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17. Oktober 2017 | 13:46 Uhr

Mit "Waldfrieden" baden gegangen

vom

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erstellt am 12.Okt.2012 | 06:53 Uhr

Schwerin | Von den meisten seiner Projekte und Ideen blieb nur die Erinnerung, ein paar Schriftstücke und alte Fotos, Zeichnungen, Akten und Briefe. Geblieben aber ist eines seiner schönsten Bauten, der Strandpavillon. Das Waldbad, das zu seiner Zeit noch Waldfrieden hieß, verschwand gleich nach der Wende, wie so vieles, was sich angeblich nicht mehr rechnete. Immer wieder, wenn Architekten und Städteplaner auf seine archivierten Unterlagen stoßen, hört man: "Nicht schlecht, kostet aber sicher eine Stange Geld". Die Rede ist von dem Schweriner August Lau, Dirigent, Komponist, Bauherr und Schankwirt. Stadthistoriker Rainer Blumenthal schreibt für die SVZ die Lebensgeschichte des 1865 geborenen "Wunderkindes". Heute Teil 2.

August Lau, der 1889 nach Schwerin kam, betrieb am Marienplatz das "Concerthaus Flora", das Restaurant Paulshöhe, baute 1921 den Strandpavillon in Zippendorf, versuchte kurz darauf, am Pfaffenteich einen weiteren Pavillon zu errichten. Doch die aufwändigen Aufschüttungen im Teich verbrauchten das Geld noch ehe daran zu denken war, überhaupt einen Pavillon zu errichten. Die Stadt löste den Vertrag mit Lau und übernahm die Restarbeiten zur Befestigung des Ufers und das Ausbaggern der neu entstandenen Insel.

Wer aber glaubte, dass August Lau schon am Ende war, der irrte sich gewaltig. Im Dezember 1925 schloss Lau mit der Stadt einen neuen Vertrag. Er pachtete Land in Zippendorf für 20 Jahre und errichtete 1926 eine Badeanstalt mit Restauration mit dem Namen "Waldfrieden". Der Pachtvertrag mit der Stadt über dieses Gelände sollte der Ausgleich für das Grundstück am Pfaffenteich sein, was Lau aber eigentlich nie so richtig besessen hatte. Die Schweriner spotteten: "Wat he in´n Papendiek rinsmäten hett, hett he ut´n Schweriner See wedder rut halt." So falsch war dies gar nicht, denn viele Pfähle, die einmal für den Pfaffenteich gedacht waren, fanden sich jetzt in der neuen Badeanstalt "Waldfrieden" wieder, und brachten den Bau der Stege und Uferbefestigungen schneller voran. Der Name der Badeanstalt erinnerte viele an einen Friedhof, und so bekamen 1932 die Badeanstalt und die Restauration den Namen "Waldbad". 1927 ließ August Lau eine 3,50 Meter breite Chaussierung seines "Trampelpfades" zur Badeanstalt durchführen, damit auch Autos und Motorräder in der kurzen Badesaison zu ihm gelangen konnten.

Auch mit diesem Projekt sollte August kein Glück haben. Er ließ dort großzügig ein Restaurant, Umkleidekabinen und Stege errichten. Wieder alles von geborgtem Geld. Auch hier gab es Konzerte und Tanz, und es hätte alles so schön sein können, wenn bei den Einnahmen und Ausgaben auch ein kleiner Überschuss geblieben wäre. Um über Wasser zu bleiben, unterstützte die Frau des "Genies" die Projekte ihres Mannes so gut sie es konnte mit dem Erbe ihrer Eltern. Doch August Lau konnte alles, nur nicht mit Geld umgehen.

Die Zahl seiner Schuldner war größer geworden und seine Sprüche und Vertröstungen verfingen nicht mehr. 1932, nach sieben Jahren und einigen Prozessen, musste August Lau aufgeben. Wieder war es die Stadt, die seine Schulden bezahlte, und ihm obendrein auch noch eine kleine Rente bewilligte. 1932 trat Lau in die NSDAP ein und hoffte mit dieser "Neuen Bewegung" noch einmal etwas bewegen zu können. Er plante wieder am Pfaffenteich, doch diesmal belächelte man ihn nur. Inzwischen wohnte Lau in der Schelfstraße 29 und machte das, was er gelernt hatte und am besten konnte: Er unterrichtete Kinder in Musik.

1932 bewilligte ihm der Magistrat eine höhere Rente, die dann 1938 von den Nationalsozialisten noch einmal erhöht wurde. Etwa 15 Briefe im Jahr schrieb August Lau an die Stadtoberen, nicht zu zählen, wie oft er persönlich vorstellig wurde. So wie er schrieb, so redete er auch. Pathetisch, prosaisch mit vielen Metaphern, eben ein Künstler durch und durch. Seine Briefe waren in großen geschwungenen Lettern geschrieben, und es sah aus als komponiere er auch diese. 1935 sollte die Arsenalstraße wieder verbreitert werden, und das Projekt wurde in der Zeitung vorgestellt. Am Pfaffenteich-Südufer sollte eine Treppe hin und ein großer Obelisk mit den üblichen Nazisymbolen.

Da witterte August Lau seine letzte große Chance. Sofort meldete sich der ehemalige Gastronom und Bauherr wieder zu Wort. Er schrieb mehrere Briefe an den damaligen Bürgermeister und bot seine Erfahrung an. Auch wenn August Lau die Briefe stets mit dem "Führergruß, dann A. Lau Pg. (Parteigenosse), alter Kämpfer und Husaren-Trompeter der 3. Kaiserlichen, gedient", etwas unverständlich und zu devot unterschrieb, wollte niemand mehr seine Erfahrungen und Ideen. Die Nazis planten große Sichtachsen, freie Plätze für Aufmärsche, aber keinen Pavillon. Was die Herren der neuen "Bewegung" aber wirklich bewegte, bekam Lau nicht mehr mit. Am 16. März 1939 starb August Lau im Alter von fast 75 Jahren im Gartenhaus in der Schelfstraße 32 an einem Schlaganfall. Er hinterließ nicht viel Materielles auf dieser Welt, aber viele Geschichten.

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