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Cambs setzt auf Jugend : Mit Sportlotse auf Zukunfts-Kurs

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Durch Kooperation mit dem Kreissportbund werden bei der Spielvereinigung Cambs-Leezen nachhaltige Vereinsstrategien entwickelt

svz.de von
erstellt am 23.Jan.2017 | 08:00 Uhr

In Deutschland gibt es mehr als 620 000 eingetragene Vereine. Dort treffen sich Menschen, um Sport zu treiben, ihren Hobbys nachzugehen, Traditionen und Kultur zu pflegen, zu helfen oder zu fördern. Die SVZ besucht einige der mehr als 100 Vereine im Schweriner Umland, um zu erfahren, warum sich Menschen in Vereinen engagieren, was ihnen wichtig ist und mit welchen Problemen sie dort zu kämpfen haben. Heute stellen wir den Fußballverein Spielvereinigung Cambs-Leezen vor.

Bei der Spielvereinigung Cambs-Leezen dreht sich alles um den Ball. Den Fußball. „Wir sind ein Einspartenverein“, sagt Jan Grüder. Grüder ist Vorsitzender des Clubs mit seinen knapp 80 Seniorenfußballern sowie 130 Jugend-Kickern und kümmert sich mit seinen Vorstandskollegen und den 14 ehrenamtlichen Trainern darum, dass der Ball rollt. Seit Anfang 2016 hat er mit Daniel Lampe jemanden an seiner Seite, der dem Verein schon lange vorher als Spieler und Nachwuchs-Trainer half und nun hauptamtlich für den Club tätig ist. Als Sportlotse.

Wenn die E-Jugend-Kicker zum Training in die Sporthalle Cambs kommen, dann wird erst einmal der Trainer begrüßt. Daniel trifft den Ton der Jungs. Es darf gelacht werden, gerne. Aber alles in Maßen. Lampes Wort hat Gewicht. Aus der Reihe tanzen ist nicht. Teamarbeit. Nicht der Einzelne steht im Vordergrund, hier geht es um die Mannschaft. „Mit Daniel“, sagen die Nachwuchsfußballer, „kommen wir gut klar“. Vereinschef Grüder auch: „In Sachen Vereinsarbeit ist Daniel eine ganz große Entlastung für uns.“ Dass sich der Verein einen hauptamtlichen Mitarbeiter für genau 22 Monate leisten kann, liegt am Kreissportbund Ludwigslust-Parchim und dem EU-Leaderprojekt „Versuchs doch mal...“. „Das Herausstellen von Entwicklungspotenzialen im Bereich Integration und Inklusion sowie die Entwicklung von nachhaltigen Vereinsstrategien sind meine Arbeitsschwerpunkte“, sagt Daniel Lampe. Der gebürtige Schweriner ist 27 Jahre alt, hat in Berlin Sportwissenschaften studiert, spielt schon einige Saisons in der Abwehr der Cambs-Leezener Landesliga-Mannschaft und hat jetzt einen Vollzeit-Job im Verein. Trainingspläne ausarbeiten, Hallenzeiten festzurren, Fördermittel beantragen, Konzepte entwickeln, Projekte betreuen, Sommer-Fußball-Camps organisieren und leiten – zu tun gibt es genug. „Eine gute Grundlage für die Mitglieder-Entwicklung zu schaffen, das ist unser Ziel“, sagt Lampe, dessen Stelle zu 85 Prozent vom Kreissportbund und zu 15 Prozent aus der Cambs-Leezener Vereinskasse finanziert wird. „Mit Daniels Fußballcamps wird ein Teil unserer Ausgaben schon wieder refinanziert“, weiß Club-Chef Grüder. Noch bis Oktober 2017 läuft die Kooperation mit dem Kreissportbund, der insgesamt drei Sportlotsen mitfinanziert. Neben Cambs-Leezen hat auch der Parchimer FC einen Sportlotsen. Der dritte ist direkt beim Kreissportbund aktiv.

Von der G- bis zur A-Jugend, die F-Jugend gleich doppelt – die Nachwuchsarbeit genießt einen hohen Stellenwert beim Fusionsclub. Dabei gibt es bei den A- und B-Jugendlichen eine Spielgemeinschaft mit Crivitz. Quantität ist nicht alles. Auch die Qualität soll stimmen. „Deshalb unterstützen und finanzieren wir auch die Trainerausbildung im Nachwuchsbereich“, so Grüder. Der sozialen Aufgabe im Verein seien sie sich bewusst, betont der Vereinschef. Deshalb werde auch viel Geld in die Hand genommen, um ein gutes Training zu gewährleisten. „Wir müssen an sechs verschiedenen Standorten trainieren. Das ist ein großes Problem“, hadern Grüder und Lampe vor allen mit den hohen Hallengebühren. 4000 Euro Nutzungsgebühr in der Winterzeit nur für die G-bis C-Jugendlichen müsse der Club aufbringen. „Es wäre schön, wenn uns die Betreiber finanziell entgegenkommen könnten“, sagen sie.

Der Nachwuchs ist ihnen wichtig, die Senioren auch. Der Club hat der Erstvertretung jüngst die Wahl gelassen, in die Verbandsliga aufzusteigen. Sportlich hatten sie als Meister ihr Ticket für Liga sechs sicher. Doch der Großteil der Hobbyspieler entschied sich dagegen. Zu aufwendig, zu zeitintensiv. Lieber Landesliga, so der Tenor. Das Team blieb größtenteils zusammen. „In der kommenden Saison wird es anstatt drei Landesligen nur noch zwei geben. Um dabei zu sein, müssen wir mindestens Platz acht belegen“, weiß Jan Grüder. Zur Saisonhalbzeit liegt das Team auf Rang drei.

Zwölf Gegentreffer gab es nur in der Hinrunde. Abwehrspieler Lampe ist zufrieden. Und er ist zufrieden mit seinem Job hier. Im Oktober läuft seine Stelle aus. Bei der Spielvereinigung würden sie ihn gerne behalten. Gesundheitssport entwickeln, neue Sparten installieren, mit anderen Vereinen in den Dörfern kooperieren – „daran arbeiten wir“, sagt Daniel Lampe. Auch er würde gerne weiter das begleiten, was er mit auf den Weg gebracht hat.

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