Filmdreh in Schwerin : Mit Theaterwitz Nazis überlistet

Zufrieden mit den ersten Kamera-Aufnahmen: Schauspielerin und Regisseurin Steffi Kühnert (l.) beim Dreh im Theater.
Zufrieden mit den ersten Kamera-Aufnahmen: Schauspielerin und Regisseurin Steffi Kühnert (l.) beim Dreh im Theater.

Dreharbeiten für Produktion „Sein oder Nichtsein“ haben am Montag begonnen: Am 13. April soll das Stück auf Schwerins Bühne Premiere haben

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12. März 2018, 21:00 Uhr

„So, die erste Szene ist gestorben, wir haben sie im Kasten“, freute sich heute Nachmittag Steffi Kühnert nach nur drei Klappen. Die gelernte und bekannte Theaterschauspielerin gilt nicht nur als die Arbeiterin des deutschen Kinos und die Frau von nebenan, sondern auch als begnadete Regisseurin. Das stellte sie am Montag unter anderem in den Wandelgängen des Mecklenburgischen Staatstheaters unter Beweis. Galt es doch, eine große Schar an Komparsen gekonnt an der Kamera vorbei zu dirigieren. Nämlich für die Produktion „Sein oder Nichtsein“, die am 13. April unter Federführung Steffi Kühnerts im Großen Haus Premiere feiert.

Der dazu gedrehte Film soll Bestandteil der Inszenierung sein, sagt Johannes Laubscher, Leiter Kommunikation und Marketing am Mecklenburgischen Staatstheater. Mit dabei würden auch Schauspieler des Ensembles sein sowie zahlreiche Mitglieder der Statisterie in historischen Kostümen aus dem Dritten Reich. Unterstützt würden die Aufnahmen außerdem von den Schweriner Oldtimerfreunden „Opel & Oldiefreunde 1994“, die der Filmcrew für diesen Anlass eigens ihre liebevoll gepflegten Limousinen zur Verfügung stellen.

In dem berühmten antifaschistischen Komödienklassiker „Sein oder Nichtsein“ von Ernst Lubitsch aus dem Jahre 1942 dreht sich alles um eine kleine Gruppe polnischer Schauspieler, denen es nach dem Einmarsch der Deutschen in Warschau durch eine gekonnte Maskerade gelingt, die Nazis mit den Mitteln des Theaters zu überlisten. Zentraler Spielort in Film und Stück ist ein Theater.

Dass die heutigen Dreharbeiten bei diesem wechselhaften Wetter auch eine große Herausforderung seien, betonte der Theatersprecher. „Doch wir haben es hier ja mit Profis zu tun. Nur wenn es noch schneien sollte, müssten wir wohl verschieben“, sagte Laubscher, der außerdem Wert auf die Aussage legt, die Aufnahmen seien nicht als Werbetrailer gedacht.

Der Nationalsozialismus als lächerlicher Theaterwitz? Lubitschs kritischer Blick aus dem amerikanischen Exil auf seine Heimat unter der NS-Diktatur wirft sicherlich auch wieder beim ein oder anderen Beobachter die Frage auf: Was darf Satire? Gerade darum gilt Lubitschs Film als eine der größten und kühnsten Satiren der Filmgeschichte überhaupt. Er stellt die furchtbarsten Schergen des 20. Jahrhunderts in der ganzen Lächerlichkeit ihres perfiden Apparates und ihrer albernen Selbstdarstellung bloß. Ohne ihre Schrecken zu leugnen.

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