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Winterdienst in Dobin : Mit 285 PS gegen die Schneemassen

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Mit seinem 285 PS-Traktor sorgt der Landwirt Frank Piehl in der Gemeinde Dobin am See im Winter für freie Fahrt auf den Straßen. So auch am vergangenem Wochenende. Seit 1992 ist er für den Winterdienst verantwortlich.

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erstellt am 09.Dez.2012 | 08:32 Uhr

Dobin | Tage wie der gestrige Sonntag bringen Frank Piehl um den Schlaf. "Bei Schneefall heißt es um 2.30 Uhr aufzustehen", sagt er. "Um 3.30 Uhr rolle ich mit der Technik vom Hof, den Schieber vor dem Traktor, den Streuwagen gut mit Salz aufgefüllt."

Frank Piehl ist seit 1992 für den Winterdienst verantwortlich, zuerst nur in Rubow, denn auch in Retgendorf und inzwischen für alle Ortslagen der Gemeinde Dobin am See. Durch den Winterdienst kann der Landwirt seine Technik besser auslasten. Es ist nicht billig, was da für freie Fahrt auf den Straßen sorgt. Der Traktor New Holland mit 285 Pferdestärken hat den Landwirtschaftsbetrieb von Klaus Piehl, den Bruder von Frank, etwa 180 000 Euro gekostet, der Schneepflug bei 10 000 Euro und der Streuer, als gebrauchter gekauft, etwa 25 000 Euro. "Es ist ein computergesteuerter Streuer", sagt Frank Piehl. "Da kann ich die benötigte Salzmenge auf das Gramm genau einstellen und auch die Streubreite variieren. Bis zu acht Meter breit."

Das Wetter interessiert einen Landwirt immer. Am Sonnabend hatte Piehl bereits im Internet gesehen, was ihn am gestrigen Sonntag erwarten würde - Schnee, Schnee und nochmals Schnee. "Wenn eine Runde vorbei ist, folgt die nächste", meint er. "Und wenn extremes Wetter angesagt ist, rechne ich auch damit, dass die Straßenmeisterei Crivitz mich um Hilfe bittet. Darauf bin ich eingestellt. Es gab in vergangenen Jahren schon Tage, an denen ich von morgens um zwei bis Mitternacht auf den Beinen war. Und wenn in der Nacht zum Montag die Zeitung gedruckt wird, bin ich wahrscheinlich bereits wieder dabei, die Straßen zu räumen."

Frank Piehl garantiert, dass bis 6.30 Uhr die wichtigsten Straßen geräumt sind. "Es geht um den Bus, der die Kinder ungefährdet zur Schule bringen soll, aber auch um Rettungsfahrzeuge, die jederzeit ausrücken müssen, um Hilfe zu bringen, beispielsweise bei einem Herzinfarkt", meint der 44-Jährige. "Aber ich könnte es mir auch nicht verzeihen, wenn ein Unfall passiert, weil schlecht geräumt ist."

Vier bis fünf Stunden dauert eine Fahrt, um die Straßen zu räumen. Dabei streut er zwischen zwei und drei Tonnen Salz auf die Fahrbahnen. "80 bis 90 Tonnen kommen so in einem Winter zusammen", sagt er. "Manchmal ist es besser, die Dosis zu erhöhen, um sich eine Fahrt zu ersparen. Ich führe ein Streutagebuch, denn das Salz finanziere ich vor und bekomme es erst einen Monat nach dem Streueinsatz bezahlt. "

Das Salz holt sich Frank Piehl aus Neubukow, etwa 20 Tonnen auf einmal in Big Packs zu jeweils 1,1 Tonnen. 100 Euro kostet die Tonne Salz. Es gab auch schon Winter, in denen das Salz knapp wurde. "Da hieß es: Stopp, das Salz wird für Autobahnen und Bundesstraßen benötigt. Diese Straßen gehen vor", erzählt der Landwirt. "Aber schon zu DDR-Zeiten haben wir gelernt, für alles eine Lösung zu finden. Ich habe zur Überbrückung Kali-Dünger, den billigsten, den es gab, gestreut. Das war höchstens fünf Euro teurer und hat seinen Zweck erfüllt. Kali ist schließlich auch Salz."

In Dobin am See sagen viele Einwohner, dass Frank Piehl den besten Winterdienst im Amtsbereich macht. Und was ist, wenn er mal krank wird? "Dann springt meine Tochter Denise ein", sagt Piehl stolz. "Und wie gut sie mit dem Traktor umgehen kann, hat sie im letzten Jahr bewiesen, als sie als einzige Frau erfolgreich beim Leistungspflügen antrat."

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