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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. November 2017 | 16:21 Uhr

SVZ macht den Test : Mit dem Drahtesel durch Schwerin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eine Radtour in der Landeshauptstadt ist möglich, aber umständlich und teilweise gefährlich

svz.de von
erstellt am 24.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Plaudernd fahren wir auf dem Fahrrad die Wismarsche Straße runter, da passiert es: Plötzlich finde ich mich im Gegenverkehr wieder. Ein Moment der Unachtsamkeit und meine Räder sind in die Straßenbahnschienen geraten. Der Schreck ist groß und soll nicht der einzige auf meiner Radtour durch Schwerin sein. Mich als Neu-Schwerinerin haben Einheimische gewarnt, die Stadt sei ein gefährliches Pflaster für Radfahrer. Das will ich testen und verabrede mich mit Roberto Koschmidder vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Schwerin.

Startpunkt unserer Tour ist der Marienplatz. Auf dem Weg dorthin fahre ich über die Knaudtstraße am Pfaffenteich vorbei und bin begeistert. Ein klar abgegrenzter Radweg und eine solide Pflasterung sorgen für ein angenehmes Fahren und die Umgebung ist sehenswert.

Doch es geht auch anders. „Besonders die Werderstraße sorgt immer wieder für Diskussionen“, erzählt Koschmidder. Benutzen die Radfahrer dort die Straße, sind die Autofahrer genervt, der Bürgersteig ist jedoch zu schmal für die Pedalritter und Fußgänger.

Auf dem umstrittenen Schutzstreifen des Obotritenrings gehen wir auf Tuchfühlung mit den Autofahrern. Wohl fühle ich mich nicht, als uns ein Laster überholt. Doch die zweite Möglichkeit, auf den Gehweg auszuweichen, kommt für uns auch nicht in Frage. Zu schmal ist der Bürgersteig, zu groß unsere Sorge, mit einem Fußgänger zu kollidieren.

Durch die ruhigen Nebenstraßen der Weststadt geht es zur Kreuzung Lübecker Straße, Robert-Beltz-Straße, ein Verkehrsknotenpunkt. „Hier hört der Schutzstreifen für die Radfahrer einfach auf, die dann erst auf den Gehweg und dann auf der viel befahrenen Hauptstraße weiterfahren müssen“, kritisiert der stellvertretende Vorsitzende des ADFC.

Wer einmal in Kopenhagen oder Amsterdam seinen Urlaub verbracht hat, kennt sie: die gut ausgebauten Fahrradwege. Besonders in den skandinavischen Städten gilt eine inoffizielle Rangordnung der Verkehrsteilnehmer: erst die Fahrradfahrer, dann alle anderen.

„Auch in vielen deutschen Städten kann man sehr gut Fahrrad fahren“, berichtet Roberto Koschmidder. „Die profitieren von ihren Universitäten und den Studenten. Schwerin fehlt das.“ Doch wir entdecken auch schöne Strecken. Wo die Radler vorher noch drei Bedarfsampeln nutzen mussten, um von der Lübecker Straße in die Gadebuscher Straße zu kommen, werden sie nun auf die Straße geleitet. Auch der Radweg wurde neu asphaltiert. „Hier hat die Stadt gut mitgedacht“, sagt mein Begleiter erfreut.

Auf den kleinen Wegen durch die Gärten hinter dem Hopfenbruchweg haben wir die Gelegenheit, uns intensiver über die Situation der Radfahrer zu unterhalten. „Ich kann Autofahrer verstehen, die sich über Fahrradfahrer aufregen“, gebe ich zu. „Oft ärgere ich mich selber über Radler, die die Verkehrsregeln nicht einhalten.“ Wir halten an und schmunzelnd überreicht mir Roberto Koschmidder eine kleine Langenscheidt-Broschüre „Pkw – Fahrrad, Fahrrad – Pkw“. Er wünsche sich nicht nur von Radfahrern, dass auch sie die Regeln einhalten, sondern auch eine verstärkte Aufklärung und ein besseres Image.

Nach elf Kilometern sind wir wieder an unserem Ausgangspunkt angekommen. Am Marienplatz trennen wir uns. Auf dem Weg nach Hause durch die Altstadt nehme ich mir vor, dass mein Drahtesel kein trauriges Dasein im Keller fristen wird. Aber auf das Auto verzichten kann ich auch nicht.

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