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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. November 2017 | 16:48 Uhr

Schwerin : Mehr Geld für eine saubere Stadt

vom

Die Straßen in Schwerin werden immer schlechter, das Unkraut wächst vor dem Stadthaus schon kniehoch und es gibt zu wenig Papierkörbe. Das sind nur einige Probleme, die Bürger immer wieder an die Verwaltung herantragen.

svz.de von
erstellt am 03.Nov.2013 | 05:21 Uhr

Schwerin | Die Straßen in der Landeshauptstadt werden immer schlechter, das Unkraut wächst selbst vor dem Stadthaus schon kniehoch und es gibt zu wenig Papierkörbe. Das sind nur einige der Probleme, die Bürger immer wieder an die Verwaltung und die Stadtvertretung herantragen, wenn es um Ordnung und Sauberkeit geht.

"Wir sind allein bei der Straßenunterhaltung zu etwa 40 Prozent unterfinanziert", sagt Ilka Wilczek, die als Werkleiterin der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen (SDS) für die Straßenunterhaltung, die Grünflächenpflege und die Friedhöfe zuständig ist. "Dabei sind wir für rund 350 Kilometer Stadtstraßen mit einer Fläche von 3,5 Millionen Quadratmetern verantwortlich." Nach den Empfehlungen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen wären 4,8 Millionen Euro erforderlich, um einen "DIN-gerechten" Zustand zu gewährleisten. Die SDS bekommen pro Jahr aber nur einen Zuschuss von 2,8 Millionen Euro von der Stadt. Die Folge: Nach jedem Winter müssen die Autofahrer in Schwerin auf Schlaglöcher achten.

In der kommenden kalten Jahreszeit könnte es aber anders sein. "Das Schlaglochprogramm des Landes hat uns sehr geholfen", sagt Ilka Wilczek. "Wir konnten auf vielen Straßen Schlaglöcher und vor allem Risse in der Fahrbahndecke schließen." Allerdings hat das Land die Mittel nur als Darlehen gewährt - das Geld muss also zurückgezahlt werden. "Wir hätten uns natürlich einen echten Zuschuss gewünscht." Außerdem: Auch mit den einmalig gewährten zusätzlichen Mitteln können nur Reparaturen ausgeführt werden. "Eine planmäßige Instandhaltung ist so nicht möglich", bekennt Ilka Wilczek. Die Folge ist beispielsweise, dass die Straße Am grünen Tal inzwischen so kaputt ist, dass eine Reparatur kaum noch möglich ist. "Wir stecken da keine Kraft mehr rein." Ähnlich sieht es in der Hamburger Allee aus. Auch die müsste komplett saniert werden. Für das nächste Jahr ist aber nur das grüne Tal im Haushalt vorgesehen.

Bei den Spielplätzen sieht es ähnlich aus. 150 000 Euro wollten die SDS ausgeben. Bekommen haben sie nur 60 000 Euro. "Davon können nur die nötigsten Reparaturen erledigt werden. Geht das nicht mehr, müssen wir Spielgeräte ersatzlos abbauen", kündigt Wil czek an.

Auch wenn es um die Sauberkeit geht, laufen die SDS den Erfordernissen hinterher. Papierkörbe mussten abgebaut, die Zahl der Mähgänge auf einigen Grünflächen reduziert werden, weil das Geld fehlt. "Das ist auf Dauer nicht haltbar", sagt Ilka Wilczek. "Die uns ab diesem Jahr auferlegten Einsparungen müssen zurückgenommen werden." Für den Haushalt 2014 hat die SDS-Chefin deshalb entsprechende Mittel angemeldet. Ob sie sie auch bekommt, müssen letztendlich die Stadtvertreter entscheiden.

Doch gäbe es nicht auch andere Möglichkeiten, Ordnung und Sauberkeit zu gewährleisten, ohne den städtischen Haushalt dramatisch zu belasten? Für die Schwimmende Wiese hat sich die Zukunftswerkstatt angeboten, die Pflege der Pflanzflächen weiterhin zu übernehmen - so wie in diesem Jahr. Das wäre kostengünstiger, als eine Fachfirma zu beauftragen. Aber auch unsicherer. "Die Arbeitskräfte werden nur von Jahr zu Jahr vom Jobcenter zugeteilt", erklärt Wilczek. "Wie viele da kommen, ist immer sehr ungewiss." Die Schlossgarten-Guides beispielsweise laufen seit diesem Jahr nicht mehr - die Stellen wurden nicht genehmigt.

Ein klein wenig Entlastung könnten Patenschaften bringen. "Wir haben gerade wieder einen Vertrag für zwei der großen roten Blumentöpfe abgeschlossen. Und für die Mandarinen-Stückchen auf der Schwimmenden Wiese suchen die SDS und der Gartensommerverein ebenfalls Paten. Der Verein Pro Schwerin will Gewerbetreibende im Großen Moor animieren, die Baumscheiben dort zu pflegen.

Andererseits hat es den Anschein, dass Geld an Stellen ausgegeben wird, an denen es nicht sein müsste. So wurden für den Alten Friedhof ein Buch herausgebracht und jede Menge kleinere Broschüren gedruckt. Die Nachfrage hält sich offenbar sehr in Grenzen. Trotzdem verteidigt sie die Ausgaben. "Der Alte Friedhof ist 150 Jahre alt geworden. Und er ist ein Denkmal von überregionaler Bedeutung." Da seien solche Publikationen schon richtig. Allerdings: Als die Bücher und Hefte kürzlich am Rande der Stadtvertretersitzung angeboten wurden, war das Interesse sehr gering. "Wir haben zwei Bücher über die Kriegsgräberstätten verkauft", so Wilczek. Außerdem: Das für den Alten Friedhof ausgegebene Geld darf nicht in die Straßenunterhaltung oder die Grünflächenpflege gesteckt werden. "Der Friedhof ist zum ganz überwiegenden Teil aus Gebühren finanziert. Die Einnahmen können nur für den Friedhof verwandt werden", so Ilka Wilczek.

Wie es mit der Ordnung und der Sauberkeit in der Stadt weiter geht, müssen die Stadtvertreter entscheiden, sie bestimmen, wie viel Geld für Straßen, Spielplätze oder Rasenflächen zur Verfügung gestellt wird. SDS-Chefin Ilka Wilczek gibt ihnen zu bedenken: "Die Stadt lebt nicht nur von Touristen, sondern vor allem von ihren Einwohnern."

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