Wirtschaft : Mit neuer Idee in die alte Heimat

An mehreren Tellern zeigt Martina Menzel (r.) die verschiedenen Techniken zum Bemalen. Lisa Wirz, Angelika und Julia Kroll (v.l.) genießen die gemeinsame kreative Zeit in der „Tuscherei“.
An mehreren Tellern zeigt Martina Menzel (r.) die verschiedenen Techniken zum Bemalen. Lisa Wirz, Angelika und Julia Kroll (v.l.) genießen die gemeinsame kreative Zeit in der „Tuscherei“.

Martina Menzel gewann den Schweriner Gründerwettbewerb und zieht nach zwei Monaten „Tuscherei“ eine durchweg positive Bilanz

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08. Januar 2016, 16:00 Uhr

Dass sie den Gründerwettbewerb 2015 mit ihrer „Tuscherei“ gewinnen würde, damit hatte Martina Menzel eigentlich gar nicht gerechnet. Die Idee, ein Keramikmalstudio in der Landeshauptstadt zu eröffnen, kam ihr in der Elternzeit in Hamburg. Dort arbeitete die gebürtige Crivitzerin als „Key-Account-Managerin in einem Offshore-Wind-Logistik-Unternehmen“. Sie hatte viel zu tun, aber auch viel Spaß dabei, wie sie betont. Doch irgendetwas fehlte zum Glück: „Als Kind bin ich mit meinen Eltern oft mit dem Fahrrad zum Baden an den See gefahren“, erinnert sich die 34-Jährige. So etwas wünscht sie sich auch für ihren kleinen Oskar. „Das ist in Hamburg aber nicht so einfach möglich.“ Dieser Gedanke, ihr Marketingtalent und Verkaufsgeschick, das Gespür für die richtige Idee und ein bisschen Zufall führten zur „Tuscherei“. Die Bilanz nach knapp zwei Monaten Selbstständigkeit: Die Schweriner lieben den Laden in der Puschkinstraße 47.

Tupfen, kratzen, abkleben, vorzeichnen oder einfach drauflos malen – in der „Tuscherei“ machen sich vor allem Frauen ans Werk. Sie kommen mit der Freundin, mit der Schwiegertochter, mit ihren Kindern oder Enkeln, ganz allein oder als gesetztere Geburtstagsgesellschaft. Von anderthalb bis 86 Jahren reiche das Alter der Kunden, sagt Martina Menzel und lächelt. Kurz vor Weihnachten brummte das Geschäft enorm, schließlich ist eine selbst bemalte Tasse ein wunderbares Geschenk. Die Preise habe sie mit zehn bis zwanzig Euro pro selbst gestaltetem Stück bewusst erschwinglich gehalten, sagt Martina Menzel. Sie möchte ein breites Publikum ansprechen. Gebrannt werden die Unikate übrigens im eigenen Ofen im Laden – in der Vorweihnachtszeit täglich, später sollen die Brandzeiten seltener werden.

„Die Rohlinge sind industriell gefertigt, also keine Handarbeit. Aber die Qualität ist über lange Zeit erprobt, ebenso wie die der Farben, die aus Amerika kommen.“ In Amerika, auf ihrer Hochzeitsreise, hat Martina Menzel die Keramikmalstudios kennen gelernt. Sie war spontan begeistert. In Hamburg gab es „gleich um die Ecke“ ebenso ein Studio. „Da habe ich zu meinem Mann gesagt: Das würde gut nach Schwerin passen.“ Ende 2014 reifte die Idee, selbst ein Studio aufzumachen, und Martina Menzel besuchte einen entsprechenden Workshop in Berlin. Zufällig erfuhr sie dann vom Gründerwettbewerb „Gute Aussichten“. Sie schrieb ein Konzept, erarbeitete eine Powerpoint-Präsentation und den geforderten Businessplan. „Oskar war gerade in seiner Eingewöhnungszeit in der Krippe, da hatte ich ein bisschen Zeit“, sagt die 34-Jährige.

Als sie erfuhr, dass die „Tuscherei“ es beim Wettbewerb unter die Ersten geschafft hatte, war die Elternzeit schon vorbei und Martina Menzel arbeitete wieder in ihrer alten Firma in Hamburg. Als die junge Mutter Ende Juni schließlich Siegerin wurde, brauchte es aber nur ein Wochenende und die komplette Kleinfamilie entschied sich für Schwerin. „Als ich bei meinem Chef am Montag kündigte und erzählte, was ich vorhabe, fiel der aus allen Wolken. Er kann es bis heute nicht glauben.“

Martina Menzel hat einen 60-Stunden-Job in Hamburg gegen einen 60-Stunden-Job in Schwerin getauscht. Nach der Arbeit im Laden kümmert sie sich ums Marketing. Das kann sie gut. Buchhaltung ist nicht so sehr ihr Ding, die hat sie extern vergeben. Für Oskar hat sie Zeit, für die Familie in Schwerin und dem Umland ebenso. Sie bekommt viel Lob von den Kunden – und irgendwann kann sie mit dem Sohn bestimmt auch einfach an den See radeln und baden gehen.

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