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In MV brauchen 290 Menschen ein Spenderorgan : Mehr Bürger zur Organspende bereit

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Was passiert nach meinem Tod mit meinen Organen? Diese Frage stellen sich nach dem Beschluss des neuen Transplantationsgesetzes viele Menschen. Zahlreiche Schweriner besitzen keinen Organspende-Ausweis.

svz.de von
erstellt am 28.Dez.2012 | 06:01 Uhr

Schwerin | Was passiert nach meinem Tod mit meinen Organen? Diese Frage stellen sich nach dem Beschluss des neuen Transplantationsgesetzes viele Menschen - auch in Schwerin. Denn zahlreiche Schweriner besitzen keinen Organspende-Ausweis. Mit dem neuen Gesetz soll die Bereitschaft der Bürger, einen solchen Ausweis zu beantragen, steigen. Denn die Krankenkassen müssen nun ihren Versicherten ab dem 16. Lebensjahr alle zwei Jahre Informationsmaterial zur Organspende zusenden und die Möglichkeit schaffen, einen Organspende-Ausweis direkt zu beantragen. Wirkt dieses Gesetz schon jetzt und steigert es die Bereitschaft der Schweriner zur Organspende?

Fakt ist, dass die Krankenkassen sich bemühen, ihre Versicherten dafür zu gewinnen - auch in Schwerin. So zeigte eine Umfrage im Oktober, dass 80 Prozent der Menschen einer Organspende positiv gegenüberstehen. Jedoch besaßen lediglich 20 Prozent tatsächlich einen Organspende-Ausweis - immerhin vier Prozent mehr als im Vorjahr. "In den Prospekten, die wir an unsere Versicherten schicken, liegt der Organspende-Ausweis mit bei. Es muss nur noch ein Kreuz gemacht werden", erklärt Heike Schmedemann von der Techniker Krankenkasse. Genau dies ist die Idee des neuen Gesetzes: Denn so wird das Verfahren für alle Menschen gleich und überschaubar.

Dies entspricht auch der Auffassung von Silke Gajek von der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen: "Die Entscheidung für einen Organspende-Ausweis sollte freiwillig getroffen werden - und sie sollte auf umfassenden Informationen beruhen." Die Ängste der Schweriner seien nach den Organspende-Skandalen nachzuvollziehen, aber sollten schnellstmöglich beseitigt werden.

Aus diesem Grund wurden "nach dem Beschluss der neuen Regelung kompakte Info-Broschüren zu dem Thema verschickt", erklärt Schmedemann. Allerdings fiele erst dadurch die Unwissenheit der Menschen auf: "Viele Leute riefen bei uns an und wollten im Einzelnen wissen, was sie nun tun sollten und könnten."

Auch die Innungskrankenkasse Nord in MV (IKK) wird sich den Änderungen anpassen. "Wir werden aber erst im Laufe des ersten Halbjahres 2013 eine große Offensive starten", berichtet Angelika Stahl. Dies ist auch der Plan der Barmer GEK. "Gerade nach dem Organspende-Skandal muss das Motto für uns ,jetzt erst recht’ lauten", erklärt Wolfgang Klink. "Es gibt einfach zu viele Menschen in unserem Land, die dringend ein lebenswichtiges Organ brauchen."

Nach Angaben der internationalen Organisation Eurotransplant warten derzeit etwa 290 Menschen in MV auf ein Spenderorgan. Eurotransplant ist eine Stiftung, die als Vermittlungsstelle für Organspenden in den Benelux-Ländern, Deutschland, Österreich, Slowenien und Kroatien dient. Sie listet alle Menschen, die ein Organ benötigen, nach Dringlichkeit auf. Die Dringlichkeit hängt von verschiedenen medizinischen Faktoren sowie der Vorgeschichte des Patienten ab. Laut Deutscher Stiftung Organtransplantation (DSO) fanden in MV im ersten Halbjahr 2012 lediglich 16 Organspenden statt. 2008 waren es noch 40, informierte Christine Gehringer von der DSO. Die Zahl der Organspenden gehe zurück.

Liegt dies an der relativ geringen Anzahl von Organspende-Ausweis-Besitzern? Schon jetzt liegen kompakte Informationsbroschüren und auch Organspende-Ausweise in den Geschäftsstellen der Krankenkassen aus oder können aus dem Internet heruntergeladen werden.

"Die Angst der Menschen, dass wegen eines Organspende-Ausweises nicht genügend Maßnahmen ergriffen werden, um ihr Leben zu retten, wie es in Filmen gezeigt wird, ist in Deutschland undenkbar", erklärt der Chefarzt der Anästhesiologie der Schweriner Helios Kliniken, Dr. Georg Rehmert. "Wir sind Ärzte, um Leben zu retten und das wollen wir bis zum Schluss." Für eine Organspende müssen zwei Voraussetzungen gegeben sein, informiert Rehmert : Zum einen die Zustimmung in Form eines Organspende-Ausweises oder einer schriftlichen Verfügung. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen die Angehörigen diese Entscheidung treffen. Des Weiteren muss der Hirntod erfasst sein, also der komplette Ausfall der Gesamtfunktion von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm. So ist der Tod wirklich nachgewiesen und eine Organspende kommt in Frage. Die Untersuchung muss nach Richtlinie der Bundesärztekammer durch zwei erfahrene Ärzte unabhängig voneinander erfolgen. "Bei uns wird diese Zahl auch manchmal überschritten, damit wir uns wirklich sicher sind", erklärt Rehmert. Außerdem dürfen diese Ärzte weder an der Entnahme noch an der Übergabe der Organe beteiligt sein. Nur unter diesen Umständen ist eine Organspende zugelassen. In den Schweriner Helios Kliniken sind nur die Transplantation von Augenhornhäuten und die Entnahme von Organen möglich. Dies aber allein durch Ärzte der DSO. Die entnommenen Organe werden anschließend durch Mitarbeiter von Eurotransplant in jene Krankenhäuser transportiert, wo sie benötigt werden.

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