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Zeitung für die Landeshauptstadt

26. September 2017 | 11:18 Uhr

Internetkrimi in Plate : Mit Anruf den PC ausspioniert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Frank Hofmann war die Masche des Trickbetrugs bekannt, doch im falschen Moment ging er einem Internetbetrügern auf den Leim

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Frank Hofmann war an diesem Nachmittag irgendwie genervt. Vor einigen Tagen hatte er eine OP, und ständig klingelte das Telefon. Die Vorwahl aus England wurde auf dem Display angezeigt. „Eigentlich wollte ich nicht abheben, aber irgendwann habe ich’s dann doch gemacht“, erklärt der 68-Jährige. Damit nahm das Malheur seinen Lauf: Denn der Anrufer war ein Trickbetrüger, der sich als Angestellter des Windows-Support-Teams ausgab. Er tischte dem ahnungslosen Hofmann die Geschichte auf, dass nach einem automatischen Update die Rückmeldung gekommen sei, der Computer des Seniors sei mit schadhafter Software infiziert. Das könne man aber problemlos beheben.

Damit Frank Hofmann auch wirklich glaubt, was der Mann am anderen Ende der Leitung erzählt, sollte er unter Anweisung ein System-Protokoll öffnen, auf dem durch ein paar Klicks zu sehen war, dass lauter Fehler, Warnungen und kritische Inhalte auf seinem PC installiert worden seien. „Ich bin im Umgang mit meinem Computer keinesfalls ein Amateur, aber im Detail kenne ich mich nicht aus. Für mich war die Geschichte und was ich gesehen hab bis zu einem bestimmten Punkt glaubwürdig.“ Was er nicht wusste, das Protokoll wird an jedem PC durch bestimmte Filtereinstellung, die Hofmann per Fernanweisung getätigt hatte, angezeigt. Also stimmte er zu, dass der Techniker mit der englischen Vorwahl, der allerdings Deutsch sprechen konnte, den Schaden behebt. Vorher müsse der Dienst nur bezahlt werden – online, per Pay Pal – und ein Programm runtergeladen, damit der angebliche Experte auch auf den Bildschirm seines nichts ahnenden Opfers schauen kann. „Der Mann hat mich in eine Plauderei verwickelt. Erzählte, er sei Inder, wohne in London, heiße Alex Paul“, sagt Hofmann, der währenddessen immer misstrauischer wurde und dem es langsam dämmerte, dass das alles nicht mit rechten Dingen zuging. Doch die rund 300 Euro für den angeblichen Windows-Service waren bereits bezahlt. Der Computer war statt mit sicherer mit schadhafter Software ausgestattet. Und sensible Daten wie Pins waren in falschen Händen.

„Diese Art von Internetbetrug ist uns schon eine Weile bekannt. 2014 haben wir dazu zehn Fälle registriert“, erläutert Polizeisprecherin Isabel Wenzel. Internetkriminalität sei nichts neues, aber in Kombination mit einem Anruf nicht üblich. „Um auf die steigende Anzahl an Verbrechen in der virtuellen Welt reagieren zu können, haben wir bei der Polizei mittlerweile externe Computer-Spezialisten engagiert“, so Wenzel. Und auch die Anzahl der Sachbearbeiter sei aufgestockt worden, damit die vermehrten Anzeigen auch bearbeitet werden können.

Frank Hofmann ist gleich am nächsten Tag zur Polizei gegangen und hat seinen Fall gemeldet, ließ seine Karten sperren und die Computer reparieren. Die Täter zu finden sei schwer, weil die Spuren im Internet recht schnell verschwinden. Die Bankangestellte, mit der er wegen der Versicherung seiner Kreditkarte gesprochen hatte, glaubte ein Deja vu zu haben. Genau die Betrugsgeschichte habe ihr ein Kunde bereits einige Tage zuvor erzählt. Und wie es der Zufall so will: Durch die ungewollten Erfahrungen die Hofmann mit den Betrügern machen musste, erkannte er, dass seine nichts ahnenden Verwandten in Chemnitz dieser Betrugsmasche auf den Leim gegangen waren. Hofmann ärgert sich zwar über sich selbst, aber er will seinen Fall weitererzählen, damit andere nicht ebenfalls darauf reinfallen.

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