Tierfreunde : Mirowerin päppelt Storchenkind auf

Aus diesem Ei ist das Junge geschlüpft.
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Aus diesem Ei ist das Junge geschlüpft.

Sabine Voß hat aus verlassenem Nest drei Eier gerettet und in einen Brutkasten gelegt: Ein Vogel schlüpfte

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05. August 2015, 12:00 Uhr

Stück für Stück schnappt sich der kleine Storch ein Fleischstück und schlingt es hinunter. „Eigentlich mag er Rindfleisch nicht so gern. Fisch ist ihm lieber“, erzählt Sabine Voß und guckt zu, wie sich der Kleine satt futtert. „Das reicht jetzt“, sagt die Mirowerin und nimmt die Plastikschale mit dem Futter aus dem Korb, in dem das Storchenkind sitzt. Zufrieden kuschelt er sich an einen anderen kleinen Storch – einem Plüschtier. Er rückt sich seinen Platz so lange zurecht, bis alles passt – und entspannt dann seelenruhig.

Sabine Voß genießt diesen Anblick. Sie hat den Kleinen – das Geschlecht konnte noch nicht genau bestimmt werden – aufgepäppelt. Fünf Wochen lang. Gestern brachten sie und ihr Mann Hartmut das Junge in den Storchenhof Loburg bei Magdeburg. Dort soll es sich an seine echten Artgenossen gewöhnen und später ausgewildert werden.

Anfang Mai hatte sich ein Störchenpärchen auf dem Grundstück der Familie Voß in Mirow niedergelassen. Im zeitigen Frühjahr hatte die Wemag hier einen neuen Mast an neuer Stelle aufgebaut. Gleich mehrere Jungstörche beäugten es aus Distanz. Ein Pärchen bezog schließlich Quartier. Das war Anfang Mai und damit eigentlich schon etwas spät für eine erfolgreiche Brut, erzählt die Mirowerin. Die beiden Störche habe sich zuerst ausgetobt und dann mit der Brut begonnen – Ende Mai. Nach wenigen Tagen verließ der Brutstorch das Gelege. „Dass Eier im Nest waren, das wussten wir“, sagt Sabine Voß. Sie hat gewartet. Abends wurde die 52-Jährige unruhig. Sie ist Regionalbetreuerin für Weißstörche im Großteil des Amtes Crivitz und wusste: Kühlen die Eier aus, kann die Brut verloren sein. Die Mirowerin fragte bei Dr. Christoph Kaarz aus Lobur nach. Er riet, die Eier aus dem Nest zu holen und sie im Brutkasten ausbrüten zu lassen. Um an das Gelege zu kommen, musste Hartmut Voß zum Nachbar Rainer Schenck, eine lange Leiter holen. Drei Eier lagen drinnen, alle schon kalt. Sabine Voß wollte den Versuch wagen. Sie legte die Eier in den Brutkasten, den sie sich ausgeliehen hatte. „Das Brutgeschäft ging dann in unserem Wohnzimmer weiter“, erzählt sie. Sie habe viel nachgelesen, „Gott und die Welt angerufen“, um sich Tipps zu holen, wie man erfolgreich Storcheneier ausbrütet. Die Eier mussten alle drei Stunden gedreht werden. „Ich war sehr froh, dass meine Nachbarin Evelin Schenck die Frühschicht übernahm. Ich habe dann nachmittags weiter gemacht“, erklärt Sabine Voß, die berufstätig ist. Am 30. Juni schlüpfte das Junge. Das zweite schaffte das nicht, und im dritten Ei war das Kleine gestorben.

Eine Rotlichtlampe sorgte für die Wärme des neugeboren Storches. Jetzt musste sich Sabine Voß ums Futter kümmern. Das habe anfangs Überwindung gekostet, um das typische Storchenfutter – unter anderem Mäuse – in Häppchen zu portionieren, gesteht sie. Frischfisch brachten Freundin Rosita Paschen und deren Mann Rüdiger vorbei, sie gingen extra angeln. Beim Füttern – alle drei Stunden – half wieder die Nachbarin. Und als das Ehepaar Voß eine Woche Urlaub machte, wechselten sich Nachbarin und Freundin beim Füttern ab. „Ich bin so froh, dass das Jungtier überlebt hat“, betont Sabine Voß.

Störche stehen unter Naturschutz. Ihr Lebensraum wird eingeengt, sie finden nicht immer ausreichend Futter. Um sie wieder anzusiedeln, engagieren sich Naturfreunde wie Sabine und Hartmut Voß.

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