Streik in Schwerin : Mit lauten Tönen für Anerkennung

Fordern faire Entlohnung: Erzieherin Sabrina Kantler (vorn) und ihre Kolleginnen von der Kita „Wirbelwind“ in der Schweriner Gartenstadt haben gestern von 6 bis 9 Uhr die Arbeit niedergelegt.  Fotos: Reinhard Klawitter
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Fordern faire Entlohnung: Erzieherin Sabrina Kantler (vorn) und ihre Kolleginnen von der Kita „Wirbelwind“ in der Schweriner Gartenstadt haben gestern von 6 bis 9 Uhr die Arbeit niedergelegt. Fotos: Reinhard Klawitter

Erzieherinnen streiken für mehr als nur angemessene Bezahlung – Schweriner Eltern haben Verständnis für Arbeitskampf

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08. April 2015, 20:30 Uhr

Steigende Anforderungen, verhaltensauffällige Kinder, fordernde Eltern – auch im Land steigt der Druck auf die Erzieher, ihre Entlohnung jedoch nicht. Deshalb sind am Mittwoch die Mitarbeiterinnen von 18 der 23 Einrichtungen der städtischen Kita gGmbH auf die Straße gegangen. Vor den Türen haben sie ihren Unmut kundgetan und auf ihren Streik aufmerksam gemacht. Von 6 bis 9 Uhr blieben die Kindertagesstätten geschlossen – wie in der Hagenower Straße. Zehn Erzieherinnen hatten sich vor der Kita „Wirbelwind“ postiert und mit Transparenten, Luftballons, Fähnchen und Warnwesten auf ihren Streik aufmerksam gemacht.

„Es geht uns nicht allein um mehr Geld, sondern der Beruf Erzieher muss auch künftig attraktiv bleiben. Es kann nicht sein, dass die Forderungen an die Mitarbeiter immer höher werden. Wir sind eine Bildungseinrichtung und eben nicht nur Dienstleister“, erklärt Kita-Leiterin Gabriela Möller. „Jedem sollte bekannt sein, wie wichtig die frühkindliche Bildung ist. Hier werden die Grundsteine gelegt. Das soll einfach anerkannt werden“, ergänzt sie und begründet auch damit ihre Teilnahme am Streik. Viele Eltern hatten dafür Verständnis. „Einige haben uns heute Morgen sogar Kaffee vorbeigebracht“, sagt Möller.

Nicole Otto brachte ihre Tochter Anna erst um 9 Uhr in die Kita „Haus Sonnenschein“. „Ich finde es gut, dass die Erzieherinnen streiken. Und dass die Kita etwas später öffnet, ist kein Problem. Wir konnten es einrichten“, erklärt die junge Mutter aus Schwerin. Silvana Böse hat gestern ihren Enkel Emmis Thore in die Kita gebracht. „Meine Tochter muss früh anfangen zu arbeiten, da habe ich das übernommen. Der Streik ist gerechtfertigt. Ich hoffe, er bringt auch was und die Erzieher werden erhört“, erklärt sie.

Die Gewerkschaft Verdi war im Februar mit dem Ziel einer deutlichen Aufwertung der Berufe in den Sozial- und Erziehungsdiensten in die Tarifverhandlungen gegangen. Eine Verbesserung der Eingruppierung der Beschäftigten ist das Ziel, ebenso wie eine Erhöhung der Gehälter. Verdi hatte die Eingruppierungsvorschriften und die Entgeltordnung zum 31. Dezember 2014 gekündigt. Die Arbeitsverdichtung habe zugenommen und die Anerkennung durch entsprechende Bezahlung sei ausgeblieben. Vorrangig Teilzeitbeschäftigung und damit eine nicht ausreichende Altersvorsorge würden das Berufsbild unattraktiv machen. Das soll sich ändern. Heute beginnt die entscheidende Runde der dritten Tarifverhandlung.



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