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Zeitung für die Landeshauptstadt

15. Dezember 2017 | 22:56 Uhr

Jede Hand hilft : Mit Herz und Handschuhen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Karin Utecht und ihre freiwilligen Helferinnen sortieren jeden Montag die Spenden für Bedürftige und Flüchtlinge

svz.de von
erstellt am 17.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Montagmorgen 9 Uhr. Ein eisiger Wind weht über den Innenhof der Kreisgeschäftsstelle des Deutschen Roten Kreuzes. Vier Frauen empfangen mich vor der Kleiderkammer. „Guten Morgen junger Mann. Sie helfen uns heute also beim Sortieren?“, fragt eine der Frauen. Es ist Karin Utecht, die ehrenamtliche Koordinatorin der DRK-Kleiderkammer. „Ja genau“, antworte ich. Deswegen bin ich hier: um zu helfen.

Karin Utecht und ihre Frauen, die alle freiwillig hier sind, sortieren mit System: Bierzelt-Garnituren werden in quadratischer Form aufgebaut, Kartons an die Frauen und mich verteilt. Mittlerweile sind wir zu zehnt. Dann folgen die Arbeitsanweisungen von Karin Utecht: „Bitte einmal die Kartons falten und beschriften. Frauen, Männer und Kinder. Sommer und Winter.“ Gesagt, getan. Langsam nimmt die Sortierstation Form an. „Vergessen Sie die Handschuhe nicht“, erinnert mich die 65-Jährige. „Sauberkeit und Ordnung müssen sein.“

Die Spendenbereitschaft in der Schweriner Bevölkerung ist groß, Karin Utecht immer noch überwältigt. „Wir haben so viele Säcke voller Spenden. Deswegen treffen wir uns jetzt jeden Montag um 9 Uhr zum gemeinsamen Sortieren. Dann sind wir hier immer bis in den Nachmittag hinein beschäftigt“, erzählt Karin Utecht. Sonst hätten die Frauen das immer nebenbei erledigt. Dabei sei das Sortieren der Spenden notwendig. „Die Spenden sind nicht immer in dem Zustand, in dem man sie an Bedürftige weitergeben kann. Die Masse an Spenden ist sehr gut, die Qualität leider nicht immer“, sagt die ehrenamtliche Leiterin.

Nun geht es los: Die Frauen holen die vielen blauen Spendensäcke aus der Garage und verteilen diese. Auch ich bekomme zwei blaue Säcke zum Sortieren.

Die vielen Spenden kommen dabei nicht nur den Flüchtlingen zu gute: Auch viele Bedürftige, die schon ihr Leben lang in Schwerin und Umgebung leben, nutzen das Angebot der Kleiderkammer. Besonders vor den Wintermonaten sei der Raum im Innenhof der DRK-Kreisgeschäftsstelle laut Karin Wagner immer gut gefüllt. Die gebürtige Schwerinerin ist eine der Helferinnen von Karin Utecht und seit der Wiedereröffnung im Oktober 2014 mit im Team. „Ich bin hier, weil Hilfe gebraucht wird. Zwar bin ich mit der Arbeit unserer Politiker nicht zufrieden, aber deswegen brauchen die Bedürftigen ja trotzdem Hilfe“, erklärt die 62-Jährige. Sie habe ihre Hilfsarbeit bereits begonnen, als die Flüchtlinge noch gar kein Thema waren.

Karin Wagner packt fleißig mit an. Schon nach kurzer Zeit sind viele Kartons voll. Besonders die für Kinder. Neue müssen gefaltet und beschriftet werden. Trotz der vielen Spenden kämen besonders Männer zu kurz, schildert Karin Utecht: „Aktuell fehlt uns noch wetterfeste Kleidung für Herren. Besonders die Größen 42 bis 44 sind immer schnell vergriffen.“

Gegen 11 Uhr, etwa zwei Stunden nach Arbeitsbeginn, verlasse ich die Damen wieder. Die freiwilligen Helferinnen haben noch einige Säcke vor sich, die sortiert werden wollen. Auch am nächsten Montag treffen sich die Damen wieder. Und würden sich bestimmt über neue Helfer, die ordentlich anpacken, freuen.




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