Schwerin : Mild mit Schnee: Winter kehrt zurück

<fettakgl>Eis knackt am  Schweriner See:</fettakgl>  In zurückliegenden Wintern  tauten die Gewässer oft erst im März auf.<foto>Unger</foto>
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Eis knackt am Schweriner See: In zurückliegenden Wintern tauten die Gewässer oft erst im März auf.Unger

Die Landeshauptstadt Schwerin erwartet morgen eine neue Kältewelle. Bislang ist der Winter viel zu warm. Knackige Kälte kommt erst im Februar, sagt Wetterexperte Reiner Tiesel.

svz.de von
09. Januar 2013, 10:24 Uhr

Schwerin | Morgen erfasst die nächste Kältewelle Schwerin und bringt auch etwas Schnee mit. So sagt es der Deutsche Wetterdienst voraus, aber Reiner Tiesel beschwichtigt weiter: Das werde nur etwas länger als eine Woche anhalten. Heute werde der Wind auffrischen und ein kleines Tief über Mecklenburg treiben. An dessen Rückseite wird kalte Luft angesaugt, die in den nächsten Tagen ein paar Minusgrade mit sich bringt.

"Sibirische Winter wie in den Jahren 1985 bis 1988 werden wir voraussichtlich nicht mehr bekommen", sagt er. Der Wetterexperte verlässt sich dabei auf seine Erfahrung, denn seit er 1970 seinen Abschluss in Meteorologie gemacht hat, beobachtet er von Warnemünde aus die Kapriolen von Sonne, Wind und Wasser. "Das Wetter ist in den vergangenen Jahren immer untypischer geworden", sagt er. "Wir haben eigentlich die Hochwinterphase, aber die kältesten Wochen waren bislang im November und Anfang Dezember. Die wochenlange trübe und zu milde Wetterlage dauert schon zu lange."

Seit dem ersten Weihnachtsfeiertag bestimmen Plusgrade und Regen den Tag. Die Luft ist so feucht, dass ständig ein grauer Schleier über Mecklenburg liegt. Hinzu komme, dass die Ostsee und der Schweriner See nur schwer zufrieren und zusätzlich für einen milden Einfluss auf das Wetter sorgen würden, so der Warnemünder. Allerdings zeigt seine Erfahrung, dass um den 16. Januar und 17. Februar eine dichte Schneedecke am höchsten ist. Dabei ist die Zeit vom 15. bis 22. Februar der kälteste und schneereichste Zeitraum und damit der Kern des Winters. Meist setzt vom 22. bis 29. Januar dazu eine milde Witterungsperiode ein. Diese relativ warme, unbeständige Luftströmung vom Atlantik nach Europa durchbricht die Winterkälte - eine Art hochwinterliche Monsunströmung. "Mit der zunehmenden Sonnenwärme, geht unser Winter oft Anfang März zu Ende", erklärt der Wetterexperte weiter. "Ich bezweifle, dass wir auch aufgrund des Klimawandels noch richtig harte Winter bekommen."

Tiesel selbst hat den frostigsten Winter 1962/3 erlebt. "Er war schneereich und lang. Damals war die Ostsee zu einem Drittel zugefroren", erzählt er. Dann gab es in den 80er-Jahren mehrere harte Winter nacheinander und 1995/96 den letzten frostigen. In den vergangenen Jahren habe es zwar immer wieder Kälteeinbrüche von teils mehr als minus 20 Grad Celsius gegeben, aber die hätten nie länger als ein bis zwei Monate gedauert. "Brachial ist anders", sagt Tiesel knapp.

Seine Theorie: Nicht nur der Treibhauseffekt, sondern auch die Sonne hat einen enormen Einfluss. Anzeichen dafür sind demnach die Sonnenflecken. Um so mehr es von diesen Anzeichen für Sonnenstürme gibt, um so mehr Energie setzt die Sonne frei, die die Erde erreicht und erwärmt. Das Ereignis folgt nach den Beobachtungen Tiesels einem elfjährigen Zyklus. "Gibt es weniger Sonnenflecken, werden die Winter kälter", erklärt Tiesel den umgekehrten Effekt.

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