Holthusen : Milchbauern bleiben dran

Die Preise für die Milch rutschen derzeit wieder unter 30 Cent.
Die Preise für die Milch rutschen derzeit wieder unter 30 Cent.

Während mancherorts Betriebe aufgeben, halten die Landwirte in der Region an ihren Plänen fest und bauen sogar weiter aus.

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09. März 2018, 20:45 Uhr

Der Milchpreis ist erneut im Keller. Die Laune der Milchbauern noch nicht. „Wir beißen die Zähne zusammen“, sagt Hansjörg Rotermann von der Agrargemeinschaft Lübstorf. Im Stall stehen bei ihm 350 Milchkühe. Der Preis für den Liter Milch rutscht unter 30 Cent. 35 sollten es mindestens sein. Kühe reduzieren? Abschaffen? Aufgeben? „Auf keinen Fall, wir verharren“, sagt der Landwirt. Den Preis habe er stets im Blick, doch die Sorgenfalten seien nicht mehr so tief wie noch vor Jahren. Die Milch der Lübstorfer Kühe lande in den Töpfen der Molkerei Rücker. Jetzt gehe es darum, einen langen Atem zu beweisen.

Den haben auch Bernd Rieprecht und Katrin Kranert von der Agrargenossenschaft Plate. Vor gut zwei Jahren hat die Genossenschaft 1,3 Millionen Euro in einen neuen Stall investiert. Die Zahl der Milchkühe von 400 auf knapp 600 erhöht. Für den Liter Milch bekommen sie 28 Cent. Einen zusätzlichen Cent gibt es von Arla, für gentechnischfreies Futter. Die Kosten-Nutzen-Rechnung hinkt dennoch. „Wir tun alles dafür, dass es den Kühen gut geht. Gehen sogar größere Schritte nach vorn, beispielsweise bei hornlosen Züchtungen“, sagt Anlagenleiterin Katrin Kranert. Der Dank: ein paar nette Worte. „Aber eben keinen Cent mehr“, schiebt sie hinterher. Von den 1600 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche der Genossenschaft sei die Hälfte Dauergrünland, die andere Acker mit geringer Bodenpunktzahl. „Veredlung ist die einzige Möglichkeit“, sagt Geschäftsführer Rieprecht.

Dieses Argument beansprucht auch Brigitte Roost-Krüger für sich. Die Milchproduktion der Agrargemeinschaft Holthusen ruht derzeit. Pläne für einen neuen Stall liegen seit längerem in der Schublade und jetzt auch genehmigt auf dem Tisch. Auf einem Areal von gut zehn Hektar werde eine neue Anlage für 600 Milchkühe entstehen. Bauherr ist der Milchhof Lehmkuhlen, ein Tochterunternehmen der Agrargemeinschaft. Dass die Preise momentan wieder sinken, beschere Brigitte Roost-Krüger zwar ein paar schlaflose Nächte, doch die Pläne umwerfen, das komme „jetzt nicht mehr infrage“, sagt die Landwirtin mit Nachdruck und ergänzt: „Wir sind es doch gewohnt, zu kämpfen.“ Der neue Stall ist großzügig geplant, deutlich über den geforderten Bio-Standards: „Die Kühe werden gut 20 Prozent mehr Platz haben. Es gibt einen große Auslaufbereich und auch der Bereich für die Mutterkühe ist groß. Wir setzen auf Tiefliegeboxen mit Einstreu“, zählt sie einige Eckdaten auf. Der Baustart ist für das nächste Frühjahr geplant. „Weihnachten 2019 wollen wir die ersten Kühe melken“, sagt sie zuversichtlich. Ob sich bis dahin der Preis erholt hat oder noch weiter gesunken ist? „Wenn ich das wüsste, würde ich mein Geld leichter verdienen“, sagt Brigitte Roost-Krüger.

Auch Milchbauer Christian Karp aus Kraak setzt auf eine „Erholung des Milchmarktes“. Bislang sei der Preis monatlich um 4 Cent gesunken. Die Erweiterungspläne für seinen Betrieb sind ebenfalls genehmigt. Verwerfen wolle er sie „keinesfalls“. Seit 30 Jahren setze die Familie auf Milch. „Wir wollen das erhalten. Das ist nur in großen Betriebsstrukturen möglich. Wer will schon 365 Tage im Jahr arbeiten“, fragt er. Größere Anlagen würden Urlaub und freie Tage erst möglich machen.

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