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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. Oktober 2017 | 15:42 Uhr

Schweriner Schloss : Mit Petermännchen in die Tiefe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die kleinen Geheimnisse des Schweriner Schlosses – heute: Die Gänge unterm Schloss nutzten Soldaten und und ein kleiner Geist

von
erstellt am 24.Aug.2017 | 08:00 Uhr

Das Schweriner Schloss ist Wahrzeichen der Stadt und Besuchermagnet für Menschen aus aller Welt. Herrschersitz ist es bereits seit dem 10. Jahrhundert, in den Jahren 1845 bis 1851 wurde es zu dem Märchenschloss umgebaut, das wir heute noch kennen. Seitdem der Großherzog abgedankt hat, waren dort Museen, Büroräume und schließlich die Erzieherschule untergebracht, seit 1990 sitzt hier der Landtag. Schlossfest und Museumsführungen nutzen die Schweriner gerne. Trotzdem gibt es jede Menge Winkel und Bewohner, die nur wenige kennen. Heute: der Petermännchengang.

Mehrere Sagen ranken sich um den Schlossgeist Petermännchen. Mit Laterne, Schwert und Schlüsselbund „bewaffnet“ soll der kleine Mann Diebe und Eindringlinge mit Plagen, Späßen und nächtlichem Poltern in die Flucht getrieben haben. Ehrliche Menschen belohnte er. Das Petermännchen soll unter anderem Wallenstein, der während des Dreißigjährigen Krieges 1628 mit dem Herzogtum Mecklenburg belehnt war, in seiner ersten Nacht im Schweriner Schloss so sehr geärgert haben, dass der General am nächsten Morgen abreiste und nie wieder nach Schwerin kam.

Seinen „Arbeitsplatz“ indes soll das Petermännchen im Pinnower Petersberg gehabt haben, dort schmiedete er. Zwischen Schloss und Petersberg pendelte er angeblich durch unterirdische Gänge – und die gibt es tatsächlich. Naja, jedenfalls unterm Schloss. Ob einer von ihnen wirklich unter dem See hindurchführt ist zumindest nicht unmöglich. Noch sind nicht alle alten Türen geöffnet und Wege freigelegt. Einen so genannten „Petermännchengang“ gibt es aber schon. Beim Rundgang „Vom Keller bis zur Kuppel“ dürfen geführte Besuchergruppen ihn einmal anschauen. 2006 wurde das Mauerwerk an den Seiten und am Gewölbe repariert, der Fußboden begradigt und eine Beleuchtung angebracht. Das alles geschah im Zusammenhang mit der Freilegung der Nordbastion und diente zur Vorbereitung auf die Nachgründung der Schlosskirche.

Die Forscher sind sich einig: Die Gänge stammen aus dem 16. Jahrhundert, waren Bestandteil der Befestigungsanlage und wurde von Soldaten genutzt. Die soll das Petermännchen übrigens geweckt haben, wenn sie während ihrer Nachtwache eingeschlafen waren. Der knapp mannshohe, gewinkelte Petermännchengang führt vom Burggartenflügel durch die Nordbastion zu einem Ausgang in Richtung Burggarten. Er diente auch als Zugang zu den Kasematten in der Nordbastion – im Verteidigungsfall wurden Kanonen und Munition über den Petermännchengang in die Kasematten gebracht.

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