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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. November 2017 | 19:53 Uhr

Erntezeit : Mit roten Torpedos auf Kolbenjagd

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit besonderem Gerät sind die Landwirte bei Müsselmow im Einsatz – die goldgelben Körner landen ausschließlich im Futtertrog.

von
erstellt am 25.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Mit gerade einmal sechs Kilometern pro Stunde schiebt sich die große Maschine mit dem Raupenlaufwerk über die Hügel bei Müsselmow. Statt eines gewöhnlichen Schneidwerks schiebt der Mähdrescher zwölf sogenannte Torpedos – große rote Plastik-Pylonen– vor sich her. „Das ist ein zwölfreihiger Maispflücker. Die Torpedos drücken den Mais in die richtige Form, so dass wir ihn gut ernten können“, sagt Alexander Mahncke. Der Mitarbeiter des Warsower Lohnunternehmens Marquardt steuert die neun Meter breite Erntemaschine, die den Mais Reihe für Reihe abschneidet und die Kolben mit Hilfe ihrer konisch geformten Pflückwalzen verschlingt. Im Inneren des Dreschers werden die Körner vom Kolben getrennt. Hinter der Fahrerkabine laufen sie – gut durch eine kleine Scheibe zu beobachten – in einen großen Tank mit 12 500 Liter Fassungsvermögen. Das entspricht dem Volumen von rund 90 Badewannen. Ist der Tank fast voll, ertönt ein warnender Piepton in der Fahrerkabine. Mahncke ordert den Überladewagen. Einen Knopfdruck später rollt dieser an. Die goldgelben Körner werden abgepumpt. Die Ladungen gehen direkt zur Anlage des Flächeneigentümers nach Plate. „Der Mais wird geschrotet und an unsere Schweine verfüttert“, erklärt Stefan Wille genannt Niebur. Der Plater hat 700 Sauen im geschlossenen System.

Auch wenn sein geernteter Mais auf den ersten Blick dem Zuckermais ähnelt der in Salaten, als ganzer Kolben auf dem Grill oder in Popcornmaschinen landet, kommt der Müsselmower Mais ausschließlich in den Futtertrog. Ist er noch sehr jung, ist er genießbar. Später hat er mehr Stärke und schmeckt dementsprechend.

Mit der diesjährigen Ernte ist Stefan Wille genannt Niebur zufrieden. Er hatte sich im Frühjahr für die Sorte Ricardinio entschieden. Der Ertrag dieser sportlich klingenden Sorte lag bei 13 Tonnen je Hektar. Auch Alexander Mahncke schaute bei der diesjährigen Mais-Ernte in viele zufriedene Gesichter. „Das einzige Problem ist die Befahrbarkeit der Ackerflächen“, erklärt der Landwirt. Obwohl sein Mähdrescher mit einem Raupenlaufwerk ausgestattet ist, sei es zeitweise schwierig, über die Flächen zu kommen. Dass der Drescher so schmutzig ist, liege auch am Mais: „Eine Mais-Ernte beansprucht die Maschine so wie drei Getreide-Ernten. Der Verschleiß ist höher und auch der Schmutz“, erzählt Alexander Mahncke. Die Arbeit selbst sei aber schön: „Es ist anstrengender als Getreide dreschen, da man mehr aufpassen muss. Doch das ist mein Ding“, sagt der junge Mann. Und so wird er auch in den kommenden Tagen seine Torpedos durch die Maisfelder der Region steuern. „Ein paar Tage haben wir noch zu tun“, sagt er und steigt wieder in seine Fahrerkabine.

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