Cramon : Mit Natur im Bunde

Dachdeckermeister Thorsten Ring nutzt eine kleine Regenpause und arbeitet an der Cramoner Pfarrscheune weiter. Insgesamt werden dort mehr als 17 Tonnen Reet verbaut.
Dachdeckermeister Thorsten Ring nutzt eine kleine Regenpause und arbeitet an der Cramoner Pfarrscheune weiter. Insgesamt werden dort mehr als 17 Tonnen Reet verbaut.

Cramons Pfarrscheune bekommt neues Reetdach – dafür sorgt Thorsten Ring

svz.de von
06. September 2017, 23:41 Uhr

Es ist jetzt fast drei Jahre her, da wurde das Reetdachdecker-Handwerk in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. „Ja“, sagt Thorsten Ring, „unser Handwerk wurde damit aufgewertet.“ Und dieses Handwerk ist somit nicht nur schützens- und erhaltenswert. Es ist auch eines der ältesten, denn die ersten nachgewiesenen Reetdächer gab es bereits vor mehr als 6000 Jahren. Der Wendelstorfer Thorsten Ring ist erst seit 27 Jahren dabei. Da hat er sich selbstständig gemacht, denn in seinem Job als Dieselmotorenschlosser standen kurz nach der Wende im Rostocker Werk unsichere Zeiten bevor. Thorsten Ring schulte zum Reetdachdecker um, machte später noch seinen Meister. Sein Geschäft läuft, das Auftragsbuch ist voll. Immer mehr Hausbauer, so Ring, wollen ein Reetdach. Er habe aber fast nur damit zu tun, alte Dächer instandzusetzen. So wie die mehrere hundert Jahre alte Pfarrscheune in Cramon.

Es regnet. Wieder mal. „Da können wir nicht arbeiten“, sagt Thorsten Ring und legt schon mal ein paar Rohrbunde für trockenere Zeiten vor die Pfarrscheune, deren Holzgerippe von einer großen Plane geschützt wird. Die 80 Quadratmeter Dachfläche des Anbaus ist fertig, aber da sind ja noch die 460 Quadratmeter des Hauptgebäudes. Die Zeit drängt, in weniger als sechs Wochen soll alles fertig sein. Aber wenn es regnet, kommen Klopfbrett und Hackleiter nicht zum Einsatz.

Das Reet kommt aus China, Ungarn und Rumänien. Oder, wie in diesem Fall, aus der Ukraine. Und was ist mit Schilf aus Deutschland? Ring: „Gibt es. Aber nicht in der Masse und der Länge, die unser Markt braucht.“ Über 17 Tonnen Reet werden gerade in Cramon verarbeitet. Das braucht seine Zeit. Rund acht Minuten dauert es, bis ein Quadratmeter Dachstein verlegt wird. „Wir brauchen für unser Material gut eine Stunde“, erzählt Dachdeckermeister Ring. Und er weiß: Jedes Reetdach ist ein Unikat. Auch ein Grund dafür, warum Thorsten Ring dieses Handwerk so mag.

Am Freitag wird Richtfest in Cramon gefeiert. Am 13. Oktober soll dann das Gebäude übergeben werden. Grundsaniert und mit Reetdach – und das soll mindestens 30 bis 50 Jahre lang halten.

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