Schwerin : „Mir fehlt das Schweizerhaus“

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Das Schweizerhaus um 1930 als Motiv für eine Ansichtskarte. 1978 wurde das Gebäude abgerissen.
Das Schweizerhaus um 1930 als Motiv für eine Ansichtskarte. 1978 wurde das Gebäude abgerissen.

Zurückgeblickt: Leser Klaus Rosin erinnert sich an ein besonderes Gebäude seiner Kinderzeit – und das ist ihm auch ein Gedicht wert

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05. März 2020, 05:00 Uhr

Es gibt viele Dinge, die längst aus dem Stadtbild Schwerins verschwunden sind. Wir haben Sie, liebe Leser, aufgerufen, uns ihre Erinnerungen an längst Verschwundenes zu schicken. Jetzt hat sich Klaus Rosin gemeldet. „Mit fehlt das Schweizerhaus“, schreibt er.

Der damalige Schüler der Karl-Liebknecht-Oberschule hatte in dem Haus im Schlossgarten wunderschöne, unvergessliche Erlebnisse. „Schüler und Erzieher waren wie eine große Familie“, sagt Klaus Rosin. Damals habe dort noch die Witwe des Vogelkundlers Karl Strauer in der kleinen Wohnung gelebt. „Wir haben sie gerne besucht, denn sie war eine gute Erzählerin und wir fühlten uns bei ihr wie im Wald, denn überall hingen Vogelbilder, die uns ansprachen wie die Lieder, die wir gemeinsam sangen“, erinnert er sich.

Hausmeister hatte Schätze im Gepäck

Gebaut worden war das Schweizerhaus im Jahre 1849 als Ausflugsgaststätte von Landbaumeister Hermes nach dem Vorbild ähnlicher Bauten in verschiedenen Schlossparks. Eigentümer war Carl Strauer, der sich für sein Projekt die Genehmigung von Großherzog Friedrich Franz II. holen musste. Das Schweizerhaus wurde bis 1943 von der Familie Strauer bewirtschaftet. Nach dem 2. Weltkrieg hatte das Gebäude unterschiedliche Nutzungen. Es beherbergte Forstverwaltung, Kindergarten und war Hort der Karl-Liebknecht-Schule. Der Standort war gegenüber der neuen Kaserne in der Stellingstraße. Heute befindet sich dort der Irrgarten, der zur Bundesgartenschau 2009 angelegt wurde.

Für Klaus Rosin war es ein einmaliger Ort. „Zu Ostern wurden dort Körbchen gebastelt und von den Erziehern versteckt und gefüllt, um sie dann auf der so genannten Parteiwiese zu suchen“, weiß Klaus Rosin noch genau. Im Herbst wurde aus den Früchten ein großer Tierpark gebastelt, im Sommer ging es nach Kalkwerder zum Baden und im Winter, als noch richtig viel Schnee lag, kam der Hausmeister mit seinen Schätzen. „Das waren Märchenfilme“, wirft der Schweriner einen weiteren Blick zurück.

Höhepunkt zum Abschluss der Ferien

Etwas Besonderes waren für ihn auch die Ferienspiele im Sommer. „Da konnten wir für wenig Geld 14 Tage lang glücklich sein“, so Rosin und er erzählt von den Ausflügen zur Ostsee, oder wenn die Schriftstellerin Ann Charlott Settgast mit ihrem Ehemann Werner Brockmüller zu Besuch kam. „Er war Kapitän auf einem Segelschiff und er zog uns Jungs mit seinen Geschichten in seinen Bann und ließ uns von der Seefahrt träumen“, sagt der heute 69-jährige Klaus Rosin, der damals in der Gartenstraße wohnte. Auch ein Herr von der Plattdeutschen Bühne trug Stücke von Wilhelm Busch vor. „Und zwar so gekonnt, dass wir uns vor Lachen den Bauch hielten.“

Zum Abschluss der Ferien musste dann jede Gruppe noch ein Programm zum Besten geben. „Das war der Höhepunkt dieser Spiele im Schweizerhaus“, sagt der gebürtige Schweriner. Und was ist übrig geblieben? „Ein Irrgarten und die Bäume, die an eine wunderschöne Zeit erinnern.“ Und ein Gedicht, das Klaus Rosin dem Schweizerhaus gewidmet hat.

Gedicht von Klaus Rosin

Unvergessen

Gegenüber der Kaserne, stand dieses unvergessne Haus,

in dem die Blume Kindheit stets am Blühen war.

Wir rissen jeden Tag das Unkraut aus

und waren stundenlang nur füreinander da.

Wie sonst sind all die Bilder im Herzen wach geblieben,

 die uns die Sehnsucht manchmal wiederbringt.

An die wir in den Träumen schrieben

im Freudenrausch, ganz wie ein Kind.

So wie im Kettenflieger ließen wir uns gleiten,

 durch diese Pforte in das Paradies.

Wo auf den Bilderbücherseiten

man einen Platz für unser Treiben ließ.

Wir durften alles, selbst auf Einbahnstraßen spielen,

 stets warn die Feen in weiß dabei,

 falls nötig unsren Puls zu fühlen,

wenns Beulen gab nach einer Rangelei.

Hier in der Welt von Vogelvater Strauer,

von Bäumen und dem Grün umringt,

 warn wir behütet wie im Vogelbauer

 und werden wach, wenn eine Amsel singt.

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