Tandem-Fahrer : Mobil und aktiv trotz Behinderung

Endlich angekommen: Trotz des starken Gegenwindes haben es die 26 Radler auf ihren 13 Tandems bis zum Dom geschafft. Zur Belohnung gab es eine Führung durch die Kathedrale.
Endlich angekommen: Trotz des starken Gegenwindes haben es die 26 Radler auf ihren 13 Tandems bis zum Dom geschafft. Zur Belohnung gab es eine Führung durch die Kathedrale.

Mitglieder des Vereins Tandem-Hilfen unterwegs in Schwerin: Der Pilot trägt viel Verantwortung, denn der Hintermann kann nicht richtig sehen

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09. Juni 2015, 16:00 Uhr

Für uns ganz normal. Mal eben aufs Rad und schnell was einkaufen oder zum See fahren. Für sehbehinderte Schweriner ist das schon schwieriger. Jede Fahrt muss gut geplant sein und alleine geht es schon gar nicht. „Deshalb gibt es unseren Verein“, sagt Dr. Thomas Nicolai vom Verein Tandem-Hilfen. Mehrmals im Jahr plant er mit vielen Helfern Tandem-Touren für seine Vereinsmitglieder. Die jüngste Tour ging von Boltenhagen aus in die Landeshauptstadt.

„Am Steuer sitzt immer jemand, der gut sehen kann, hinten jemand mit einer Sehbehinderung“, erzählt Hartmut Rudolph, der selbst begeisterter Fahrer auf dem hinteren Platz ist. Um kurz vor neun Uhr starten die 26 Freizeitsportler auf 13 Tandems in Boltenhagen. „Der älteste Sportler ist 78 Jahre alt, der jüngste 20“, so Rudolph. Vorbei an Wiesen, Feldern und durch kleine Dörfer. „Es macht großen Spaß“, schwärmt Rudolph. Nur mit dem sehr starken Gegenwind hätten sie zu kämpfen. Gegen 14 Uhr ist es endlich geschafft. Etwa 55 Kilometer sind zurückgelegt. Das Ziel, der Schweriner Dom, ist erreicht. Erst mal kurz durchatmen, etwas trinken. „Und jetzt kommt die Belohnung“, sagt Rudolph. Denn nun steht eine Führung durch das imposante Bauwerk an.

„Es ist schon etwas besonderes, eine Führung speziell für Menschen mit einer Sehbehinderung. Ich bin etwas aufgeregt, freue mich aber riesig“, sagt Domführerin Irmgard Hauff. Seit 2007 gibt es im Schweriner Dom extra ein „Reliefbuch für blinde und sehbehinderte Besucher“. In ihm sind u.a. der Grundriss und die Orgel erfühlbar.

Nach 60 Minuten ist der informative Gang durch die ehrwürdigen Mauern vorbei. „Zurück fahren wir heute aber nicht mehr“, sagt Rudolph. Die Räder bleiben über Nacht in der Landeshauptstadt. „Wir fahren mit Bus und Bahn zurück und reisen morgen auch so wieder an“, erklärt der Tandemfahrer. Dann gibt es eine Gästeführung im Staatlichen Museum. „Uns wird das Audiotastbuch für Blinde vorgestellt“, sagt Rudolph und freut sich schon. Im Anschluss geht es mit den Tandem zurück nach Boltenhagen.

Der Verein Tandem-Hilfen plane aber nicht nur solche Touren. „Wir wollen helfen“, sagt Rudolph, der als zweiter Vorsitzender im Verein tätig ist. Mit dem jüngsten Hilfsprojekt wollen die Mitglieder aus ganz Deutschland vor allem Kinder und Jugendliche in Kuba unterstützen. „Extra dafür sind acht von uns im Januar nach Kuba gereist und haben Blindenschulen besucht.“ Übergeben hätten sie viele Hilfsmittel. Darunter auch einige Tandems, die von privaten Spendern stammen. „Und auch die vier Tandems unserer angereisten Mitglieder, haben wir dort gelassen. Denn Tandems sind für alle da“, erklärt Hartmut Rudolph stolz.

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