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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. Oktober 2017 | 16:36 Uhr

Arbeitsmarkt : Mindestlohn auf Jobs kaum Einfluss

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beispiel Sozialbereich: Unternehmen haben gesetzliche Vorgaben längst umgesetzt / Fahrdienste passen Arbeitszeiten an

von
erstellt am 13.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Erst der Wegfall des Zivildienstes, dann die Probleme bei der Rekrutierung von Fachkräften insgesamt, nun der allgemeine Mindestlohn: Wer soziale Leistungen anbietet, hat es nicht leicht. Befürchtungen, die Einführung der gesetzlichen Lohnuntergrenze von 8,50 Euro in der Stunde könnte eine Einschränkung des Angebots oder womöglich sogar Entlassungen nach sich ziehen, haben sich in unserer Region aber offenbar nicht bewahrheitet.

Die Botschaft der Sozius Pflege- und Betreuungsdienste, größter Anbieter in Schwerin, jedenfalls ist eindeutig: „Der Mindestlohn wird von unseren Unternehmen eingehalten. Als Pflege- und Betreuungsdienstleister sind wir nach vertraglichen Regelungen verpflichtet, bestimmte Leistungen anzubieten und einen festen Personalschlüssel vorzuhalten. Es können bei uns keine Stellen aufgrund des Mindestlohns wegfallen“, sagt Annemarie Zander, bei Sozius für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing zuständig.

Erzieher und Sozialpädagogen, aber auch Altenpfleger würden längst über dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlt, erklärt Awo-Chef Axel Mielke. „Lediglich bei den ungelernten Hauswirtschaftskräften mussten wir nachsteuern.“ Eine abschließende Regelung werde noch für den Fahrdienst gesucht, in dem Rentner eingesetzt seien, die nicht mehr als 450 Euro im Monat hinzuverdienen dürften. Stichwort: kürzere Arbeitszeiten, veränderte Tourenpläne. Ein Thema nicht nur für die Awo.

Kinder zur Kita, Schüler zur Schule, Senioren zur Tagespflege und Menschen mit Behinderungen zur Werkstatt zu chauffieren – diese Aufgabe übernimmt auch der Fahrdienst der Johanniter, der in Westmecklenburg mehr als 70 Fahrer beschäftigt. Der Mindestlohn gelte, die Arbeitszeiten seien angepasst, berichtet Mitarbeiterin Katharina Lazun. „Bei uns wurde niemand entlassen.“ Auch Bettina Schwark vom Deutschen Roten Kreuz in Schwerin bestätigt: Alle Beschäftigten seien weiter an Bord. Von Fahrdienst-Mitarbeitern getrennt hat sich nach SVZ-Informationen dagegen der Arbeiter-Samariter-Bund, wo sich aber trotz mehrmaliger Nachfrage niemand zum Thema Mindestlohn äußern will.

Mehr als 14 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in der Landeshauptstadt könnten von der Einführung des Mindestlohns profitieren, hatte der Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Thomas Fröde, zu Jahresbeginn prophezeit. Noch höher werde der Anteil bei den Teilzeitbeschäftigen und Mini-Jobbern sein, die nun am Ende des Monats mehr Geld im Portmonee hätten.

Seit 1. Januar gilt der allgemeine gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde in Deutschland. Für eine Bilanz der Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Westmecklenburg sei es noch zu früh, sagt der Leiter der Schweriner Arbeitsagentur, Dirk Heyden. Auffällige Arbeitslosmeldungen gäbe es aber nicht. Im Gegenteil: „Aus dem Bereich Gesundheit und Soziales etwa wurden uns im Januar 21 offene Stellen mehr gemeldet als vor einem Jahr“, schildert Heyden.

 

 

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