Alt Meteln : Meisterbrief und 1000 Euro extra

Für Tochter Hannah baut Andreas Kurth ein Spielhaus. Eine gute Übung für die Prüfung, in der es unter anderem um die rechnerische Ermittlung und Ausarbeitung eines Dachstuhls ging.
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Für Tochter Hannah baut Andreas Kurth ein Spielhaus. Eine gute Übung für die Prüfung, in der es unter anderem um die rechnerische Ermittlung und Ausarbeitung eines Dachstuhls ging.

Zimmerer Andreas Kurth hat seine Prüfung erfolgreich absolviert und profitiert von neuem Förderprogramm des Wirtschaftsministeriums

svz.de von
02. August 2016, 16:00 Uhr

Tagsüber arbeiten, nach Feierabend und an Wochenenden büffeln. Wer seinen Meister machen will, dem bleibt das nicht erspart. Andreas Kurth aus Alt Meteln auch nicht. Unzählige andere Handwerker haben das vor ihm schon so gemacht – und, so wie er, die Prüfung erfolgreich absolviert. Der Unterschied: Kurth ist einer von 89 neuen Meistern aus den Handwerkskammern Schwerin und Ostmecklenburg-Vorpommern, die als erste neben dem gleichnamigen Brief jeweils auch 1000 Euro bekommen haben. „Meister-Extra“ nennt das Wirtschaftsministerium diese Prämie und will mit ihr die Leistung und das Engagement der Absolventen einer Meisterausbildung hervorheben.

Andreas Kurth hat Feierabend und endlich wieder Zeit, sich um Nesthäkchen Hannah, die vielen Gänse, den großen Garten und um das betagte Haus zu kümmern, an dem noch so viel gemacht werden muss. Zeit für Familie und Hof, die hatte der 37-Jährige bis vor wenigen Monaten so gut wie gar nicht. Fast vier Jahre lang war er damit beschäftigt, neben seiner Arbeit im väterlichen Betrieb seinen Zimmerermeister zu machen. „Das war schon eine Doppelbelastung. Freitags und sonnabends war Schule, abends habe ich manchmal bis Mitternacht gelernt“, erzählt der zweifache Vater, der schon eine gänzlich andere Ausbildung hinter sich hat. Vermessungstechniker, diesen Beruf hatte er zuvor erlernt und sich dann wieder davon verabschiedet. „In diesem Job hält so stark die Technik Einzug, dass ich nicht weiß, wie lange ich ihn noch hätte ausüben können“, nennt Kurth einen der Gründe, warum er umsattelte. Der zweite: Er wolle gerne etwas Sichtbares, Greifbares schaffen. Das macht er nun täglich, mit Vater Wolfgang und zwei anderen Kollegen im Betrieb in Kaesolow. Den soll er mal übernehmen. „Meinen Vater freut es“, weiß Andreas Kurth. Meister Kurth. Diesen Titel darf er seit Juni tragen, als die feierliche Meisterbrief-Feier anstand, als die neuntägige Prüfung längst vorbei war und die Gesamtnote 2 schon fest stand. Bei dieser Feier konnte er nicht dabei sein. Doch es gab vor kurzem noch eine. Eine, die er nicht auf der Rechnung hatte, als er im Mai 2012 mit der Meisterausbildung begonnen hatte: die „Meister-Extra“-Feier.

„Ich habe erst im vergangenen Januar erfahren, dass es für die neuen Handwerksmeister eine 1000-Euro-Prämie geben wird“, so der Zimmermann. In Mecklenburg-Vorpommern werden für dieses Programm in diesem sowie im kommenden Jahr jeweils 500  000 Euro bereitgestellt. Eine Reaktion darauf, dass die EU einen erleichterten Zugang zu reglementierten Berufen ins Visier genommen hat. Mittlerweile ruderte die EU zwar zurück, doch das hiesige Handwerk befürchtet weitere Deregulierungsbemühungen und sorgt sich um den Meisterbrief. „Das duale Ausbildungssystem und seine tragenden Strukturen zu stärken ist daher oberstes Ziel“, sagte Harry Glawe, Wirtschaftsminister in MV. Der Meisterbrief, so Glawe weiter, sei die ideale Basis für ein nachhaltiges und erfolgreiches Unternehmertum.

1000 Euro extra. Das Geld ist schon überwiesen. Andreas Kurth hat’s gefreut. Von dem Geld geht es nächstes Jahr in den Norwegen-Urlaub. Dann hat die ganze Familie etwas davon. Und viel Zeit füreinander, die gibt es obendrauf.

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