Ehrenamt : „Menschen gehört geholfen!“

Helfen ehrenamtlich: Christin Riedrich, Kevin Wahl und Christopher Keuchel (v.r.)
Helfen ehrenamtlich: Christin Riedrich, Kevin Wahl und Christopher Keuchel (v.r.)

Christin Riedrich, Kevin Wahl und Christopher Keuchel von der Fachschule für Sozialpädagogik packen in Bahnhofsmission mit an

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18. Januar 2016, 23:49 Uhr

„Die Jugend von heute“ – ein Spruch, den alle kennen. Er ist belegt mit Vorurteilen, denn er wirft den Gedanken auf, dass junge Erwachsene keine Manieren mehr hätten, undankbar seien oder eigennützig. Die Azubis Christin Riedrich, Kevin Wahl und Christopher Keuchel beweisen als ehrenamtliche Helfer der Bahnhofsmission das Gegenteil.

Als sich die evangelische Jugend im Sommer an die Fachschule für Sozialpädagogik gewandt hat und freiwillige Helfer für die Bahnhofsmission suchte, war für die drei angehenden Erzieher schnell klar: „Da machen wir mit.“ Seit September kümmern sie sich dort um Flüchtlinge, die auf ihre Weiterfahrt warten oder auf dem Bahnhof stranden. Sie verteilen Sachspenden, begleiten die Menschen zum richtigen Gleis oder betreuen Kinder.

Es gibt Tage, da ist der Ansturm auf die Bahnhofsmission so groß, dass sie bis Mitternacht unterwegs sind. Aber auch danach lässt sie das Erlebte nicht los. Sie denken weiter an die Menschen, denen sie begegnet sind. Denn deren Schicksale gehen unter die Haut. Die 20-jährige Christin fragt sich, was aus der Mutter und ihrem Baby wurde, die ihr so schnell Vertrauen geschenkt hatte. Kevin freundete sich mit einem Syrer an und hält über das Internet Kontakt zu ihm. So erfuhr er auch, wie dieser 13 Stunden in der Kälte ausharrte, um sich in einer Berliner Erstaufnahme registrieren zu lassen und am Ende doch nicht vor Behördenschluss an der Reihe war. Und der 25-Jährige Christopher lernte einen Vater kennen, der seine kränkelnde Tochter bei der waghalsigen Flucht über das Mittelmeer ertrinken sah. Dieses Bild bekommt er nicht mehr aus dem Kopf.

Warum unterstützen die drei Schweriner die Bahnhofsmission? Zum einen aus Hilfsbereitschaft, da sind sich die drei einig. Sie waren aber auch neugierig auf die Flüchtlinge, die man sonst nur in den Medien gesehen hatte. „Ich wollte mir ein eigenes Bild von den Menschen machen und habe durchweg positive Erfahrungen gemacht“, sagt die 20-Jährige.

Aber: „In meinem Umfeld gibt es auch negative Stimmen. Menschen, die nicht verstehen, warum wir ,denen‘ helfen. Ich versuche dann, von meinen Erfahrungen zu berichten, um andere Perspektiven aufzuzeigen. Ich erkläre, warum die Flüchtlinge trotz Smartphone nicht reich sind und auf Unterstützung angewiesen sind“, so Christin.

Die Jungs gehen anders um mit den Vorurteilen. „Natürlich versuchen wir die Leute zunächst aufzuklären, aber einige sehen trotzdem nur, was sie sehen wollen. Da hilft nur, sie zu ignorieren“, so der 25-Jährige Christopher. „Es macht keinen Unterschied für uns, ob es Flüchtlinge sind, denen wir ein heißes Getränk anbieten oder ob wir einer Seniorin die Einkaufstüte zum Auto tragen. Menschen gehört geholfen.“

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