur bedeuten, er will die Landeshauptstadt in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückbeamen.

Und Anita Gröger von der Aktion Stadt und Kulturschutz, die gar nicht erst in irgendeinem Ausschuss sitzt, kann auch nicht mit einer modernen Gestaltung des neuen Gebäudes leben. „Optisch wäre die geplante Fassade ein Bruch mit den umliegenden Gebäuden.“ Schließlich liege das Haus am Rande der Kernzone des Schlossensembles. Deshalb drohe das Aus für die Welterbebewerbung.

Da blieb Baudezernent Bernd Nottebaum, ganz nüchterner Beamter, nur der Hinweis auf die von den Stadtvertretern beschlossene Charta für Baukultur. Danach soll zeitgemäß und hochwertig gebaut werden. Doch was heißt das schon? Schließlich ist Baukultur eine reine Geschmacksfrage, wie Hagen Brauer sagt. Und über Geschmack kann man bekanntlich nicht streiten: Man hat ihn oder man hat ihn nicht.

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