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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 15:24 Uhr

Holthusen : Milchpreise rutschen in den Keller

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Harald Elgeti vom Bauernverband Ludwigslust befürchtet neuen Tiefstand im Mai und fordert die Politik zum Eingreifen auf

von
erstellt am 03.Apr.2016 | 09:00 Uhr

Der Milchpreis ist im Sinken. Bei jedem Liter, den ein Milchbauer verkauft, zahle dieser drauf, sagt Harald Elgeti. Er ist Geschäftsführer des Bauernverbandes Ludwigslust. Rund 200 Betriebe sind Mitglied in diesem Verband, davon sind etwa 85 Prozent Landwirte, die auch Milchproduktion betreiben.

Dazu zählt auch die Agrargemeinschaft Holthusen. „Auch wenn wir gerade in der Milchpause sind“, so Brigitte Roost-Krüger. Seit November vorigen Jahres liefert Holthusen keine Milch mehr. Die Genossenschaft hat ihre 220 Kühe verkauft, zum Schluss nur noch weniger als 30 Cent pro Liter Milch bekommen. Es war zu viel Milch auf dem Markt. „Unser Entscheidung hatten wir damals davon abhängig gemacht, ob es in Brüssel noch Beschlüsse zur Regulierung der Milchmenge gibt. Die gab es nicht. Daraufhin haben wir beschlossen, die Milchproduktion vorerst aufzugeben“, erinnert sie. Aber die Holthusener planen wieder mit Milchkühen. Weil der alte Stall marode war, will die Agrargenossenschaft an einem neuen Standort am Dorfrand eine neue moderne Anlage bauen – für 600 Milchkühe. Sie soll Ende 2017 fertig sein. Brigitte Roost-Krüger: „Ein Stall mit mehr Kühen ist wirtschaftlicher zu betreiben – allein von den Investitionen her.“ Mindestens 40 Cent müsste ein Milchbauer heute bekommen, um nicht nur über die Runden zu kommen, sondern mit der Arbeit auch Geld zu verdienen, so Roost-Krüger.

Dass sich im Moment die Milchproduktion nicht lohne, dem stimmt Elgeti zu. „Wir liegen pro Liter Milch nicht mehr viel über 20 Cent. Experten sagen voraus, dass wir im Mai unter 20 Cent kommen.“ Die Folge: Dann werde sich der Markt bereinigen. „In meinen Augen ist das eine schlimme Entwicklung.“ Aktuell gibt es in Deutschland 60  000 Milchproduktionsbetriebe. 2008 waren es noch 100  000. Allerdings stellt Elgeti klar, „dass wir nicht weniger Kühe haben, die Konzentration sogar ansteigt“. Der Landwirt sei geradezu gezwungen, immer mehr Milch zu produzieren, weil diese oftmals das einzige Zahlungsmittel ist, das er hat. Der Einzelne könne an der Situation nichts ändern. Hier würde nur helfen, die Menge zu reduzieren. Aber es funktioniert nicht zu sagen, lasst uns mal alle etwas weniger produzieren. Elgeti sieht den Staat bzw. die Molkereien am Zuge. Die Molkereien hätten kein Interesse etwas zu verändern, weil sie im Moment massenhaft Milch für fast umsonst bekommen. Und der Staat halte sich hier raus. „Ich würde es für angebracht halten, wenn die Politik hier einschreiten würde.“

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