Crivitz : Mit Plattdeutsch bis zur Abitur-Prüfung

Für die Crivitzer Siebtklässler geht es morgen zum ersten Plattdeutsch-Workshop. Ihre Lehrer Susanne Bliemel und Mathias Hoffmann haben das Unterrichts-Konzept mitentwickelt.
Für die Crivitzer Siebtklässler geht es morgen zum ersten Plattdeutsch-Workshop. Ihre Lehrer Susanne Bliemel und Mathias Hoffmann haben das Unterrichts-Konzept mitentwickelt.

Crivitzer Plattdeutsch Colleg mit 150 Siebtklässlern aus MV startet

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21. September 2017, 12:00 Uhr

Plattdüütsch löppt! Das ist das Motto, unter dem morgen und übermorgen 150 Siebtklässler aus den sechs Niederdeutsch-Profilschulen von MV in Demmin und Stavenhagen zusammenkommen. Für die Mädchen und Jungen startet damit der Unterricht in dem Fach Niederdeutsch, das sie ab diesem Schuljahr in Crivitz, Dömitz, Laage, Demmin, Wismar und Stavenhagen bis zum Abitur belegen und dort einbringen können.

„Das ist mehr als ein Kennenlernen“, betont Mathias Hoffmann. Der 30-Jährige ist nicht nur Plattdeutsch-Lehrer am Crivitzer Gymnasium, er ist auch der Landesbeauftragte für Niederdeutsch und hat am Unterrichtskonzept mitgearbeitet. „Für viele unserer Schüler wird es der erste Kontakt mit Plattdeutsch, wir wollen sie mit Platt als Fremdsprache konfrontieren“, verrät Hoffmann. Alle zwei Monate gibt es ein solches Sprachcamp. Nach dem Auftakt in großer Runde findet es dann an den einzelnen Profilschulen statt. „Aber immer mit denselben Inhalten“, erläutert Susanne Bliemel. Die 49-Jährige unterrichtet ebenfalls in Crivitz, sie ist die Plattdeutsch-Profilkoordinatorin für die sechs Schulen in MV. Die Plattdeutsch-Schüler sollen so schnell wie möglich und zudem möglichst viel sprechen, damit die Sprache ihrer Heimat ihnen vertraut wird. „Das ist wichtiger als das auswendig Lernen von Vokabeln und Grammatik“, betont Hoffmann. Doch ohne geht es eben auch nicht. Daher haben die Plattdeutsch-Lehrer einheitliche Grundlagen für den Unterricht geschaffen, die auf die Plattdeutsch-Varianten zwischen Elbe und Oder und die Forschungen der Greifswalder Professorin Renate Herrmann-Winter aufbaut. Deren Wörterbuch ist das Standard-Werk für den Plattdeutsch-Unterricht in MV.

Dass der Unterricht nicht stundenweise in der Woche, sondern als Block alle zwei Monate stattfindet, hat vor allem organisatorische Gründe. Im Kern geht das auf eine Entscheidung der deutschen Kultusminister zurück, Plattdeutsch als Abiturfach voll anzuerkennen, aber nicht als zweite Fremdsprache. Die Plattdeutsch-Arbeitsgruppe in MV musste daher ein neues Unterrichtsmodell entwickeln. Das trägt den Namen Crivitzer Plattdeutsch Colleg, denn neben Susanne Bliemel und Mathias Hoffmann hat daran auch Dr. André Köhncke mitgearbeitet.

Diese drei Lehrer unterrichten zudem Plattdeutsch am Crivitzer Gymnasium. 32 Siebtklässler haben sich für dieses neue Fach entschieden – das ist ein gutes Drittel des gesamten Jahrgangs. „Diese Resonanz hat uns überrascht und gefreut“, erzählt Hoffmann. Hinzu kommen noch die Neunt- und Zehntklässler mit dem Wahlpflicht-Fach Plattdeutsch. Da diese Schüler bereits im Neigungs-Unterricht und in Arbeitsgruppen Platt lernten, können sie es als dritte Fremdsprache ins Abitur einbringen. Daher gibt es schon 2020 die ersten Abi-Noten in Plattdeutsch.

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