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Kriminalität im Netz : Mobbing bleibt nicht ungestraft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner Polizei warnt vor sinkender Hemmschwelle in sozialen Medien und appelliert an die Verantwortung der Eltern für ihre Kinder

svz.de von
erstellt am 13.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Bedrohung, Beleidigung, Verleumdung, üble Nachrede – was sich in den sozialen Medien abspielt, verschlägt auch erfahrenen Kripo-Leuten die Sprache. „Mobbing per Facebook, Whats App oder SMS ist in den Schulen der Stadt mittlerweile an der Tagesordnung“, sagt die Schweriner Präventionsbeamtin Heidi Liebmann. Dabei sei der Polizei wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs bekannt. „Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus“, so Liebmann.

„Viele Opfer melden sich erst bei uns, wenn sie die Belästigungen einfach nicht mehr ertragen“, schildert Liebmann. Unter 12- bis 16-Jährigen sei das so genannte Cyber-Mobbing besonders verbreitet. „Die betroffenen Jugendlichen werden von ihren Mitschülern mit Worten und Bildern oft regelrecht plattgemacht.“ Immer wieder bekommt die Präventionsbeamtin auch Anrufe verzweifelter Eltern, deren gemobbte Kinder nicht mehr in die Schule gehen wollen.

Das Problem für die Polizei in vielen Fällen: Beleidigungen und Bedrohungen auf dem Handy werden von den Opfern gelöscht. „Für uns ist die Beweissicherung dann schwierig“, erklärt Liebmann. Sie appelliert an die Eltern, die Smartphones ihrer Kinder im Blick zu behalten. „Eltern haben durchaus eine Kontrollpflicht“, betont die Präventionsbeamtin. An manchen Schulen würden die Handys der Schüler vor dem Unterricht sogar schon eingesammelt.

Liebmann und ihre Kollegen setzen auf das Gespräch zwischen Tätern und Opfern. „Wir gehen in die Schulen, sprechen mit Schülern und Lehrern, laden alle Beteiligten zur Unterredung in die Polizeiinspektion ein.“ In einem Fall sei ein zwölfjähriger Junge bei einer Geburtstagsfeier fotografiert worden, schildert Liebmann. „Das Bild wurde anschließend mit unflätigen Kommentaren ins Internet gestellt, um den Schüler lächerlich zu machen.“

Nur ein Bruchteil der Mobbingfälle in den sozialen Medien werde von den Betroffenen tatsächlich angezeigt, berichtet Madlen Fafczynski von der Schweriner Kripo. So habe etwa im vergangenen Jahr eine Frau eine Anzeige erstattet, weil sie sich von der Tochter ihres Ex-Freundes beleidigt und bedroht fühlte.

Wer einen anderen Menschen bedrohe, beleidige, verleumde oder ihm übel nachrede, ob im persönlichen Kontakt, schriftlich, oder eben per Mausklick, könne strafrechtlich belangt werden, unterstreicht Fafczynski. Auch wer etwa auf Facebook einen Beitrag teile, der eine andere Person in ein schlechtes Licht rücke, müsse juristische Konsequenzen fürchten.

„Die Hemmschwelle in den sozialen Medien sinkt weiter“, sagt Heidi Liebmann. Sicherster Schutz: der Verzicht auf Smartphone oder Tablet. „Es gibt Kinder, die kein Handy haben. Sie sind die wahren Helden“, meint die Präventionsbeamtin.

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