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Helfer kritisieren : Mehr Hilfszeit für die Feuerwehr?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fünf Minuten oben drauf: Führung der Schweriner Berufswehr kritisiert geplante Gesetzesänderung des Sozialministeriums

Der Gesetzesentwurf für die Lebensretter im Land kommt bei der Schweriner Berufsfeuerwehr, die in Westmecklenburg nicht nur Feuerwehr, sondern auch Notarzteinsätze koordiniert, gar nicht gut an. Denn Mediziner und Rettungsassistenten sollen dem in der Diskussion befindlichen Papier zufolge mehr Zeit als bisher erhalten, um im Notfall Hilfe vor Ort zu leisten. Ein Spiel mit dem Feuer, meinen die Lebensretter. Denn bei einigen Einsätzen zählten oftmals Sekunden.

Das gilt bisher: Der Durchschnitt aller Einsätze der Lebensretter darf zehn Minuten vom Anruf in der Westmecklenburger Leitstelle in der Graf-Yorck-Straße nicht überschreiten. Gemessen wird vom Eingang des Anrufs bis zum Eintreffen vor Ort.

Das sieht der Gesetzesentwurf vor: In der Regel soll die Rettungszeit durchschnittlich zehn Minuten betragen, soll aber im Durchschnitt 15 Minuten nicht überschreiten. Gemessen wird von der Alarmierung des Notarztes und der Rettungsassistenten in der Leitstelle bis zum Eintreffen vor Ort.

Jürgen Rogmann, Schweriner Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz und Rettungsdienst, erklärt: „Es fehlen dann künftig in der Zeitmessung allein schon die 60 bis 90 Sekunden, die vom Eingang des Notrufes bis zur Alarmierung der Lebensretter vergehen. Das wird nicht mehr berücksichtigt.“ Hinzu kämen die „durchschnittlich fünf Minuten mehr“, die das Ministerium vorgibt.

Bereits seit der vergangenen Wahlperiode wird an der Novellierung des Landesrettungsdienstgesetzes gearbeitet. Ende Mai hat Sozialministerin Birgit Hesse den Gesetzesentwurf zur Anhörung an die anderen Ressorts der Landesregierung gegeben. Notwendig geworden war das neue Rettungsdienstgesetz durch die Kreisgebietsreform.

Und noch etwas stößt den Schweriner Lebensrettern auf: Das neue Berufsbild Notfallsanitäter soll in spätestens zehn Jahren den bisherigen Rettungsassistenten verdrängt haben. So entsteht ein enormer Ausbildungsbedarf. Schulen gibt es nur in Rostock, Teterow und Schwerin, wo die dreijährige Ausbildung erfolgt. Werden jetzige Rettungsassistenten qualifiziert, fehlen sie im Einsatz. Amtsleiter Rogmann spricht von drei nötigen Planstellen für die nächsten vier Jahre allein in Schwerin. Die Sparzwänge des Innenministers passen da gar nicht ins Bild.

Und offen ist auch die Frage, ob die ausgebildeten Notfallsanitäter auch dorthin gehen, wo der Bedarf ist, sagt Rogmann. Ein Drittel aller Rettungsdienste in Deutschland werden von der Berufsfeuerwehr geleistet – wie in Schwerin. In der Landeshauptstadt wird dafür ausgebildet, in Kooperation zwischen Feuerwehr, Helios und Berufsschule Gesundheit. Die Schule in Teterow führt dagegen das DRK, das selbst Rettungsdienste fährt und eigenen Bedarf hat. Denn: Wer bei der Feuerwehr lebenswichtige Einsätze leisten will, braucht – wenn er nicht schon vorher bei der Feuerwehr war – nach der dreijährigen Ausbildung zum Notfallsanitäter noch zwei Jahre feuerwehrtechnische Ausbildung, eher er arbeiten kann.

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erstellt am 26.Jun.2014 | 08:00 Uhr

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