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Unglaubliche Bürokratie : Mittags in der Schweriner Zulassungsstelle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Weil das Personal um 12 Uhr geschlossen in die Pause geht, braucht ein Schweriner zweieinhalb Stunden für die Motorrad-Anmeldung

von
erstellt am 14.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Peter Schröder traute seinen Augen nicht. Eine halbe Stunde lang hatte der Schweriner in der Kfz-Zulassungsstelle in der Otto-Hahn-Straße in Süd schon ausgeharrt, um sein Motorrad anzumelden. „Dann wurde die Tür einfach abgeschlossen“, erzählt er. Pünktlich um 12 Uhr und ohne jeden Kommentar. „Die drei Leute, die noch gewartet haben, hätte man problemlos vor der Mittagspause an die Reihe nehmen können“, kritisiert der 25-Jährige. „Würde ich mit meinen Kunden so umgehen, hätte ich bald keine mehr.“

Schröder beließ es nicht beim Frust, er wandte sich an das Ideen- und Beschwerdemanagement der Stadt mit der Bitte um eine „plausible Erklärung“. Und eine Erklärung bekam er auch. Die geänderten Öffnungszeiten, inklusive Mittagspause, würden bereits seit Mai gelten, seien veröffentlicht worden und also bekannt, teilte die Stadt mit. In der Vergangenheit habe es Fälle gegeben, in denen die Mitarbeiter noch wartende Bürger „bedient“ hätten. „Jedoch hat man damit negative Erfahrungen gemacht. Es kam vor, dass die Abarbeitung von Anliegen noch 30 Minuten angedauert hat und die Kolleginnen und Kollegen folglich keine Mittagspause hatten. Oder dass in komplizierten Fällen keine Kolleginnen oder Kollegen helfen konnten, da diese bereits in der Mittagspause waren“, heißt es in dem Schreiben an Schröder. Es sei daher entschieden worden, dass die Mittagspause von 12 bis 13 Uhr strikt eingehalten werde.

Dann gibt die Stadt auch noch eine Begründung, warum die Mitarbeiter der Zulassungsstelle wortlos in die Pause gehen: Anfangs hätten die Beschäftigten die Mittagspause noch mündlich bekannt gegeben. Jedoch: „Da die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach der Verkündigung Beleidigungen ausgesetzt waren bzw. sich für die Regelungen rechtfertigen mussten, wurde von der Verkündung der Mittagspause Abstand genommen.“ Kunden könnten sich aber auch während der Mittagspause Wartemarken ziehen, so die Stadt.

Nun habe Schröder durchaus Verständnis dafür, dass das Personal der Zulassungsstelle eine Mittagspause haben möchte. „Aber müssen denn alle Mitarbeiter wirklich gleichzeitig zu Tisch gehen?“, fragt der 25-Jährige. Und nennt auch gleich das Stichwort: Bürgerfreundlichkeit. In anderen Behörden oder Dienstleistungsunternehmen gingen die Beschäftigten doch auch getrennt zum Essen.

Tatsächlich sei etwa im Bürgerservice des Stadthauses die Arbeit so organisiert, dass die Mitarbeiterinnen gestaffelt in die Pause gehen, so dass keine „Mittagspause“ bei den Öffnungszeiten entstehe, erläutert Stadtsprecherin Michaela Christen auf Anfrage unserer Zeitung. „Das hat sich aber bei der Zulassungsstelle, die wir im Übrigen gemeinsam mit dem Landkreis Ludwigslust-Parchim betreiben, als nicht praktikabel erwiesen.“

Bei allem Verständnis für die Verärgerung von Peter Schröder wiege für die Stadt in diesem Falle die Fürsorgepflicht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schwerer, betont Christen. „Deshalb hat Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow den Wunsch des Personalrates nach einer festen Mittagspause in der Zulassungsstelle unterstützt.“ Um bei Schröder noch einmal persönlich um Verständnis für diese Regelung zu werben, habe Gramkow ihn zu ihrer Sprechstunde eingeladen.

Die Zulassung für sein Motorrad hat der 25-Jährige mittlerweile. Er habe die Zwangspause genutzt, um einzukaufen und zu tanken und sich dann rechtzeitig wieder in die Wartenden in der Otto-Hahn-Straße eingereiht, berichtet Peter Schröder. „Gegen 14 Uhr hatte ich mein Schild.“ Schlappe zweieinhalb Stunden habe die Prozedur somit gedauert – inklusive Mittagspause.

 

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