Interview Bülent Ceylan : „Merkel hat vorschnell gehandelt“

Bülent Ceylan studierte eigentlich Philosophie und Politikwissenschaften, gab das Studium aber für seine Bühnenkarriere auf. Seine Auftritte haben ihn inzwischen berühmt gemacht. Am 7. Mai ist er wieder in Schwerin.
Bülent Ceylan studierte eigentlich Philosophie und Politikwissenschaften, gab das Studium aber für seine Bühnenkarriere auf. Seine Auftritte haben ihn inzwischen berühmt gemacht. Am 7. Mai ist er wieder in Schwerin.

Comedian Bülent Ceylan sprach mit Redakteurin Annegret Behncke über sein neues Programm und die aktuelle Flüchtlingsdebatte

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18. November 2015, 12:00 Uhr

„Sehen Sie sich eher als Deutscher oder als Türke?“ Er antwortet ganz gelassen: „Ich bin Mannheimer, du Depp“. Mit langen Haaren und Mannheimer Slang begeistert Bülent Ceylan seit Jahren sein Publikum. Am 7. Mai kommt er wieder nach Schwerin. Tritt in der Sport- und Kongresshalle auf. Mit Redakteurin Annegret Behncke sprach er nun ungewohnt ernst über die aktuelle Flüchtlingsdebatte und natürlich über sein aktuelles Bühnenprogramm „Kronk“.

Im nächsten Jahr kommen Sie wieder in unsere Stadt. Auf was dürfen sich die Schweriner freuen?
Natürlich auf mein neues Programm „Kronk“. Es gibt wieder Geschichten von Harald, Hassan und Co. Und auch das Flüchtlingsthema greife ich auf.
Das ist ja doch ein sensibles Thema. Passen Sie bei Ihren Gags besonders auf, was Sie sagen?
Das Thema geht uns alle was an. Ist in aller Munde. Da komme ich also auch nicht drum herum, es aufzugreifen. Besonders vorsichtig – nein. Man muss auch lachen können. Ich hatte vor Kurzem einen Auftritt in Österreich. Da sind meine Gags nicht schlecht angekommen.

Wie stehen Sie zur aktuellen Flüchtlingsdebatte?
Man muss sich positionieren. Ich denke, Angela Merkel hat vorschnell gehandelt. Ihre Aussage, kommt alle her, hat sich unter den Flüchtlingen rumgesprochen. Sie hat sich auf die EU verlassen – und nun wurde sie verlassen. Deutschland allein kann es nicht schaffen. Europa ist gefragt. Man muss die Ängste der Menschen ernst nehmen. Man darf nicht alles sofort in die rechte Ecke schieben. Dennoch können die Menschen, die Schutz suchen, nichts dafür. Die Deutschen dürfen ihnen nur aus Angst nicht hässlich begegnen.

Ihr Programm ist aber schon lustig?
Ja, na klar. Es gibt voll auf die Zwölf. Es geht auch um Alltagsprobleme: Um Facebook oder aber, dass wir alle ein bisschen krank im Kopf sind.

Sie auch?
Jeder hat Macken. Ich mache mir zum Beispiel beim Einkaufen Gedanken, welche Kasse ich nehme. Die, an der weniger Menschen stehen. Oder doch die, an der nur eine Person zahlen will, aber den Korb voll hat. Das ist ja schon ein bisschen krank. So geht es aber vielen Menschen.

Sie sind ja sehr musikalisch. Gibt es auch Musik auf der Bühne?
Eine neue Ballade. Es geht um Kinder, denn sie sind wichtig für die Welt. Und natürlich – dafür bin ich ja schon bekannt – ein Lied gegen Rechts.

Sie geben mit Ihrem Programm also viel Persönliches, Ihre Einstellungen, von sich Preis?
Ich bin hinter der Bühne so, wie auf ihr. Ich bin immer enttäuscht, wenn ich Kollegen kennenlerne, die ich eigentlich auf der Bühne richtig klasse finde. Dann trifft man sich persönlich und denkt, was für ein Arschloch. Ich denke, man ist es dem Publikum schuldig, ehrlich zu sein. Einfach so, wie man ist.

Haben die Schweriner die Chance ein Autogramm von Ihnen zu bekommen?
Vor der Show, ungefähr ab 17 Uhr, wird es eine Autogrammstunde geben. Wer also früh genug in der Sport- und Kongresshalle ist, kann ein Foto mit mir machen und bekommt ein Autogramm.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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