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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Oktober 2017 | 13:32 Uhr

Geschichte : Ministerin residiert im alten Hotel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das heutige Regierungsgebäude in der Schlossstraße gewährte vor 150 Jahren Schwerins Besuchern Unterkunft

von
erstellt am 22.Apr.2014 | 16:30 Uhr

Es ist eines der letzten Regierungsgebäude in Schwerin, das vollständig saniert wurde: das Finanzministerium in der Schlossstraße 9 bis 11. Die unmittelbare Nähe zum Schloss war schon im Mittelalter attraktiv. Auf dem Gelände siedelte sich schon vor hunderten Jahren das Volk an.

Gesellschaftlich Bedeutung erhielt der Standort allerdings erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ab diesem Zeitpunkt überliefern auch Akten des Schweriner Stadtarchivs den Bau des damaligen Hotels „Stadt Hamburg“, wie Archivmitarbeiter Jörg Moll berichtet. Ein Blick in die Schweriner Chronik von Udo Brinker verdeutlicht, dass der erste Bau in der Schlossstraße 9 bis 11 keineswegs so prunkvoll war wie das heutige Finanzministerium.

Rückblick: Am Anfang wird dort „nur“ ein dreigeschossiger „schmuckloser“ Fachwerkbau errichtet. Mehr als 60 Jahre steht das Haus an dieser Stelle, bis es – mittlerweile als „Hotel du Nord“ bekannt – im Jahre 1909 dem Abriss zum Opfer fällt.

Ostern vor 103 Jahren: Am 15. April 1911 feiert das Hotel „Nordischer Hof“ Eröffnung. Bauherr ist der Schweriner Bankier Hugo Berger. Die Baukosten belaufen sich auf stolze 900 000 Mark. Die Vorderfront entspringt den Entwürfen des Berliner Architekten Georg Roensch, der auch das Weinhaus Uhle entworfen hatte. Aber der Standort scheint mehr schlecht als recht für ein Hotel geeignet. Zwar übernimmt 1912 eine Schweriner Hotelgesellschaft den Beherbergungsbetrieb, erweitert den Gebäudekomplex nach Ankauf der Häuser in der Ritterstraße 5 und 7 und baut das Saalgebäude dazu. Im Jahr 1920 kauft die damalige Landesregierung das Ensemble.

Fünf Jahre später wird im Keller des ehemaligen „Nordischen Hofes“ für die beiden damaligen Schweriner Rudervereine ein Ruderkasten mit vier Trainingsplätzen eingeweiht. Im Juli 1945 befindet sich die Sowjetische Militäradministration Mecklenburg unter dem Dach des Hauses. Sie ist am 9. Juni des gleichen Jahres für die sowjetische Besatzungszone gebildet worden. Chef ist Generaloberst Iwan I. Fedjuninski. Die Stadtkommandantur quartiert sich parallel im Gebäude des Landeshauptarchivs ein. Im Haus Am Ziegelsee 18 wird eine Offiziersmesse eingerichtet, die „Stadthallen“ am Marienplatz werden „Haus der sowjetischen Besatzungsmacht“.

In der Schlossstraße 9 bis 11 vervollständigt im Jahr 1951 ein turmartiges Bühnenhaus des Architekten Paul Nehls als separaten Zugang zum ehemaligen Ballsaal den Komplex. Bis 1990 befindet sich dort das Haus der Jungen Pioniere und der Rat des Bezirkes. Schon kurz nach der Wende, am 14. Oktober 1990, zieht das Finanzministerium des Landes in die historischen Mauern ein.

 

 

 

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