Preiskampf : Milchpreis: Das Elend geht weiter

Am 1. April endete die Milchquote, doch das hat die Lage auf dem Markt nicht verbessert.
Am 1. April endete die Milchquote, doch das hat die Lage auf dem Markt nicht verbessert.

27 Cent pro Kilo Milch ist für Betriebe der Region existenzbedrohend. Bisher gibt es keine Aussicht auf Besserung

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03. August 2015, 10:00 Uhr

Das momentan schöne Wetter wird die Milchbauern der Region kaum trösten, denn für sie ist keinerlei Besserung der extrem schlechten Preislage in Sicht. Das wurde auf der Mitgliederversammlung der Milcherzeugergemeinschaft Hagenow, zu der etwa 40 Betriebe gehören, deutlich. Dass der derzeit gezahlte Preis von 27 Cent je Kilogramm Milch für alle existenzbedrohend ist, wussten alle. Doch Peter Gerber, Geschäftsführer der Berliner Milcheinfuhr Gesellschaft, hatte den Milchbauern schlechte Nachrichten mitgebracht. Nach Ansicht des Milchhändlers, an den die Bauern jetzt nach dem Weggang von Danone liefern, wird es frühestens ab Anfang Sommer 2016 besser. „Für einige Milchbetriebe wird es im kommenden Jahr wohl zu spät sein“, ist sich Harald Elgeti sicher. Nötig wären angesichts der Kosten der Betriebe 41 Cent je Kilogramm, so der Geschäftsführer der Milcherzeugergemeinschaft. 66 Prozent der Mitglieder kommen aus Mecklenburg im Bereich von Boizenburg bis Holthusen, weitere 20 Prozent kommen aus Niedersachsen und damit meist aus dem Amt Neuhaus und die restlichen aus Schleswig-Holstein.

Der Markt sei am Boden. Das liege nach wie vor an strukturellen Problemen. Elgeti, der auch Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes ist: „Erst vor wenigen Tagen hat Aldi den Preis beim Buttereinkauf um weitere 12 Cent je Kilogramm gesenkt. Allein das wird den Milchpreis um noch einmal einen Cent drücken. Dieser Wahnsinn, diese Allmacht des Handels, die macht uns kaputt.“

Die Politik habe zugelassen, dass der Handel sich extrem konzentriert hat. Jetzt würden nur noch vier große Einkäufer den Mark bestimmen – da knickten die Molkereien ein. „Außerdem haben wir in ganz MV nur noch drei Molkereien. Damit ist der Wettbewerb praktisch ausgehebelt.“ Dass es auch anders gehe, zeige Bayern.

Bei seinem Agrarminister Till Backhaus rennt Elgeti offene Türen ein. Auch Backhaus findet den derzeitigen Preis von 27 Cent bodenlos schlecht. Gut geführte Betriebe würden zwischen 34 und 40 Cent benötigen, um einigermaßen über die Runden zu kommen, so Backhaus. Allerdings sollten die Bauern auch mehr Druck auf ihre Molkereien ausüben. Die Milchbauern seien längst nicht die einzigen, die mit einer extrem schlechten Lage am Markt zu kämpfen hätten. Ziemlich finster sähe es auch bei den Preisen für Schweinefleisch aus. Backhaus deutete an, dass es in Kürze ein Bündel von Maßnahmen geben könnte, um gesunden Landwirtschaftsbetrieben, die unverschuldet in Liquiditätsengpässen steckten, helfen zu können.

Dennoch wurde der Vorstand der Erzeugergemeinschaft neu gewählt: Dirk Schmüser (Granzin) ist Vorsitzender. Dazu kommen: Klaus-Peter Heitmann (Benz), Christian Karp (Kraak) Robert Jahnke (Tripkau), Norbert Hack (Schleswig-Holstein).

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