Schranken verschwinden : Medewege bekommt Riesen-Brücke

Bald ein Bild aus der Vergangenheit: Damit die Züge mit Tempo 160 rollen können, soll der Bahnübergang verschwinden. Eine Brücke führt künftig die Bundesstraße über die Gleise.
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Bald ein Bild aus der Vergangenheit: Damit die Züge mit Tempo 160 rollen können, soll der Bahnübergang verschwinden. Eine Brücke führt künftig die Bundesstraße über die Gleise.

Für die Bundesstraße B 106 soll in einigen Jahren eine Überführung über die Bahnstrecke Schwerin – Bad Kleinen gebaut werden

svz.de von
27. Dezember 2013, 21:00 Uhr

Der Bahnübergang im Zuge der Bundesstraße B 106 in Groß Medewege wird geschlossen. Nicht heute oder morgen, aber in wenigen Jahren wird das Überqueren der Schienen an dieser Stelle für Autofahrer nicht mehr möglich sein. Die Alternative: Über die Gleise von Schwerin nach Bad Kleinen wird eine Brücke gebaut. Die ersten Planungen haben begonnen. Das Bauwerk ist erforderlich, weil die Deutsche Bahn die Strecke mit hoher Geschwindigkeit bis zu 160 Kilometern pro Stunde befährt und deshalb niveaugleiche Kreuzungen von Straße und Schiene vermeiden will. „Im Übrigen ist der Bahnübergang nach Angaben von Experten nicht mehr ohne Gefahr zu betreiben“, sagt der Chef des Straßenbauamtes, Thomas Taschenbrecker. „Dafür müsste eine Million Euro investiert werden.“ Kosten, die die Bahn offenbar scheut.

Das Vorhaben wurde bereits im Bundesverkehrsministerium in Bonn vorgestellt. „Das Projekt ist vom Grunde her abgesegnet“, sagt Taschenbrecker. Er geht davon aus, dass das Vorhaben in den neuen Verkehrswegeplan aufgenommen wird, der im Frühjahr von der neuen Bundesregierung vorgelegt werden soll.

Bis dann aber tatsächlich gebaut werden kann, werden noch einige Jahre ins Land gehen. Das erforderliche Planfeststellungsverfahren dauert mindestens zwölf Monate. Etwa die gleiche Zeitspanne ist für die Erarbeitung der Planunterlagen erforderlich. Und dann muss das Geld auch noch bereitgestellt werden. Thomas Taschenbrecker kann sich deshalb nicht festlegen. Die Brücke werde „in den nächsten Jahren“ gebaut.

Entstehen soll das Bauwerk westlich des jetzigen Bahnübergangs. Bei der Ausführung soll auch gleich der jetzt sehr spitze Winkel zwischen Straße und Schiene etwas entschärft werden. „Wir müssen die Brücke etwas in Richtung Aubach rücken, weil auf der anderen Seite ein Vogelschutzgebiet besteht“, so der Chef des Straßenbauamtes.

Erste Überlegungen hatten eine Unterführung unter den Schienen ins Auge gefasst. Die Vorstellungen wurden aber verworfen, weil das KGW seinen Windrad-Standort gefährdet sah.

Der Weiterbau der Schweriner Ortsumgehung mit der Nordumfahrung in Richtung Bundesstraße B 104 ist durch die neue Brücke nicht berührt. „Die Nordumfahrung wird kommen“, sagt Thomas Taschenbrecker. „Die Frage ist nur wann.“

Ein Problem bleibt es aber dennoch. In Groß Medewege gibt es einen weiteren Bahnübergang im Zuge der Hauptstraße. Würde der aus Sicherheitsgründen auch geschlossen, wären der Bio-Hof, der Waldorf-Kindergarten oder auch die Gärtnerei von einer direkten Zufahrt von der B 106 abgeschnitten. Wer in den Westteil Groß Medeweges will, müsste einen langen Umweg über Lankow und Klein Medewege in Kauf nehmen. Ein Szenario, das Schwerins Baudezernent Wolfram Friedersdorff so nicht akzeptieren kann. „Wir wollten zwar schon die Straße zwischen Lankow und Groß Medewege schließen, weil sie und vor allem die Aubach-Querung marode sind. Die direkte Zufahrt von der Bundesstraße muss aber auf jeden Fall offen bleiben.“ Wie? Eine Lösung liegt noch nicht auf dem Tisch. Entweder die Deutsche Bahn lässt sich darauf ein, den Schienenübergang offen zu halten und sicherheitstechnisch zu ertüchtigen, oder es muss eine Zufahrt westlich der Bahngleise geben.

Die Brücke jedenfalls wird ein „beeindruckendes Bauwerk“, ist sich Friedersdorff sicher. Sie wird sehr hoch und damit sehr lang werden, weil nicht nur die Züge, sondern auch die Fahrleitungen für die Elektroloks darunter hindurch passen müssen. „Die Brücke wird sicherlich von vielen Stellen in der Stadt aus zu sehen sein“, so Friedersdorff. Und bei ihrer Planung sind, so die Forderung des Baudezernenten, viele Naturschutzbelange zu beachten. „Sie grenzt nicht nur an ein Vogelschutzgebiet. Dort fliegen auch sehr viele Fledermäuse.“

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