Bürgerbeauftragten des Landes Matthias Crone : Mehr Fälle für den Anwalt der Bürger

Matthias Crone, Bürgerbeauftragter von Mecklenburg-VorpommernRED
Matthias Crone, Bürgerbeauftragter von Mecklenburg-VorpommernRED

Wenn Behörden sich quer stellen, können Betroffene den Bürgerbeauftragten des Landes Matthias Crone in die Spur schicken. Wie auch in dem Fall des Alten Stroms in Warnemünde. Dort sind die Fronten verhärtet.

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26. September 2012, 10:46 Uhr

Schwerin | Die Fronten am Alten Strom in Warnemünde sind verhärtet und Matthias Crone soll sie auflösen. Am Südende des Flussausläufers will die Kommune eine Glaswand als Hochwasserschutz errichten. Für die Anwohner ein Frevel. Sie sehen ihr maritimes Markenzeichen durch die Glaskonstruktion beeinträchtigt. Vandalen könnten die Scheiben beschmieren oder zerstören, befürchten sie.

Als Alternative schlagen die Mitglieder des Vereins Wasserwehr eine mobile Schutzwand aus Dammbalken vor, die im Ernstfall binnen weniger Stunden aufgebaut werden kann. Doch bei den Ämtern stößt die Idee auf wenig Gegenliebe. Bewegung in den Streit soll Matthias Crone bringen. Die Vereinsmitglieder haben ihn darum gebeten.

Konflikte zwischen Bürgern und Behörden sind sozusagen das Spezialgebiet des 54-jährigen Juristen. Zu ihm kommen Menschen mit Anliegen "für die sie brennen, die ihnen am Herzen liegen oder große Sorgen bereiten", sagt Crone, der seit März dieses Jahres Bürgerbeauftragter des Landes ist und alle Hände voll zu tun hat.

Seit Amtsantritt haben Bürger bereits 941 Beschwerden, Bitten und Anliegen eingereicht oder persönlich vorgetragen. Im Vorjahr waren es in diesem Zeitraum 826 Fälle. Die Marke von 1330 Petitionen aus dem vergangenen Jahr werde "definitiv" geknackt, weiß Crones Sprecherin Ina Latendorf bereits jetzt und führt das auf die höhere Anzahl der Sprechtage zurück, die der Bürgerbeauftragte regelmäßig im ganzen Land abhält. Termine dafür werden im Halb-Stunden-Takt vergeben. "Wir sind immer gut ausgebucht", sagt Sprecherin Latendorf. Zu Crone in die Sprechstunde kommen Hausbauer, wenn der Bauantrag in den Amtstuben zu verstauben droht, genauso wie Hartz-IV-Empfänger, die sich ungerecht behandelt fühlen, oder Senioren, die sich über eine zu hohe Abwasserrechnung wundern. "Wir versuchen dann für sie auf Augenhöhe zu verhandeln", erklärt Ina Latendorf die Arbeit des Bürgerbeauftragten.

Mehr als 150 persönliche Gespäche mit Betroffenen hat Matthias Crone seit März geführt. Sein Eindruck nach sieben Monaten im Amt: "Besonders im Sozialbereich wird der erhebliche Beratungsbedarf, den die Verwaltung nicht abdeckt, deutlich." Mittlerweile drehe sich rund die Hälfte aller Fälle ums Sozialrecht, bilanziert die Sprecherin des Bürgerbeauftragten. Anfragen behinderter Menschen und Arbeitssuchender bildeten erneut Schwerpunkte der Arbeit. Crone selbst hat die Verwaltungen und Behörden bereits aufgefordert, ihre beratende Funktion wahrzunehmen und mehr auf die Sorgen und Probleme der Bürger einzugehen.

Wo das nicht klappt, versucht der Bürgerbeauftragte die Rechte der Betroffenen direkt gegenüber den Behörden durchzusetzen. Er vermittelt, schlichtet und versucht neue Lösungen vorzuschlagen. Manchmal reicht ein Anruf, um das Einwohnermeldeamt zum Einlenken zu bewegen, das im frisch ausgestellten Personalausweis den Vornamen eines Mannes falsch schreibt und dem Inhaber anschließend die Gebühren für die Korrektur überhelfen will. Manchmal kann ein Bürgerbeauftragter auch Paaren zum Eheglück verhelfen, wenn er sture Standesbeamte umstimmen kann das Hochzeitspaar in dessen Wohnort zu trauen, was zuvor partout nicht möglich war. "Es ist die ureigene Aufgabe des Bürgerbeauftragten, zu mehr Bürgerfreundlichkeit in den Verwaltungen beizutragen", sagt Matthias Crone über seinen Job. Das gilt für kleine und große Amtsstuben gleichermaßen.

Die Vermittlung zwischen Bürgern und Verwaltung erfordert viele Recherchen, Gespräche und Besichtigungen vor Ort. Wie am Alten Strom in Warnemünde. Der Vorschlag der Wasserwehr vom mobilen Flutschutz habe es verdient, ergebnisoffen noch einmal geprüft zu werden, findet Crone. Dafür setzt er sich ein. Er hat erreicht, dass sich die Parteien demnächst noch einmal an einen Tisch setzen und über ihre Vorschläge diskutieren.

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