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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 17:15 Uhr

Bio in Medewege : Mehr Kühe statt Hofsterben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bio-Bauer Georg Jahn hält in Medewege 60 Tiere und ist trotz der aktuellen Milchpreis-Diskussion seit Jahren erfolgreich

svz.de von
erstellt am 20.Apr.2016 | 16:00 Uhr

In ganz Deutschland tobt die Milchpreis-Debatte. In ganz Deutschland? Nein! Im Nordosten der Republik, genauer gesagt in Medewege, hat Georg Jahn kein Problem mit dem Milchpreis. 60 Kühe leben auf dem Biohof von Bauer Jahn. Vor zwei Jahren waren es noch 40. Statt Rückgang und Existenzangst Wachstum und neue Ideen. Doch wie ist das möglich?

In den vergangenen Tagen und Monaten kochte die Debatte um den Milchpreis wieder hoch. Heimische Landwirte protestierten mit Gummistiefeln vor dem Schweriner Argarministerium. 3200 Milchbetriebe mussten laut Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft schließen. Schuld sei der Verfall des Preises für konventionelle Milch – 40 Prozent weniger gibt es für die Bauern heute als noch vor zwei Jahren, so die Angaben der Arbeitsgemeinschaft.

Rund 20 Cent bekommen Bauern aktuell ungefähr für den Liter Milch. Für Bio-Milch liegt der Preis durchschnittlich bei etwas mehr als dem Doppelten. „Der Grund für den Preisunterschied ist das wenige Angebot an Bio-Milch“, erklärt Bauer Jahn. Nicht jede Milch ist gleichzeitig Bio-Milch. Um sich die entsprechende Bezeichnung zu verdienen, müssen Bauern viele Faktoren erfüllen. Einer davon ist die Lieferung an eine spezielle „Bio-Meierei.“ Für den 57-Jährigen war die Produktion biologischer Milch von Anfang an die einzige Alternative. Vor 20 Jahren gründete der Schweriner im Stadtteil Medewege den Biohof Medewege mit – dort, wo einst zwei Familien lebten, sind nun 70 Menschen zu Hause. Mehr als 100 arbeiten dort. Egal, ob in der Gärtnerei, der Bäckerei oder der Imkerei – alles am Hof Medewege ist Bio.

Doch warum zahlen Menschen für Bio-Milch den doppelten Preis? „Vielen meiner Kunden ist es wichtig, dass sie wissen, woher die Milch kommt“, erzählt Jahn. Das Gewissen spiele eine große Rolle. Während in wirtschaftlich optimierten Betrieben Kühe bis zu 12 000 Liter konventionelle Milch pro Jahr geben, „schaffen“ seine Kühe am Tag im Durchschnitt rund 20 Liter. Aufs Jahr hochgerechnet sind das 7300 Liter Bio-Milch.

Die Literzahl ist dabei aber nicht der einzige Unterschied. „In Großbetrieben wird das Vieh zumeist als wirtschaftliche Massenware gesehen, bei uns hat jede Kuh einen Namen“, sagt Georg Jahn. Rosa, Melina und Okaja leben bei ihm im Stall zusammen mit mehr als 50 anderen Kühen. Und auch das Futter ist anders: Jahns Kühe ernähren sich nach seinen Angaben nur vom eigenen Biohof. Einige „Superkühe“ mit fünfstelligen Literzahlen müssten hingegen hormonell behandeltes und gen-optimiertes Futter fressen.

Wirtschaftlicher Erfolg ist aber auch für den Bio-Bauern aus dem Norden Schwerins wichtig. „Allein vom Idealismus kann auch ich nicht leben“, erklärt Jahn. Ganz am Anfang hatte der Schweriner zwei Kühe. Damals musste er die Wiederkäuer noch mit der Hand melken. „Heute verbringen meine Mitarbeiter täglich mindestens drei Stunden auf dem Radlader, um dem Kuhmist Herr zu werden“, erzählt der Schweriner. In der Zukunft werde es aber auch für ihn nicht leichter, behauptet Jahn: „Um wirtschaftlich weiter Landwirtschaft betreiben zu können, werden viele Bauern auf den Bio-Hype aufspringen. Das bedeutet dann mehr Angebot an Bio-Milch und weniger Geld pro Liter.“

Doch auch für diesen Fall hat Georg Jahn bereits eine Idee. „Ich könnte mir gut vorstellen, eine Art Regional-Wert-AG zu gründen. Leute könnten sich für einen bestimmten Betrag eine Art Milch-Aktie kaufen, um sich im Biohof einzukaufen.“ So werde die Verbindung zwischen Bauer und Abnehmer enger. Und ein „bewusster Bezug zur eigenen Milch“ hergestellt.

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