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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. September 2017 | 06:03 Uhr

Schweriner Senioren : Mit 102 noch bestens informiert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Kopf topfit, nur das Herz will nicht mehr ganz so wie sie: Elfriede Büch liest seit mehr als 60 Jahren die SVZ

von
erstellt am 27.Jul.2017 | 21:00 Uhr

„Hallo“ sagt sie pustend durch die Gegensprechanlage. Es surrt, die Tür öffnet sich. Acht Stufen geht es hinauf – und da steht sie lächelnd. Die Wohnungstür ist weit geöffnet. Das die Rentnerin bereits 102 Jahre alt ist, sieht man Elfriede Büch nicht an. „Im Kopf bin ich noch fit, nur mit der Luft wird es knapp“, sagt sie und geht langsam ins Wohnzimmer. Und das sie auch noch mit 102 so auf der Höhe ist, verdankt sie ihren Rätseln, die sie täglich macht und der Schweriner Volkszeitung. Denn die liest sie täglich seit über 60 Jahren.

„Politik interessiert mich nicht mehr besonders“, erzählt Elfriede Büch, aber den Schweriner Lokalteil und den Sport studiere sie aufmerksam. „Berichte rund um den Fünf-Seen-Lauf verfolge ich besonders intensiv“, sagt Büch. Denn den organisiert ihr Sohn, Dietmar Büch. Die ersten zehn Jahre sei sie sogar noch mit ihrem Mann mitgegangen. „Richtig mitlaufen ging ja schon nicht mehr – beim ersten Lauf war ich schließlich schon 70 Jahre alt“, erinnert sie sich schmunzelnd. Mit 96 hatte sie einen Herzinfarkt. Seither ist die Seniorin schnell aus der Puste und kämpft immer wieder mit Wasser in der Lunge.

Doch sie will nicht klagen, ist zufrieden. „Ich habe so viel Hilfe von meiner Familie, einmal die Woche kommt eine Putzfrau – den Rest mache ich aber alleine.“ Pflege brauche die 102-Jährige noch nicht. „So lange es noch so geht, möchte ich in kein Pflegeheim“, sagt Büch, die ihren nächsten Urlaub mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter an die Ostsee plant. „Das machen wir einmal im Jahr.“ Dann steht sie auf und holt Fotos. Stolz zeigt sie Bilder ihrer vier Söhne, acht Enkel und zwölf Urenkel. „Ich bin glücklich, dass es allen so gut geht“, sagt sie und erinnert sich an die schlechten Zeiten. Viel habe sie erlebt, um die Jugend wurde sie, wie sie sagt, betrogen. „Während des Krieges mussten wir aus Stettin flüchten.“ Sie hatten nur das, was sie auf dem Leib trugen. Das Geld war auch danach noch knapp. Doch im Mittelpunkt standen immer ihre Kinder. „Sie sollten es besser haben und eine gute Ausbildung genießen“, betont sie. Und das ist gelungen, schließlich haben alle vier Söhne ein Diplom, erzählt sie.

Erst als Rentner gingen Elfriede Büch und ihr Mann auf Reisen, bis er dann 1998 verstarb. Doch auch wenn sie seither alleine lebt, genießt sie das Leben und nimmt es wie es eben kommt. „Man muss immer das Beste daraus machen“, sagt Büch. „Heute Nachmittag kommen zwei Bekannte zum Romméspielen“, freut sich die 102-Jährige. Bis dahin will sie sich noch ein wenig ausruhen. „Und vorher noch die SVZ lesen“, wirft die ehemalige Verkäuferin der HO Bonboniere vergnügt ein und blättert die Zeitung für die Landeshauptstadt zackig auf.

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