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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. November 2017 | 10:20 Uhr

Thema der Woche : Mit Erpressung zum Erfolg

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eingemeindungen in die Landeshauptstadt – heute: Es dauerte 16 Jahre, bis die ganze Gemeinde Ostorf ein Teil von Schwerin wurde

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2017 | 23:33 Uhr

Die Landeshauptstadt hat 24 Stadtteile, doch nur wenige gehören seit der Gründung Schwerins mit der Verleihung der Stadtrechte 1160 zum Stadtgebiet. Viele der Viertel wurden erst nach und nach eingemeindet, so wie Ostorf am 1. Januar 1928.

Wer heute durch den Stadtteil spaziert, kann verstehen, warum sich Ende des 19. Jahrhunderts wohlhabende Schweriner ihr Eigenheim auf Ostorfer Grund bauen wollten. Viel Grün, die Nähe zum Schweriner und Faulen See, dazu eine geringe Besiedelung – viele gute Gründe für den Bau einer hübschen Villa.

Doch so einfach war das nicht, es kam zum Konflikt zwischen der damaligen Gemeinde Ostorf, zu der auch die heutige Gartenstadt gehörte, und der Stadt. Denn die Schweriner Politiker befürchteten, dass die steuerkräftigsten Bürger abwandern und deren Geld somit in der Stadtkasse fehlen wird. Also forderten sie die Eingemeindung Ostorfs in die Landeshauptstadt.

Die Gemeinde, die 1282 der Stadt geschenkt wurde, bis zum 17. Jahrhundert allerdings wieder in andere Hände überging, wehrte sich gegen die Eingemeindung. Die Stadt jedoch wusste sich zu helfen. Sie weigerte sich, die neugebaute „Ostorfer Villenkolonie“ unmittelbar am damaligen Stadtrand von der Johannes-Stelling-Straße bis zum Slüterufer an das städtische Wasser- und Abwassersystem anzuschließen. Daraufhin flossen die ungeklärten Abwasser in die Seen und die Häuser hatten keinen Zugang zum Trinkwasser. Die Erpressung hatte Erfolg: Die Villenkolonie und der Ostorfer Hals wurden 1912 nach Schwerin eingemeindet.

Doch die städtischen Politiker waren noch nicht am Ziel, nun sollte auch der Rest der Gemeinde Ostorf zu Schwerin gehören. 16 Jahre dauerte das Tauziehen um die beliebte Wohngegend. 1921 wurde die heutige Gartenstadt eingemeindet, sodass dort gebaut werden und ein eigenständiger Stadtteil entstehen konnte. Sieben Jahre später folgte dann die restliche Gemeinde Ostorf, die damit offiziell seit 1928 ein Teil von Schwerin ist.

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