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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. November 2017 | 17:44 Uhr

Handwerk in Schwerin : Mehr als nur Steine hauen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner Handwerksbetrieben fehlt der Nachwuchs – heute Steinmetz: Robert Lange vermisst den Biss bei den Lehrlingen

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2017 | 23:08 Uhr

Die Arbeitswelt ist im Wandel – nicht nur in der Landeshauptstadt. Viele Handwerksberufe kämpfen ums Überleben, oft gibt es für ihre Produkte keinen Markt mehr. Aber auch technologische Innovationen und andere Entwicklungen verdrängen bestimmte Berufe aus unserem Leben, wenn kein Nachwuchs mehr gefunden wird. Auch der Steinmetz und Steinbildhauer Robert Lange bekommt die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt zu spüren.

„Nicht nur in unserem Handwerk, auch in anderen Betrieben wird der Bedarf an Lehrlingen immer größer“, erzählt Robert Lange. „Dabei streiten wir uns um eine immer kleiner werdende Ressource.“ Dieser Wettbewerb um die Lehrlinge werde auch in den kommenden Jahren nicht abebben, so Lange, denn die geburtenstarken Jahrgänge sind Vergangenheit. „Mittlerweile können es sich die Schüler aussuchen, wo sie in die Lehre gehen wollen.“

Der Steinmetz- und Steinbildhauermeister arbeitet gemeinsam mit vier Kollegen, davon zwei gelernte und zwei Umschüler, in dem Familienbetrieb seines Vaters, der 1955 von Robert Langes UrGroßvater gegründet wurde. Und er bemängelt die fehlende Bereitschaft des Nachwuchses. „Oft ist deren Selbstüberschätzung zu groß und es fehlt ihnen an Biss.“ Dazu zähle Eigenantrieb, der Wille, Probleme zu erkennen und selber zu lösen, sowie Ehrgeiz, Disziplin und Konzentration. „Da sind die Noten in den Zeugnissen fast egal“, erklärt der 32-Jährige. Besonders kleine Familienbetriebe müssten es sich heutzutage dreimal überlegen, ob sie bei diesen Voraussetzungen Zeit und Geld in die Ausbildung des Nachwuchses investieren möchten, so Lange. Auch der Wunsch der Schüler, zu studieren, sowie die Lage der Berufsschule in Königslutter bei Wolfsburg, spiele eine Rolle, dass dem Handwerk der Nachwuchs fehle.

Dabei ist der Beruf des Steinmetzes und des Steinbildhauers abwechslungsreich. Kraft sei nicht unbedingt nötig. „Auch Frauen sind durchaus für dieses Handwerk geeignet, haben sie doch oft eine künstlerische Ader“, sagt Robert Lange. In den ersten beiden Jahren gehen die Lehrlinge noch zusammen in eine Klasse, im dritten Jahr folgt dann die Spezialisierung. Während der Steinmetz sich mehr auf die baulichen Tätigkeiten wie Versetz- und Verlegearbeiten von Natursteinen oder das Formen von Grabsteinen konzentriert, ist der Steinbildhauer mit den künstlerischen Arbeiten beschäftigt.

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