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Bürgermeister mit Langem Atem : Mit ihm ist oft gut Kirschen essen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Pampows Bürgermeister Hartwig Schulz entscheidet seit 25 Jahren über die Geschicke der Kommune mit – Schlussstrich ist geplant

Auf eine große Feier würde Hartwig Schulz am liebsten verzichten. Einen feinen Zwirn wird sich der Pampower Bürgermeister für heute aber dennoch rauslegen. Es gibt nämlich etwas zu feiern: Silberhochzeit – mit der Gemeinde. Seit 25 Jahren leitet er die Geschicke der Kommune. Er war dabei, als mit den Jahren aus 1000 nun mehr als 3000 Einwohner wurden. Auch als die Gewerbegebiete wuchsen. „Ich kann mich noch an den ersten Besuch des Investors aus Oberhausen erinnern. Plötzlich stand er in meinem Bürgermeisterbüro“, sagt Hartwig Schulz und erzählt von einem Mann in Manchesterhose, der beklagte, man habe ihn in Schwerin gerade gar nicht bis ins Bürgermeisterzimmer durchgelassen. Und dann platzt es aus dem 74-Jährigen heraus, das herzliche, laute und ansteckende Lachen. „Es lag ganz sicher an der Hose des Investors. Mit einem Anzug wäre ihm das wohl nicht passiert. Dann hätten wir aber nicht das erste große Gewerbegebiet in Pampow bekommen, dort, wo jetzt Rück steht“, schiebt er hinterher.

Es ist eine der vielen Anekdoten, die Hartwig Schulz aus 25 Jahren Bürgermeisteramt zu erzählen hat. Nicht immer sei es alles lustig gewesen. „Es gab Momente, in denen ich am liebsten alles hingeschmissen hätte“, erzählt er. Was hat ihn davon abgehalten, es dann doch nicht zu tun? „Zwei, drei Nächte drüber schlafen – das hilft nicht nur, das wirkt wahre Wunder“, sagt er und lacht erneut. Nur ein einziges Mal war es Hartwig Schulz ganz ernst. Als es seiner Frau sehr schlecht ging. Am Krankenbett habe er ihr versichert, alles aufzugeben, nur noch für sie da zu sein. „Doch dann richtete sie sich auf und sagte ganz klar: Nein, das kannst du deinen Wählern nicht antun“, erzählt Hartwig Schulz. Tränen sammeln sich in seinen Augen. So sieht man den Pampower Bürgermeister selten.

Seit fünf Jahren ist er Witwer, hat den Wunsch seiner Frau beherzigt und ist für die Bürger da. „Gut, ich vergesse ab und zu mal Termine wie diesen mit der SVZ heute, aber das ist nie böswillig. Das ist wohl das Alter“, sagt Schulz und das Lächeln kehrt zurück in sein Gesicht.

Hinzu komme der stets übervolle Terminkalender. Eine Gemeinde mit mehreren Tausend Einwohnern zu betreuen, sei ein Vollzeit-Job. Hartwig Schulz übernimmt die Aufgabe seit einem viertel Jahrhundert – ehrenamtlich. Und auch für die kleinen und großen Alltagssorgen seiner Einwohner hat er Zeit: „Ich bin zwar kein Pastor, aber manchmal auch ein Seelsorger.“ Und dann ist da noch der Platz im Kreistag Ludwigslust-Parchim. Auch der Landkreis liegt dem CDU-Politiker am Herzen. Für sein ehrenamtliches Engagement wurde Hartwig Schulz im vergangenen Jahr mit dem Siegfried-Witte-Preis von Innenminister Lorenz Caffier für seine ehrenamtliche Arbeit ausgezeichnet. Mit der ist es nach der nächsten Wahl vorbei. „Ich werde nicht mehr antreten. Irgendwann muss Schluss sein“, sagt er und lacht. Dennoch ist es ernst gemeint. Im Frühjahr 2019 ist Schluss.

Dass er überhaupt als Bürgermeister in Pampow agiert, hat er sich in einer Jugend nicht träumen lassen. „Wir kamen als Flüchtlinge, waren nun nicht gerade willkommen. Ich wollte weg, in die Großstadt – nach Berlin.“ Seiner Mutter zu Liebe ist Hartwig Schulz in Pampow geblieben. Heute ist er froh. „In Pampow“, sagt er „da lebe ich gerne.“

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